Schweinfurt

Glosse: Große Liebe zu Finanzbeamten

Die meisten sind froh, wenn sie mit dem Finanzamt nichts zu tun haben, außer sie bekommen Geld zurück. Muss man jetzt auch noch Steuerbeamte aus München hier ansiedeln?
Wer freut sich auf 300 Finanzbeamte? Schweinfurt Stadt und Landkreis. Foto: Oliver Berg

Vor einer Woche haben die örtlichen Narren die Macht im Schweinfurter Rathaus übernommen. Das machen sie jedes Jahr ein paar Wochen vor Fasching, organisieren dafür einen "Rathaussturm" und begründen ihr Vorgehen meist nicht großartig, sondern einfach damit, dass sie die mehreren sind und der Stadthalter gefälligst den Schlüssel rausrücken soll. Das tut der dann auch, nach ein bisschen Rumzicken mit den Worten, er ergebe sich jetzt halt der Übermacht. Gedacht hat sich der Herr Oberbürgermeister wahrscheinlich: Schön blöd, ihr Narren werdet schon sehen, wie viel Freude ihr mit meinem Stadtrat habt. So könnte es sein, man weiß es nicht sicher.     

Der OB freut sich schon

Was wir sicher wissen, ist, dass am Mittwoch auf unsere Anfrage zu den 300 Behördenstellen, die im Laufe dieses Jahrzehnts vom Münchner Finanzamt nach Schweinfurt verlagert werden sollen, nicht der Herr Faschingsprinz Stefan zurückgerufen hat und auch nicht seine Prinzessin Lisa, sondern der Herr Oberbürgermeister Remelé höchstselbst, der angeblich gerade entmachtet ist. Der hat dann gesagt, dass er sich auf die drei Hundertschaften Finanzer aus der Landeshauptstadt freut und auch ein schönes Plätzchen für ihre Büros finden würde, zum Beispiel im Ledward-Gelände.

Der Landrat freut sich auch

Drei Steinwürfe weiter hat der (nicht von Narren entehrte) Herr Landrat Töpper aus seinem Landratsamt verlauten lassen, auch er heiße die Finanzbeamten willkommen – in der Conn-Kaserne, in Gerolzhofen vielleicht oder in Werneck. Da gäbe es in seinem Kreis auch ausreichend Arbeitsplatz, vielleicht sogar in Bestandsgebäuden. So ist in dieser närrischen Jahreszeit über Nacht eine ganz große Liebe zu den 300 Damen und Herren Steuerbeamten ausgebrochen, vor allem in der Hinsicht, bei wem und wo genau sie sich beruflich niederlassen sollten. Ihre Arbeitsplätze und Kaufkraft (nach Steuern) hätten der OB genau so wie seine Bürgermeisterkollegen im Landkreis eben gerne vor Ort.    

Der Herr Bosbach kalauert

Das hätte man vor ein paar Tagen auch nicht gedacht, dass sich Stadt und Land um Finanzbeamte reißen, die doch bei vielen im Ruf stehen, für sie sei in Bezug auf das Geld aller anderen Nehmen seliger denn Geben. Dankend angenommen hat diese Woche der Herr Manuel Kneuer (28), Bürgermeisterkandidat der Gochsheimer CSU, die prominente Wahlkampfunterstützung des Herrn Ex-MdB Wolfgang Bosbach (CDU). Dieser – früher selbst mal Coop-Leiter in Köln – setzte sich im örtlichen Edeka-Markt zehn Minuten an die Kasse und seine rheinische Frohnatur lässt ihn einen flotten Spruch nach dem anderen raushauen. Ein schönes Bild: Herr Bosbach kassiert und kalauert – Herr Kneuer packt ein: #ein (K)neuer im Rathaus! steht auf den schwarzen Jutetaschen.

Ob's im Gochsheimer Rathaus bald kneuert, wird sich am 15. März weisen. Was wir jetzt schon wissen, ist, das der "Freundeskreis Landesgartenschau Schweinfurt e.V." Ende Januar eine Baustellenbegehung in der Ledward-Kaserne vornehmen wird. Welche Baustelle? Die Gartenschau ist 2026! Ach, die der Carus-Allee. Was soll ein "Freundeskreis" schon machen all die Jahre, in denen es noch nicht nach Landesgartenschau ausschaut.

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