Stammheim

Gesangverein „Eintracht Stammheim“ bereichert das Dorfleben

„Eintracht Stammheim“, der gemischte Chor aus dem Weinort, feierte Jubiläum, wobei er die ihm gewidmete Messfeier selbst musikalisch mitgestaltete. Foto: Kurt Albert

Auf den Tag genau, 90 Jahre später, beging der  Gesangverein „Eintracht Stammheim“ am vergangenen Sonntag sein Bestehen. Anlässlich dieses seltenen Jubiläums für einen Gesangverein (diese Vereine sind in der heutigen Zeit gemeinhin nicht gerade mit einem hohen Stellenwert in der Gesellschaft ausgestattet) sehr bemerkenswert.

Der ganze Winzerort beging das Fest mit großer Anteilnahme, und zahlreich folgten auch die Ehrengäste der Einladung der amtierenden Vorstandschaft unter dem Vorsitzenden Gerhard Scheller. Fahnenabordnungen aller Stammheimer Vereine, davon gibt es eine größere Anzahl, geleiteten die 25 Sängerinnen und Sänger des Jubelvereins in einem eindrucksvollen Festzug vom Dorfzentrum zur Ortskirche „St. Bartholomäus“.

In einem feierlichen Gottesdienst, zelebriert von Pfarrer Damian Ikejiama, gedachte man der verstorbenen und der noch lebenden Musikliebhaber, die den Klangköper einst und jetzt mit Leben erfüllten und noch erfüllen. „Singen ist Beten aus tiefstem Herzen, Gott zur Ehre und den Menschen zur Freude“, stellte der Geistliche  in seiner Predigt fest, wobei er sich sehr angetan zeigte von den Leistungen der beiden Chöre aus Obervolkach und aus Stammheim, und er bat um Fortsetzung der wichtigen Arbeit. Sie umrahmten die heilige Messe unter der Leitung der Dirigenten Rudolf Wurm (Obervolkach) und Herbert Bierlmeier sehr beeindruckend, sowohl mit getragenen konzertanten als auch mit melodisch schwungvollen Weisen und mit den dazugehörigen tiefgründigen Texten, musikalisch. An der Orgel zeigte Vereinsmitglied Herbert Ziegler sein bemer-kenswertes Können.

Den sich anschließenden Empfang im Pfarrjugendheim nahmen viele Stammheimer Bürger sowie die rund 70 Vereinsmitglieder und zahlreiche Ehrengäste gerne wahr. Hier ließ Vorsitzender Gerhard Scheller die lange Geschichte des Gesangvereins in kurzweiliger Art Revue passieren. Da war zu hören, dass der heutige gemischte Chor eigentlich aus einem reinen Männergesangverein anno 1929 hervorging. Erst 20 Jahre später klopften zehn willige Sängerinnen an die Türe des Probenraums mit der Bitte um Aufnahme in den Chor. Die Herren der Schöpfung überwanden letztlich ihre Skepsis, und so entstand der gemischte Chor wie es ihn heute noch gibt.

So, wie fast überall, waren es auch hier die guten alten Dorflehrer und –pfarrer, die letztlich den Chorgesang publik machten und damit eine etwas gehobene Kultur in das bis dahin biedere Winzer-dorf brachten. So wurde der Gesangverein Stammheim zu einem anerkannten und für den Ort bedeutenden Kulturträger, der das Dorfleben bis heute bereichern und aufwerten konnte. Vor allem, wenn man die wunderbaren Weinbergsserenaden oder die zahlreichen Auftritte bei anderen örtlichen und überörtlichen Anlässen in den Blick nimmt, erkennt man da eine Initiative, die den Zusammenhalt in der Dorfgemeinschaft nachhaltig beeinflusst und festigt, zeigte sich der Vorsitzende in seiner Ansprache dankbar und motivierend gegenüber seinen Mitstreitern.

Früher, so führte Scheller weiter aus, herrschte bei den Chorproben strengste Disziplin. Unentschuldigtes Fernbleiben von der Probe wurde mit 5o Pfennigen Strafe geahndet. Beim zweiten Mal Fehlen drohte der Chorausschluss. Außerdem war vor, bei und unmittelbar nach der Chorprobe das Rauchen und das Biertrinken nicht gerne gesehen wegen der möglichen Beeinträchtigung der Stimmqualität.

Die Grußwortredner, Bürgermeister Horst Herbert und Paul Kolb, Vorsitzender des Singkreises Schweinfurt, lobten das stete Engagement der Akteure, und sie wünschten von Herzen, dass sich immer genügend Sänger und Sängerinnen finden mögen, um den Fortbestand des Klangköpers dauerhaft zu sichern. Dieses Engagement und der Zusammenhalt, die in Stammheim an der Tagesordnung seien, sollte man nicht als selbstverständlich nehmen. Es gäbe genug Beispiele in der Umgebung, wo sich durchaus traditionsreiche Chöre schon haben auflösen müssen, weil der Nachwuchs fehlte und das Engagement letztlich fehlte. Das sei aber hier in Stammheim etwas anders.

Anlässlich des 90. Sängerjubiläums in Stammheim stellten sich dem Fotografen: (von links) Bürgermeister Horst Herbert, Vorsitzender Gerhard Scheller, Stellvertreterin Karin Hahner, Paul Kolb, Vorsitzender des Sängerkreises Schweinfurt, und Chorleiter Herbert Bierlmeier. Foto: Kurt Albert
Der gemischte Chor aus Obervolkach trug zur musikalischen Mitgestaltung der Jubiläumsmesse für den Partnerchor aus Stammheim bei. Foto: Kurt Albert

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