Schweinfurt

Glosse: Guten Morgen, hier weckt die Polizei

Im so genannten Ankerzentrum wohnen über 600 geflüchtete Afrikaner. Am Mittwoch durften sie nicht ausschlafen. Die Polizei weckte sie um 6 Uhr zum Zweck einer "Begehung". 
Es lag zwar nichts vor. Die Polizei besuchte das Ankerzentrum in Geldersheim am Mittwochmorgen trotzdem mal mit drei Hundertschaften - "präventiv", schon um 6 Uhr. Da war's noch dunkel.  Foto: Stefan Sauer

"Gewerkschaft warnt: Unterfrankens Polizei ist am Limit" So hat Anfang November unsere Schlagzeile gelautet, unter welcher ein Kollege über den Bezirkskongress der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) für Unterfranken im Konferenzzentrum auf der Maininsel berichtet hat. Und Thorsten Grimm, der frisch gewählte Bezirksvorsitzende der DPolG klagte: Trotz staatlicher Bemühungen und Einstellungsrekord bei der bayerischen Polizei "pfeifen unsere Polizeidienststellen buchstäblich aus dem letzten Loch". Damit - so könnte man es lesen - will der Herr Polizeigewerkschaftsvorsitzende zum Ausdruck bringen, dass es noch immer mehr Arbeit gebe als Polizisten, weshalb diese überlastet seien.

Großeinsatz – rein präventiv

Nun teilt das Polizeipräsidium Unterfranken mit: "Präventive Kontrollaktion in Anker-Einrichtung – Polizei mit Großaufgebot im Einsatz." Das ist keine Übertreibung. 300 (!) Polizisten aus der Inspektion Schweinfurt, von den Operativen Ergänzungsdiensten Würzburg, Aschaffenburg und Schweinfurt sowie der Bayerischen Bereitschaftspolizei kamen am Mittwoch in aller Herrgottsfrüh – um 6 Uhr – zum Wecken. Einfach so, "präventiv", heißt es . Es lag nichts vor. "Im Vordergrund der Aktion, die einen ruhigen und geordneten Verlauf nahm, stand die Verhütung von Straftaten und Ordnungsstörungen", heißt es weiter. Doch welche Straftaten oder Störungen verhüten zu können hatte die Polizei um diese nachtschlafende Zeit erwartet?

600 Personen haben die Beamten bei ihrer bis 9 Uhr währenden "Begehung" kontrolliert. Ergebnis: Zwei hielten sich "unrechtmäßig" dort auf, geringe Mengen Betäubungsmittel wurden gefunden, drei Bewohner aufgrund vorliegender Haftbefehle mitgenommen sowie "mehrere Verstöße gegen die Hausordnung festgestellt". Das meiste davon träfe wohl auf jede x-beliebige Jugendherberge zu. Zweitergebnis: "Die Bewohner der Anker-Einrichtung zeigten sich durchweg kooperativ und es kam zu keinerlei Störungen." Das ist super. Man könnte sie also problemlos in die Gesellschaft und den Arbeitsmarkt integrieren. Warum aber macht die Polizei völlig ins Blaue hinein im Ankerzentrum eine "Begehung" mit 300 Mann, wenn ihre Dienststellen "buchstäblich aus dem letzten Loch pfeifen"? 

Wieder grüßt der Busbahnhof

Dann ist gerade auch Fasching und Kommunalwahlkampf, zeitgleich sozusagen, und mancher Freund der Narretei wird sagen: Passt schon, der Unterschied ist nicht sehr groß. Dem muss an dieser Stelle entschieden widersprochen werden. Ganz ernsthaft hat die SPD soeben zum wiederholten Male einen zweiten Busbahnhof beantragt – am Hauptbahnhof. Und genau so spaßfrei hat ihn die Mehrheit im Hauptausschuss wieder abgelehnt. Begründung: Es gelte erst einmal die in Auftrag gegebene Nahverkehrsplanung für Stadt und Landkreis abzuwarten.

Genau. Erst mal abwarten, den Plan, das Konzept. Jetzt hat der Busbahnhof am Roßmarkt schon so lange gereicht, da wird er eine Nahverkehrsplanung mehr auch noch durchhalten. Außerdem ließe sich auch gut argumentieren: Macht erst mal den maroden Plattenbelag am Roßmarkt neu, bevor ihr noch einen Busbahnhof in die Welt setzt. Der müsste allerdings nicht unbedingt gepflastert werden.

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