DINGOLSHAUSEN/GEROLZHOFEN

Gespalten

Der erste Versuch, eine Satzung für den neuen Zweckverband zu formulieren, scheiterte. Gestritten wird um die Sitzverteilung.
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. Foto: Nikoncharly (iStockphoto)

Es war ein denkwürdiges Ereignis: Die Mitglieder des Gerolzhöfer Stadtrates und des Gemeinderates von Dingolshausen trafen sich im Dingolshäuser Rathaus. Man wollte die Satzung des neuen Zweckverbandes „Waldpflege – Gemeinsamer Bürgerwald“ ausarbeiten und beschließen. Doch beide Gremien schafften es nicht, sich auf eine Sitzverteilung für die Versammlung zu einigen. Die Gespräche wurden abgebrochen.

Zu Beginn der Sitzung strahlen alle Teilnehmer noch Optimismus aus. Dingolshäuser und Gerolzhöfer sitzen bunt durcheinandergewürfelt nebeneinander am großen Ratstisch. Die Gerolzhöfer haben sogar ihre strenge Sitzordnung, unterteilt nach Fraktionen, aufgeweicht. Zwei Kerzen brennen am abstrakt gestalteten Adventskranz vor dem Sitzplatz von Dingolshausen Bürgermeister Lothar Zachmann. „Die dickere ist für Gerolzhofen“, witzelt Zachmann und will für eine entspannte Atmosphäre sorgen. „Ich hoffe, es geht alles reibungslos über die Bühne, damit wir bis zum Anpfiff des Bayern-Spiels fertig sind.“

In seiner offiziellen Begrüßung spricht Zachmann dann von einem „geschichtsträchtigen Anlass“. Über Jahrhunderte hinweg habe es beim Bürgerwald eine harmonische Zusammenarbeit mit Gerolzhofen gegeben mit nur wenigen kritischen Momenten. „Aber auch in einer guten Ehe kann es mal knirschen.“ Der Bürgermeister wirbt eindringlich für eine Einigung. „Wenn wir es nicht schaffen, dann bildet das Landratsamt zwangsweise den Zweckverband nach deren Formulierungen.“

Auch der Gerolzhöfer Bürgermeister Thorsten Wozniak spricht von einem „historischen Ereignis“. Der Waldpflegeausschuss habe in der Vergangenheit bestens funktioniert. Allerdings sei bereits seit dem Jahr 2007 von den Behörden regelmäßig die fehlende Rechtsform der Waldpflege moniert worden. „Deswegen bilden wir heute einen Zweckverband.“ Und: „Ich hoffe auf einen gemeinsamen Nenner.“

Dann übernimmt der Geschäftsstellenleiter der Verwaltungemeinschaft, Johannes Lang, das Ruder. Satz für Satz geht er mit den Räten die neue Satzung durch. Kleine redaktionelle Änderungen und Ergänzungen können einvernehmlich und unaufgeregt erledigt werden. Dann ruft Lang den Paragrafen 6 auf, der mit „Zusammensetzung der Verbandsversammlung“ überschrieben ist. Viele Sitzungsteilnehmer ändern ihre Körperhaltung, atmen hörbar ein und aus. Alle wissen: Jetzt gilt's.

Es geht um die Anzahl und das Verhältnis der Sitze, die die beiden Gemeinden in der Verbandsversammlung bekommen werden. Bisher entsendet die Stadt drei Personen und Dingolshausen zwei. Bürgermeister Zachmann macht den Auftakt: Obwohl das Eigentumsverhältnis mit 84 zu 16 Prozent klar für Gerolzhofen spreche, sei man sich in der Vergangenheit immer auf Augenhöhe begegnet. Als der Teilhaber Rügshofen noch eine selbstständige Gemeinde war, hätten Gerolzhofen und Dingolshausen jeweils zwei Vertreter gehabt. Erst durch die Eingemeindung von Rügshofen nach Gerolzhofen habe sich dieses Gleichgewicht verschoben. Es sei deshalb die beste Lösung, die althergekommene, in der „Instruction“ von 1862 beschriebene und seit 200 Jahren bewährte Sitzverteilung beizubehalten und lediglich die beiden Bürgermeister noch hinzuzufügen.

Deshalb Zachmanns Vorschlag: vier Sitze für Gerolzhofen, drei für Dingolshausen. Der Dingolshäuser Bürgermeister lehnt sich zurück und lässt seine Rede wirken.

