REGION STEIGERWALD

„Gipfeltreffen“ im Steigerwald

Ob es jemals in dem jahrelangen Streit um ein großes Schutzgebiet oder gar einen Buchen-Nationalpark bei Ebrach zu einem Burgfrieden (die gleichnamige Waldabteilung befindet sich auf dem Zabelstein) kommen wird, steht in den Sternen. Zumindest saßen jetzt der Verein Nationalpark Nordsteigerwald und Ebrachs Staatsforstbetriebsleiter Ulrich Mergner an einem Tisch. Foto: Norbert Vollmann

Zu einem besonderen „Gipfeltreffen“ kam es dieser Tage im Gasthaus Michel in Untersteinbach: Der Leiter des Forstbetriebs Ebrach der Bayerischen Staatsforsten, Ulrich Mergner, hatte die Einladung des Vereins Nationalpark Nordsteigerwald angenommen, um die unterschiedlichen Positionen zum Waldnaturschutz zu diskutieren.

Doch was war es nun? Ein Streitgespräch, wie es der Nationalparkverein in einer Pressemitteilung darstellen will, oder „ein sachliches und informatives Gespräch in guter Atmosphäre“, als welches es Ulrich Mergner wahrgenommen hat? Darüber geht die jeweilige Einschätzung auseinander.

Laut seiner Pressemitteilung hat sich der Nationalparkverein bei dieser Gelegenheit erneut für den Erhalt und Schutz der alten Buchen im staatlichen Klosterwald Ebrach ausgesprochen. Für die Vorstandsmitglieder Adolf Hümmer, Liebhard Löffler und Thorsten Weber habe das Gespräch gezeigt, wie schutzlos die alten Buchenwälder seien, wenn der Schutz von herrschender politischer Seite nicht gewollt sei. Hümmer habe die Position des Nationalparkvereins vorgetragen, wonach eine intakte Natur die Grundlage für unseren Wohlstand von morgen sei, teilt der Nationalparkverein mit. Der Weg dorthin könne nur über einen ausreichend großen Lebensraum für die Tier- Pilz,- und Pflanzenwelt erreicht werden. Naturbelassene Buchenwälder mit einem hohen Anteil an alten Bäumen sowie stehendem und liegendem Totholz mit vielen natürlichen Höhlen würden für Höhlenbrüter, Fledermäuse und zahlreiche andere oft bedrohte Arten Brutraum und Nahrung bieten.

Die wahren Arten- und Naturschützer

Ein wesentlicher Teil der Artenvielfalt in Buchenwäldern komme erst in den Altersphasen zur ganzen Entfaltung. Durch einen konsequenten Prozessschutz könnten am Ende erheblich mehr Altbäume stehen. Hümmer betonte, dass Natur- und Artenschützer diejenigen seien, die die natürliche Waldentwicklung fördern und Buchen ihr Lebensalter von etwa 400 Jahren erreichen lassen und nicht die, die Bäume bereits im „zarten“ Alter von 120 Jahren heraussägen würden.

Ulrich Mergner hingegen hätte, so behauptet es der Nationalparkverein in seiner Mitteilung weiter, auf den Profit hingewiesen, den ein Wirtschaftswald unter dem Strich abwerfen müsse. Die kleinflächigen, aus der Nutzung genommenen Trittsteine würden ausreichen, um die Artenvielfalt zu sichern.

Gegen diese Darstellung in der Pressemitteilung des Vereins setzt sich Ulrich Mergner entschieden zur Wehr. Er habe nicht davon gesprochen, dass die Bayerischen Staatsforsten die Wälder im Steigerwald aus Profitabsicht nutzten, betont er auf Nachfrage dieser Redaktion. Vielmehr habe er über den hohen regionalen Holzbedarf informiert, der aus dem Staatswald gedeckt werden müsse. Das gelte für die Brennholzversorgung der Bevölkerung und Kleinunternehmern genauso wie für die Laubstammholzversorgung der regionalen Sägewerke. In beiden Fällen handele es sich um „Holz der kurzen Wege“, um Erhalt regionaler Wirtschaftskreisläufe und geringere Transportkosten als Standort- und Konkurrenzvorteil.

Trittsteinkonzept ist mehr als nur Trittsteine

Richtig sei, dass mit dem Trittsteinkonzept die Waldartenvielfalt auf großer Fläche verbessert werde, so Mergner. Dies erfolge jedoch nicht nur über die Trittsteinflächen allein, sondern über Tausende von Biotopbäumen, über hohe Totholzmengen, die nach der Holzernte im Wald verbleiben und über sechs große Naturwaldreservate. Dass dieses Konzept Wirkung zeige, sei nicht zuletzt bei den wissenschaftlichen Symposien im Steigerwald-Zentrum in Handthal 2015 und 2017 deutlich geworden.

Ein weiterer Streitpunkt ist die Behauptung des Nationalparkvereins, Ulrich Mergner habe bei dem Treffen in Untersteinbach angekündigt, „dass alte dicke Buchen mit um die 60 Zentimeter Durchmesser, wovon im Klosterwald rund 8000 Exemplare kartiert sind, voraussichtlich im Sommer spätestens nach der Landtagswahl gefällt würden, und nur Bäume über einem Durchmesser von 80 Zentimetern vom Abholzen ausgenommen sind“.

Kein Zusammenhang mit der Landtagswahl

Dazu Ulrich Mergner: „Was die Nutzung in den Wäldern im ehemaligen Klosterwald bei Ebrach betrifft, so habe ich deutlich gemacht, dass es sich um keinen alten Wald handelt.“ Das gelte vor allem auch für die 60 Zentimeter dicken Bäume, die besonders aufgrund intensiver Durchforstungen zu Zeiten des früheren Forstamts Ebrach besonders schnell gewachsen seien. Der Termin für die Holzernte habe nichts mit der Landtagswahl zu tun. Im Frühjahr und Sommer würde generell kein Buchenstammholz vom Forstbetrieb eingeschlagen. In der Darstellung des Nationalparkvereins sei auch seine Aussage untergegangen, dass nicht nur Buchen ab 80 Zentimeter, sondern auch Biotopbäume stehen bleiben und laufend Bäume wieder in die Dimension ab 60 Zentimeter hineinwachsen. Der Anteil von Bäumen ab 80 Zentimeter solle nicht schrumpfen, so Mergner weiter.

Europäischer Schutz für den Klosterwald

Der ehemalige Klosterwald bei Ebrach sei auch nicht – wie vom Verein behauptet wird – schutzlos. Er sei sowohl Flora-Fauna-Habitat- als auch SPA-Vogelschutzgebiet, betont Mergner. Beide strengen europäischen Schutzinstrumente hätten gerade den Schutz der Artenvielfalt zum Ziel.

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