SCHWEINFURT

Glücksspiel Kurzzeitpflege: Warum die Plätze so rar sind

Kurzzeitpflege für Senioren       -  Eine Auszeit für pflegende Angehörige oder eine Übergangslösung – beides können Kurzzeitpflegeplätze sein. Doch ihre Zahl ist überschaubar.
Eine Auszeit für pflegende Angehörige oder eine Übergangslösung – beides können Kurzzeitpflegeplätze sein. Doch ihre Zahl ist überschaubar. Foto: Norbert Försterling/dpa

Betroffene kennen das Problem. Wer einen pflegebedürftigen Angehörigen versorgt, weiß, wie schwer es ist, auf Zeit einen guten Platz zu finden. Kurzzeitpflege nennt sich das Modell, das eigentlich Pflegende entlasten soll. Zum Beispiel dann, wenn sie eine Auszeit brauchen, in Urlaub fahren, zum Beispiel. Oder dann, wenn beispielsweise nach einem Krankenhausaufenthalt das Leben zuhause noch nicht machbar ist oder – zum Beispiel – die Wohnung noch barrierefrei gemacht werden muss.

Vollstationäre Kurzzeitpflege, das klingt gut. Auch das, was auf der offiziellen Seite des Pflegestärkungsgesetzes zu lesen ist. Seit 2015 sind (für Pflegegrad 2 bis fünf) bis zu acht Wochen Kurzzeitpflege im Jahr möglich; auch der Betrag, der dafür gezahlt wird, verdoppelt sich. Doch die Realität macht weniger euphorisch. Es fehlt schlicht an ausgewiesenen, festen Kurzzeitpflegeplätzen. Wer einen Platz sucht, muss Glück haben, um einen freien zu finden. Und das gilt sowohl für die Stadt Schweinfurt als auch für den Landkreis.

60 Prozent Auslastung, 100 Prozent Personal – das funktioniert nicht

Dort, in Sennfeld und an der Geomed in Gerolzhofen, hat sich gezeigt, warum das Vorhalten von Kurzzeitpflegeplätzen so schwierig ist. Dort gab es reine Kurzzeitpflegeeinrichtungen, überlebt hat keine der beiden. Denn, erklärt Werner Kaffer, Leiter des Sozialamtes des Landkreises: Wirtschaftlich ist eine solche Einrichtung nicht zu betreiben. Refinanziert, also gezahlt, werden die Plätze nur, wenn sie belegt sind. Und das ist bei der Kurzzeitpflege noch schwieriger als bei einem vollstationären, auf lange Zeit ausgelegten Pflegeplatz. Die Nachfrage nach Kurzzeitpflegeplätzen ist nicht konstant hoch. Das hieß für die beiden Einrichtungen oft, sagt Kaffer: „60 Prozent Auslastung, 100 Prozent Personal – aufs Jahr gesehen, kann das nur gegen die Wand fahren“.

Und so gibt es auch im Landkreis Schweinfurt nur noch eingestreute Kurzzeitpflegeplätze, das heißt in Heimen, die Betten frei haben, für die es noch keine Anfrage gibt. Und damit also mehr Kurzzeitpflegeplätze in Heimen, die schwächer belegt sind, erklärt Kaffer. Dort einen Platz zu bekommen, wo man seinen Angehörigen gerne hätte, dieses Glück wird aber natürlich nicht jeder haben. 963 stationäre Plätze gab es im April im Landkreis Schweinfurt, Tendenz steigend. Es wird viele gebaut. Wie viele davon für die Kurzzeitpflege zur Verfügung stehen, schwankt.

„Ein Dilemma, in dem wir seit Jahren stecken“

Doch die Zahl ist begrenzt, und in Stoßzeiten, zum Beispiel im Sommer, wenn der Urlaub ansteht, „ist der Druck enorm und das Potenzial schnell ausgeschöpft“. Sozialamts-Leiter Kaffer nennt es „ein Dilemma, in dem wir seit Jahren stecken“. Ändern kann er es nicht. Denn dafür, sagt er, müssten Kassen und Gesetzgeber mehr wirtschaftliche Anreize schaffen als bisher. Also das Vorhalten solcher Kurzzeitpflegeplätze mit Pauschalen vergüten.

Die Zahl der vollstationären Pflegeplätze allgemein passt nach den Prognosen des seniorenpolitischen Gesamtkonzept des Landkreises, sagt Kaffer. Vor allem dann, wenn der Fokus – wie aktuell – auf die ambulante Versorgung gerichtet wird. Für sie gibt es nach dem Pflegestärkungsgesetz mehr Geld. Sie ist gewollt, soll die Pflege von Menschen in den eigenen vier Wänden unterstützen. Die Zahl dieser Tagespflege-Plätze steigt, auch der Landkreis Schweinfurt unterstütze den Ausbau.

Und die Kurzzeitpflege? Auch in der Stadt Schweinfurt gibt es kein Heim, dass Betten dafür speziell vorhält, sagt Sozialreferent Jürgen Montag. Die Nachfrage ist höher als das Angebot, das weiß auch er. Und nennt dieselben Gründe wie Kaffer: Heime müssen planen, möglichst ausgelastet sein. Zumindest genannt ist die Zahl der Kurzzeitpflegeplätze im Pflegebedarfsplan der Stadt Schweinfurt: zwölf gibt es danach, wie im Kreis alle eingestreut in den Heimen. Die Zahlen stammen – wie der Bedarfsplan – aus dem Jahr 2012. Aktuell wird er aktualisiert. Das Ergebnis der Analyse damals: Für 440 Personen in der Stadt war 2011 kein Bett für wenige Tage oder Wochen frei. Seitdem wird sich die Situation kaum verändert haben. Die Zahl der stationären Pflegeplätze liegt in der Stadt bei 809, 300 kommen durch die neuen Heime, die in der Theresien- und in der Hennbergstraße gebaut werden dazu.

Wer hilft weiter?

Eine reine Kurzzeitpflegeeinrichtung findet sich bei der Suche allerdings dann doch – nur nicht gerade in der Nähe. Wer beispielsweise im Pflegenavigator der AOK den Umkreis um Schweinfurt auf die maximale Entfernung von 50 Kilometern hochsetzt, bekommt dann doch Ergebnisse – in Würzburg oder im Rhön-Grabfeld. Die eingestreuten Kurzzeitpflegeplätze findet man nur auf Nachfrage, in den Heimen. Welche es im Raum Schweinfurt gibt, findet sich auf den Internetseiten der Stadt und des Landkreises. Weitere Hilfe bieten auch der Pflegestützpunkt Schweinfurt oder die Krankenkassen. Eine ist aber klar: Zaubern können auch sie nicht, und die Plätze sind rar.

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