Jetzt ist Thorsten Wozniak am Zug. Normalerweise könne man auf ein Abbilden der Eigentumsverhältnisse von Fünfsechstel zu Einsechstel in der Verbandsversammlung pochen, sagt er. Als „ganz klares Entgegenkommen von Gerolzhofen“ habe der Stadtrat aber beschlossen, mit dem Verteilerschlüssel zufrieden zu sein, der seit ewigen Zeiten bei der Verteilung des Brennholzes angewendet wird: sechs zu drei.

Allgemeines Kopfschütteln bei den Dingolshäusern. Mehrere Redner beider Seiten bekräftigen und erklären nun nochmals die eigene Position, ehe Zachmann als Kompromiss ein Verhältnis von 5:3 vorschlägt. Sein Gemeinderat signalisiert allgemeine Zustimmung.

Gerolzhofens 2. Bürgermeister Erich Servatius bringt 6:4 ins Spiel, was Zachmann zu der spitzen Bemerkung verleitet: „Das ist aber schlechter für Gerolzhofen als mein Vorschlag.“ Wozniak grummelt, Servatius' Vorschlag sei unglücklich, denn es gebe ja einen klaren Stadtratsbeschluss.

Die Stimmung kippt und wird zunehmend gereizt. Man unterbricht die Sitzung, der Dingolshäuser Gemeinderat zieht sich zur Beratung ins Erdgeschoss zurück, während der Stadtrat im Sitzungssaal bleibt und die Köpfe zusammensteckt. Rote Ohren, Hektikflecken.

Nach der Pause verkündet Thorsten Wozniak, die eindeutige Mehrheit seines Gremiums bleibe bei 6:3. Dies will Zachmann untermauert haben – und fordert den Stadtrat zu einer Probeabstimmung heraus. Und tatsächlich: Zachmanns Kompromiss (5:3) fällt mit acht zu elf Stimmen durch. Und die Idee des 2. Gerolzhöfer Bürgermeisters Servatius (6:4) findet in den eigenen Reihen gar nur drei Befürworter.

Lothar Zachmann bricht die Sitzung ab. „Sehr, sehr schade, wie es gelaufen ist“, sagt er. „Wir werden jetzt in uns gehen müssen – und es später nochmals versuchen.“

Die Quoten im Stadtrat

In seiner Sitzung am vergangenen Montag hatte sich der Gerolzhöfer Stadtrat bereits intensiv mit der neuen Sitzverteilung in der Verbandsversammlung befasst, weil nun auch die Bürgermeister beider Kommunen der Versammlung angehören werden. Bislang sind drei Gerolzhöfer und zwei Dingolshäuser im Waldpflegeausschuss. Die SPD schlug ein 4:1 vor. Das bisherige Verhältnis müsse sich zugunsten von Gerolzhofen verschieben. Der Vorschlag wurde vom Stadtrat aber mit 2 zu 17 Stimmen abgelehnt. Freie Wähler (FW) und Geo-net brachten ein Verhältnis von 5:3 zur Abstimmung. Auch dieser Vorschlag wurde mehrheitlich abgelehnt mit sechs zu 13 Stimmen. Unterstützung für den Antrag gab es nur von den anwesenden drei FW-Stadträten und den drei Geo-net-Stadträten. Die CSU machte klar, die Besitzverhältnisse am Wald von 84 zu 16 Prozent müssten sich auch in der Sitzverteilung in der Verbandsversammlung wiederfinden. Dies wäre ein 15:3 oder ein 10:2. Als großes Entgegenkommen an Dingolshausen könne man mit einem 6:3 leben.

Der CSU-Vorschlag mit den 6:3 Sitzen in der Verbandsversammlung fand im Stadtrat schließlich eine breite Mehrheit von 14 zu fünf Stimmen. „Damit gehen wir nun die Verhandlungen“, sagte Bürgermeister Thorsten Wozniak.

Gemeinsame Sitzung, kein gemeinsamer Nenner: Um die neue Satzung für den Zweckverband „Waldpflege“ auszuarbeiten, trafen sich die Mitglieder des Gerolzhöfer Stadtrates und des Gemeinderates von Dingolshausen im Sitzungssaal des Rathauses von Dingolshausen.
Gemeinsame Sitzung, kein gemeinsamer Nenner: Um die neue Satzung für den Zweckverband „Waldpflege“ auszuarbeiten, trafen sich die Mitglieder des Gerolzhöfer Stadtrates und des Gemeinderates von Dingolshausen im Sitzungssaal des Rathauses von Dingolshausen. Foto: Klaus Vogt

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