GEROLZHOFEN

Glücksspiel Wohnungssuche in der Stadt

Trägt künftig zur Linderung der Wohnungsnot in Gerolzhofen bei. Das Haus mit neun Mietparteien, das die Wohnungsbaugenossenschaft Gerolzhofen mit Mitteln aus dem Sozialen Wohnungsbau an der Ecke Steigerwaldstraße/Schallfelder Straße errichtet.
Trägt künftig zur Linderung der Wohnungsnot in Gerolzhofen bei. Das Haus mit neun Mietparteien, das die Wohnungsbaugenossenschaft Gerolzhofen mit Mitteln aus dem Sozialen Wohnungsbau an der Ecke Steigerwaldstraße/Schallfelder Straße errichtet. Foto: Norbert Vollmann

Wie sieht es aktuell auf dem Wohnungsmarkt in Gerolzhofen aus? Hans Braun von der gleichnamigen Hausverwaltung bringt die Situation auf folgenden Nenner: „Wir haben eine verhältnismäßig große Nachfrage, überwiegend nach kleineren Wohnungen.“ Wohnungen mit vier bis fünf Zimmern für größere Familien seien auf dem Markt ohnehin sehr dünn gesät. Wer etwa eine Bleibe mit zwei bis drei Kinderzimmern sucht, der hat es in Gerolzhofen momentan sehr schwer. Hans Braun: „Da gibt der Markt auch wenig her. Wir führen deshalb Wartelisten, um die Leute für den Fall, dass etwas frei wird, zuweisen zu können.“

Die Mietpreise seien dabei sehr unterschiedlich angesiedelt. Nicht zuletzt komme es auf Lage und Ausstattung der Wohnung an. Zum einen habe man es dabei in Gerolzhofen vornehmlich mit Altbauten zu tun, also Gebäude, die 25 Jahre und älter sind, sagt der Hausverwalter. Da sei der Anteil sehr hoch. In Neubauten würden andererseits wiederum Preise verlangt, die sich manche Mieterin und mancher Mieter gar nicht leisten könnten. Er, so Hans Braun, habe da eine Faustregel, die besagt, dass der Mieter mindestens ein Mehrfaches von dem verdienen sollte, was die Wohnung kostet. Hans Braun: „Das ist ein guter Rat von mir aus meiner langen Erfahrung heraus. Sonst haut das meistens nicht hin.“ Wer also 800 Euro an Miete zahlt, sollte seines Erachtens schon an die 2400 bis 2500 Euro netto mit nach Hause nehmen.

Flüchtlinge haben es schwerer

Hans Braun liegt allerdings noch ein anderes Problem am Herzen. Es betrifft die Flüchtlinge. Er betont: „Ich prüfe natürlich die Bonität, habe aber keinerlei Vorbehalte. Die Leute haben es zum Teil aber schwerer als deutsche Wohnungssuchende.“ Wenngleich es augenblicklich mit der Vermittlung wieder etwas besser laufe, hat Hans Braun nämlich eine zunehmend kinderfeindliche Einstellung ausgemacht. So finden gerade auch Flüchtlingsfamilien mit mehreren Kindern nur schwer eine Wohnung in der Stadt. Das sei ein bedauerlicher Zustand. Natürlich möchte er da auch gewisse Risiken nicht leugnen, aber „es gibt selten Ausreißer, die man nicht regeln kann“, sagt der Hausverwalter.

Hans Braun spricht damit ein Problem an, das insbesondere der Stadtverwaltung in Gerolzhofen wie auch dem Landkreis auf den Nägeln brennt. Gemeint ist damit, dass eben anerkannte Flüchtlinge, die aus den Unterkünften des Landkreises ausziehen, ganz schwer Wohnungen auf dem freien Markt finden. Dabei stellt der Einzug in die eigene Wohnung einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Integration dar.

Der Appell von Stadt und Landkreis

So war kürzlich im Amtsblatt der Stadt Gerolzhofen fast schon eine Art Hilferuf in dieser Hinsicht abgedruckt. Darin hieß es: „Bekanntermaßen ist in Gerolzhofen Wohnraum knapp. Durch die Auflösung der Dezentralen Flüchtlings-Unterkünfte im Landkreis Schweinfurt wird sich die Wohnraumsituation in dieser Hinsicht weiter zuspitzen.“ Daher appellieren das Landratsamt Schweinfurt und die Stadt Gerolzhofen im Amtsblatt erneut, Wohnungen auch an anerkannte Flüchtlinge zu vermieten.

