Gerolzhofen

Gerolzhofen: Grundschüler sichern ihren Pausenhof selbst

Mit Pylonen sperren Grundschüler vor jeder Pause den Übergang über die Schulgasse vom Pausenhof der Grabenschule zum Spitalgarten ab. Foto: Norbert Finster

Durch den Bau des 110-Betten-Hotels "Wilder Mann" mitten in der Stadt werden Unannehmlichkeiten entstehen. Das ist klar. Und das räumen auch Bürgermeister Thorsten Wozniak und Bauherr Rainer Krapf ein. Allerdings weisen beide den in einem Leserbrief geäußerten Vorwurf zurück, es entstehe der Eindruck, dass das Wohl der Kinder in der Grabenschule bei der Planung des Bauvorhabens Hotel "Wilder Mann" keine Rolle gespielt habe.

Der Bürgermeister verweist vor allem auf den Elternabend am 10. September, bei dem Schulleiter Helmut Schmid, Bauherr Rainer Krapf und er selbst die Eltern der Grundschüler in der Grabenschule über mögliche Konsequenzen  aus dem Hotelbau informiert haben. Sollte der Baulärm, der in wenigen Tagen mit den Bohrungen so richtig beginnen wird, zu groß werden, dann könnten die vier Klassen mit den 93 Schülern in Ersatzräume der Grund- und Mittelschule am Lülsfelder Weg und ins Gebäude der Volkshochschule (Vhs) an der Pestalozzistraße umziehen. Denkbar, so der Bürgermeister, wäre auch eine kleine Lösung dergestalt, dass nur die beiden Klassen auf der Nordseite des Schulgebäudes ausziehen und die Klassen in den von der Baustelle abgewandten Räumen bleiben.

Problemzone Schulgasse

Bereits jetzt per Bauzaun abgesperrt ist der größte Teil des Pausenhofs an der Grabenschule mit dem Spielplatz. Die Fläche wird für die Bauarbeiten gebraucht. Die Kinder verbringen ihre Pause jetzt im Spitalgarten. Zu Beginn jeder Pause sichern sie die Schulgasse mit Pylonen ab, denn die ist nach wie vor für den Verkehr geöffnet. Trotz der Hütchen haben Autofahrer schon versucht, durch die Schulgasse zu fahren, berichten Lehrerinnen an der Grabenschule.

Die Pausenzeiten wurden versetzt, so dass immer nur zwei Klassen ihre kurze Freizeit haben. Für fast 100 Schüler auf einmal wäre der Spitalgarten zu klein. Als der Bauzaun aufgestellt wurde, haben die Grundschüler dagegen protestiert. Doch am nächsten Tag hätten sie mit freudigen Augen den Bagger beobachtet, der mit Vorarbeiten beschäftigt war, berichtet Investor Rainer Krapf.

Den größten Baulärm erwartet Krapf für die nächsten zwölf bis 15 Wochen, wenn die Baupfähle bis in eine Tiefe von zehn bis zwölf Metern ins Erdreich getrieben werden. Dann folgt der Aushub von etwa 6000 Kubikmetern Erdreich. Auf den eng und versetzt aneinander gereihten Pfählen ruht die Decke für die Tiefgarage. "Wenn das geschafft ist, haben wir gewonnen", sagt der Bauherr. Die anschließenden Maurer- und die Innenarbeiten am fünfstöckigen Hotel werden nicht mehr viel Lärm freisetzen.

Nur noch der kleine Teil des Pausenhofs im Eingangsbereich der Grabenschule ist geöffnet. Den großen Rest mit dem Spielp... Foto: Norbert Finster

Die Breslauer Straße bekommt für eine kurze Zeit eine Einfahrt gegen die bisherige Fahrtrichtung, also vom Marktplatz her. Die Apotheke und die Bank werden zu jeder Bauphase mit dem Auto erreichbar sein, versichern Wozniak und Krapf.

Krapf: "Habe nichts verschwiegen"

"Ich habe Kinder gern und habe viele Gespräche mit Eltern und Lehrern geführt. Dabei habe ich nichts verschwiegen und klar gesagt, dass es Lärm geben wird", weist Krapf den Vorwurf zurück, die Kinder hätten in seinen Planungen keine Rolle gespielt. Auch Schulleiter Helmut Schmid sei ausführlich informiert worden und habe sich sehr kooperativ und verständnisvoll gezeigt.

Bürgermeister Thorsten Wozniak wirbt indessen für besonderes Verständnis für die innerstädtische Großbaustelle. Denn das Inklusionshotel von Rainer Krapf sei ein großer Beitrag für die Innenentwicklung der Stadt. Ein bisher fehlendes größeres Hotel in der Altstadt werde in fast jeder Marketing-Analyse als Manko bezeichnet.

Auch andere Schulen wie Mittelschule, Realschule und Gymnasium mussten wegen Bauarbeiten schon ins Vhs-Gebäude umziehen. Das ruft der Bürgermeister in Erinnerung. Der einzige Nachteil dort sei, dass es keinen Spielplatz gibt. Für die Bauzeit am 6,3-Millionen-Projekt hofft das Stadtoberhaupt auf ein gutes Miteinander von Eltern, Schülern, Lehrern und Geschäftsleuten an der Breslauer Straße. Natürlich wäre es viel einfacher, ein solches Projekt irgendwo in ein Neubaugebiet am Rande der Stadt hinzustellen. Aber eine gehobene Gastronomie gehört für den Bürgermeister einfach in die Innenstadt. Dazu haben Rainer Krapf und die Arbeiterwohlfahrt, die das Haus betreiben wird, "ein wahnsinnig tolles Projekt" konzipiert.

Hotel Ende 2020 fertig

Rainer Krapf selbst sieht sich nicht nur als Investor, sondern als Stadtrat und Bürger der Stadt, der möchte, dass sich in Gerolzhofen etwas entwickelt.  Vom Zeitplan her soll die Tiefgarage für das Hotel bis Februar stehen, wenn das Wetter mitspielt. Im Dezember 2020 soll das Haus dann fertig sein und Anfang 2021 eröffnet werden, also einige Monate später als ursprünglich geplant. Schuld daran ist die verzögerte Genehmigung der Baupläne.

Das Hotel wird unter dem Motto "Wald und Wein" stehen und eng mit dem Steigerwaldzentrum in Handthal, dem Baumwipfelpfad bei Ebrach und dem Geomaris zusammenarbeiten. Am Altbestand des bisherigen "Wilden Mann" ändert sich nichts. Bereits mit Wurzeln ausgegraben sind die drei jungen Kastanien, die den Biergarten des "Wilden Mann" zierten. Die Bäume wurden als Spende Rainer Krapfs am "Grünen Klassenzimmer" in der Nützelbachaue neu angepflanzt.

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