Schweinfurt

Gericht fragt sich: Wozu braucht man Schlagringe im Darknet?

Wegen florierenden Drogenhandels über das Internet wurde ein 26-Jähriger zu mehreren Jahren Haft verurteilt. Strittig war dabei, ob er beim Dealen bewaffnet war.
Seine Deals wickelte ein 26-Jähriger über das sogenannte Darknet ab. Foto: Silas Stein

Obwohl der junge Mann für viele Jahre ins Gefängnis wandern wird, scheint er sein sonniges Gemüt nicht verloren zu haben. Lässig gekleidet in Jogginghose und Kapuzenpulli sitzt der 26-Jährige im Verhandlungszimmer und scherzt dabei lachend mit seiner Familie, die zahlreich erschienen ist. Zur Last gelegt wird ihm schwunghafter Drogenhandel über das Internet. Dass er dabei bewaffnet gewesen sein soll, wiegt besonders schwer.

"Wir haben hier jemanden, der nach eigenem Gewinnstreben gehandelt hat. Ich habe nicht gesehen, dass der Angeklagte etwas daraus gelernt hat." Die Anschuldigungen der Staatsanwältin hatten es in sich, ebenso ihre Strafforderung: Fünf Jahre und zehn Monate sollte der gelernte Luftdichtigkeitsprüfer ihrer Meinung nach ins Gefängnis. Weil er nach Ansicht des Gerichts kiloweise Amphetamine, Ecstasy-Tabletten und MDMA-Pulver über das Darknet verschickt hat. Und weil er zeitgleich Schlagringe und ein Klappmesser in seiner Wohnung hatte.

Drogen, Waffen, Bargeld

Aufgeflogen war der Angeschuldigte im Februar dieses Jahres. Mit einem Durchsuchungsbefehl stürmte die Polizei damals seine Wohnung im Landkreis Bad Kissingen. Neben den Drogen fand sie große Mengen Verpackungsmaterial, zwei Schlagringe in einer Schublade im Wohnzimmer, ein Klappmesser im direkten Umfeld der Drogen, einige Tausend Euro Bargeld sowie einen Baseballschläger und eine ungeladene Schreckschusspistole. 

Mit dem Dealen angefangen hatte der Angeklagte eigenen Aussagen zufolge, weil er Geld brauchte. Um sich seinen aufwändigen Lebensstil zu finanzieren, hatte er einen Kredit von 20 000 Euro aufgenommen. Davon hatte er sich ein neues Auto, ein Motorrad und eine neue Wohnungseinrichtung gekauft. Mit dem restlichen Geld ging er feiern oder verjubelte es im Kasino.

Den Vorwurf des Drogenhandels hatte der 26-Jährige im Rahmen seines Geständnisses eingeräumt. Dass er dabei bewaffnet gewesen sein soll, wollte sein Anwalt so nicht stehen lassen. Der Baseballschläger (inklusive gefundenem Ball und Handschuh) sei zum Spielen genutzt worden. Die Schreckschusspistole sei nicht gebrauchsfähig gewesen und das Klappmesser sei zum Öffnen von Paketen gewesen.

Staatsanwaltschaft will sich nicht festlegen

Den Besitz der Schlagringe räumte der Angeschuldigte ein, gab allerdings an, dass er diese vor vielen Jahren gekauft und längst vergessen habe. Außerdem – so lautete ein Argument der Verteidigung – sei der Drogenhandel ausschließlich online erfolgt. Der Beschuldigte habe also keinerlei Kundenkontakt gehabt. Aus diesem Grund könne der Drogenhandel auch nicht als bewaffnet eingestuft werden. "Wir haben hier einen klassischen Internethandel", so der Verteidiger. Außerdem sei sein Mandant umfassend geständig gewesen. Der Fall sei also als minderschwer einzustufen und der Vorwurf des bewaffneten Handels nicht berechtigt. Deswegen seien drei Jahre Haft angemessen.

Der Argumentation des Verteidigers folgte das Gericht zumindest teilweise. Der Vorwurf des bewaffneten Handels blieb bestehen. "Ihm war bewusst, dass er diese Ringe hat und er konnte jederzeit drauf zugreifen." Das Gericht würdigte allerdings auch das umfassende Geständnis des Angeklagten und verurteilte ihn zu drei Jahren und vier Monaten Haft. Der Angeschuldigte verzichtete auf Rechtsmittel, die Staatsanwaltschaft wollte sich nicht festlegen. Das Urteil ist also nicht rechtskräftig.

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