Gerolzhofen

Glasfaser bis in den letzten Winkel der Stadt

Glasfaserkabel sollen die Stadt Gerolzhofen bis in den letzten Winkel mit hohen Datengeschwindigkeiten versorgen. Dazu will der Stadtrat Fördertöpfe anzapfen. Foto: Jan Woitas

Auch die Stadt Gerolzhofen will sich auf den Weg ins Gigabit-Zeitalter machen. Der Stadtrat beschloss am Montag einstimmig, an allen relevanten Breitband-Förderverfahren teilzunehmen. Dazu gehört die Erschließung von Gewerbegebieten und die Anbindung von öffentlichen Gebäuden wie Schulen, Rathaus und Verwaltungsgebäude.

Joachim Först von der Firma Först Consult in Würzburg stellte dem Stadtrat Möglichkeiten staatlicher Breitbandförderung vor. Da ist zunächst einmal das bayerische Förderprogramm für Schulen und Rathäuser, das das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie mit einer Laufzeit bis Ende 2021 aufgelegt hat. Aus diesem Topf gibt es bis zu 90 Prozent Förderung für den Glasfaseranschluss, zum Beispiel für Räume mit besonderem Handlungsbedarf. Der Förderhöchstbetrag je Schule und Rathaus beträgt 50 000 Euro.

Dieser Betrag reicht nach Auskunft des Büros Först in den meisten Fällen weitgehend aus, um einen Breitbandanschluss für eine Schule oder ein Rathaus einzurichten. Die Kosten sind abhängig von der bereits vorhandenen Infrastruktur, von den teils stark schwankenden Kosten für Tiefbauarbeiten und von den Ergebnissen des Vergabeverfahrens.

Bei Behördenanschluss Höchstförderung

Wenn ein Rathaus ans bayerische Behördennetz angeschlossen oder ein solcher Anschluss in den nächsten drei Jahren geplant ist, fließt der Zuschuss bis zur maximalen Höhe. Im VG-Gebäude ist das der Fall, nicht jedoch im Alten Rathaus, für das sich deswegen die maximale Fördersumme auf 20 000 Euro reduziert. Für Verwaltungsgemeinschaften ist eine Förderung nur möglich, wenn die Mitgliedsgemeinden nicht den Förderhöchstsatz abgerufen haben.

"Geld ist genug da. Gemeinden müssen Eigenmittel nur in einer Höhe von zehn bis 20 Prozent aufbringen", sagte Först zur allgemeinen Lage der Breitbanderschließung. Dafür gibt es ein weiteres Programm des Bundes zur Erschließung von Gewerbe- und Hafengebieten. Hier wird die Errichtung eines Netzes für die nächste Generation mit einer Förderung von 10 000 bis zu einer einer Million Euro belohnt. Die Förderquote liegt bei bei 50 Prozent und erhöht sich durch bayerische Landesmittel auf 80 bis 90 Prozent. Diese Förderung ist dann möglich, wenn bei mindestens drei Gewerbebetrieben in einem Gewerbegebiet Bedarf an der Erschließung besteht. Bedarf heißt, es besteht in einem Betrieb eine Datenrate von weniger als 30 Mbit/S nicht nur für die Unternehmensleitung, sondern auch für jeden internetverbundenen Arbeitsplatz beziehungsweise ein netzabhängiges Betriebsmittel. In Gerolzhofen kommen für diese Förderart vor allem die Gewerbegebiete im Norden der Stadt infrage. 

Der Berater wies den Stadtrat außerdem darauf hin, dass nach dem Diginetz-Gesetz Kommunen bei den Tiefbauarbeiten für die Erschließung von Neubaugebieten Leerrohre für Glasfaserkabel mitzuverlegen haben. "Kein Neubaugebiet darf mehr ohne Glasfaseranschluss sein", stellte Först klar.

Altstadt benachteiligt?

"Wir müssen in die  Glasfaser weiter investieren, bis in den letzten Winkel der Stadt", bekannte sich Arnulf Koch (CSU) uneingeschränkt zur Inanspruchnahme der Fördermittel. Thomas Vizl (Geo-net) hatte auf  Försts Stadtplan erkannt, dass große Teile der Altstadt mit 100 Mbit/S versorgt sind und damit Fördermöglichkeiten wegfallen. Dabei finden sich doch auch in der Altstadt viele Gewerbetreibende. Zur Lösung dieses Problems müsse man auf ein neues Gesetz auf bayerischer Ebene warten, erklärte der Berater. In der Tat gelte eine Innenstadt bislang nicht als Gewerbegebiet, was ein Nachteil für die Gewerbetreibenden dort sei. Für diese Betriebe müsste als angestrebtes Ziel ein Gigabit im Gesetz stehen, nicht 100 Mbit/S.

Hohe Förderung für die Breitbanderschließung gibt es auch für Krankenhäuser. Gerolzhofen hat zwei Kliniken. Die Verwaltung soll nach dem Wunsch Thomas Vizls  prüfen, ob diese Häuser an einem hoch bezuschussten Anschluss interessiert sind.

Bei der Verlegung von Leerrohren sollte die Stadt in Vorleistung gehen und die Leitungen dann an Betreiber verkaufen und nicht vermieten, denn dann wäre die Stadt bei Schäden in der Pflicht. In der Regel bekomme eine Kommune beim Verkauf der Rohre die gleiche Summe erstattet, die sie investiert hat, sagte Först zu einer Frage von Günter Iff (Freie Wähler).

ÜZ verlegt Leerrohre

Bürgermeister Thorsten Wozniak klärte die Frage vollends. In Gerolzhofen übernehme die Unterfränkische Überlandzentrale Mainfranken (ÜZ) die Verlegung von Leerrohren in Abstimmung mit den Betreibern. Damit stamme alles aus einem Guss. "Das erspart uns Stückwerk", so der Bürgermeister.

Mit dem Beschluss des Stadtrats wird der Bürgermeister ermächtigt, nun ein Fachbüro zu beauftragen, um die Förderverfahren durchzuziehen.

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