Schweinfurt

Glosse: Überweisung für die Busfahrt

Das Coronavirus ist schon eine gewaltige Zumutung für Mensch und Tier und alle Welt. In seinem Windschatten zieht es aber auch ein paar Vorteile hinter sich her.
Corona macht's nötig: Den Busfahrer meiden, nur noch hinten einsteigen – und den Fahrpreis überweisen. 1,70 Euro, 'Verwendungszweck: ÖPNV'.
Corona macht's nötig: Den Busfahrer meiden, nur noch hinten einsteigen – und den Fahrpreis überweisen. 1,70 Euro, "Verwendungszweck: ÖPNV". Foto: Irene Spiegel

Ausgerechnet jetzt, wo die Tage wieder deutlich länger, morgens schon heller und vor allem wärmer werden, so die Sonne immer öfter den Frühling verheißt und alles nach draußen drängt, ins Freie, jetzt also muss uns Corona heimsuchen und in die Isolation schicken. Am besten daheim bleiben, heißt es, und wenn's freiwillig nicht funktioniert, wird's eben angeordnet. Von ganz oben. Der Herr Landesvater Söder droht mit einer Ausgangssperre. Etwas, das es seit Kriegsszeiten nicht mehr gegeben hat. Es ist ja nicht so, dass das keine Berechtigung hätte. Natürlich ist das richtig, auch wenn's schwerfällt, sich daran zu halten. 

Corona und die Überweisung

Spazierengehen an der frischen Luft ist wohl noch ok, aber wohl nur mit wenigen und etwas Abstand – und eben nicht als Sit-in-Party mit Kuschelfaktor im örtlichen Park. Corona schränkt aber nicht nur ein, sondern ist auch förderlich, zum Beispiel für den bargeldlosen Zahlungsverkehr. Stadt und Stadtwerke haben diesbezüglich gerade eine einschneidende Änderung fürs Busfahren bekannt gegeben. Ab diesem Samstag werde auf die Empfehlung der Regierung von Unterfranken hin "der Einstieg in die Busse über die hinteren Türen abgewickelt", geichzeitig werden im Bus keine Tickets mehr verkauft. Die Fahrgäste ohne Jahres- und Monatskarten mögen die Fahrtentgelte "selbständig" auf ein bestimmtes Konto überweisen.

1,70 Euro – Zweck: ÖPNV 

Die Einzelfahrt kostet 1,70 Euro und der vertragstreue Bürger, der gerne Bus fährt, wird in diesen Coronazeiten gerne hinten einsteigen, Bus fahren und – sofern er dem Onlinebanking misstraut – danach zu seiner Bank laufen, einen Überweisungsträger ausfüllen mit Iban, Bic, 1,70 Euro, "Verwendungszweck: ÖPNV", eigene Konto-Iban, Datum, Unterschrift. Freundliche Grüße müssen nicht dabei stehen, aber Busnutzer hätten dann so noch einen schönen Grund für eine außerhäusige Besorgung, nämlich das Überweisungsgeschäft in der Bankfiliale ihres Vertrauens.

Glücklich ist, wer vergisst?

Was aber, wenn die Kundschaft bereitwillig hinten mitfährt, den Busfahrer wie gewünscht vor menschlichem Kontakt schützt, daheim aussteigt und die Überweisung einfach vergisst? Was, wenn das öfters vorkommt? Gehen die Stadtwerke angesichts tausender unbezahlter Einzelfahrten in die Knie? Stellen sie den Busverkehr ein? Man könnte aber auch argumentieren, dass jeder, der keine Bank aufsucht, um 1,70 Euro zu überweisen, auch keine Coronaviren dorthin tragen kann. Vielleicht ist der bezahlte Einzelfahrschein für ein ÖPNV-Erlebnis, nehmen wir mal als Beispiel Eselshöhe-Roßmarkt-Eselshöhe, gerade auch nicht von allergrößter Bedeutung, und der Drang der Bevölkerung in die Innenstadt scheint sich gerade sowieso in Grenzen zu halten.

Versammlung? Auf dem Sportplatz

Ein Sportverein in einem Dorf in den Haßbergen veranstaltet übrigens am nächsten Freitag eine außerordentliche Mitgliederversammlung, wie er mitgeteilt hat. Es geht um einen Kredit zur Weiterfinanzierung des Sportheimumbaus. Ist so eine Zusammenkunft mehrerer eigentlich noch erlaubt? "Die Versammlung findet im Freien auf dem Sportplatz statt", heißt es.  

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