Adolf Steigerwald kann für die Wohnungsbaugenossenschaft (WBG) Gerolzhofen im Grund nur bestätigen, was Hans Braun sagt. Das Vorstandsmitglied betont: „Alle Wohnungen sind vermietet“. Das Gros der Wohnungen der früher für den gesamten Altlandkreis Gerolzhofen zuständigen befindet sich in Gerolzhofen, dazu kommen Objekte in Volkach und Wiesentheid. Allein in der Stadt sind es an die 160 Wohnungen.

Alle WBG-Wohnungen sind vermietet

Wie er erst wieder in dieser Woche auf einer Tagung feststellen konnte, die er mit dem weiteren WBG-Vorstand Elmar Stickelmaier besucht habe, sei die Situation „überall die Gleiche“, so Adolf Steigerwald. Es mangelt an Wohnraum, das Angebot übersteigt die Nachfrage deutlich. Gebe es Aufkündigungen des Mietverhältnisses, seien die Wohnungen aber auch schnell wieder weg. Dazu kämen bei frei gewordenen Wohnungen anderseits Wünsche von den Interessenten, die nicht zu erfüllen sind, weiß Adolf Steigerwald aus der täglichen Erfahrung zu berichten.

Bereits zum größten Teil „weg“, also vergeben, seien auch die Wohnungen des seiner Fertigstellung entgegen gehenden Neun-Parteien-Mietshauses, das an der Ecke Steigerwaldstraße/Schallfelder Straße entsteht. Es wird mit Mitteln aus dem Sozialen Wohnungsbau gefördert, um hier zusätzlichen bezahlbaren Wohnraum in Gerolzhofen zu schaffen, ein Gebiet auf dem sich die WBG bereits seit 1948 engagiert. Die neun Wohnungen sind im Schnitt 50 bis 78 Quadratmeter groß.

Nur eine Wohnung, es ist die kleinste mit rund 40 Quadratmetern, konnte bisher trotz aller Bemühungen noch nicht an den Mann oder die Frau gebracht werden, bedauert Adolf Steigerwald. Schließlich ist es die Wohnung, die speziell für einen Rollstuhlfahrer oder eine Rollstuhlfahrerin vollkommen barrierefrei ausgebaut worden ist.

Ungedeckter Wohnungs- und Häuserbedarf

Auch Gerolzhofens Bürgermeister Thorsten Wozniak bezeichnet den Wohnungsmarkt aktuell als „schwierig“. Er unterstreicht: „Es gibt zu wenige Wohnungen und zu wenige Häuser zur Miete.“

Regelmäßig würden auch Wohnungssuchende in der Verwaltung nachfragen. Thorsten Wozniak: „Meist landen die Anfragen dann bei mir.“ Er selbst gebe meist nur Adressen von ihm bekannten Vermietern weiter, wie etwa von der Wohnungsbaugenossenschaft, Hausverwaltern oder Bauunternehmen.

Auch Engpass bei Baugrundstücken

Manchmal würden ihm frei werdende Wohnungen mitgeteilt, aber die seien oft schon wieder vermietet beziehungsweise besichtigt, bis er die Kontaktdaten weiter gebe. Thorsten Wozniak: „Mit anderen Worten: Die Nachfrage ist groß.“ Ebenso gebe es zu wenige Baugrundstücke beziehungsweise Häuser zum Verkauf, so der Bürgermeister. Er freue sich jedenfalls über jedes Mehrfamilienhaus und jede Mehrgeschosswohnung, die im Stadtgebiet auf dem Mietwohnungssektor dazu kommt.

Einen Aspekt gibt der Bürgermeister zu bedenken. So habe die Stadt einerseits nach längerem Rückgang seit 2013 wieder kontinuierlich an Einwohnern zugelegt und inzwischen wieder mit knapp 7000 Köpfen in etwa das Niveau von 1996 mit dem absoluten Höchststand von 7140 Bürgerinnen und Bürgern. Andererseits sei Gerolzhofen in der Fläche gewachsen, weil gleichzeitig der wohnungsmäßige Verbrauch an Quadratmetern pro Kopf enorm zugelegt habe.

Obdachlose in Gerolzhofen

Seitens der Stadt sind aktuell in verschiedenen eigenen und angemieteten Objekten drei Personen sowie eine Familie mit drei Erwachsenen und drei Kindern sowie eine Familie mit zwei Erwachsenen und vier Kindern untergebracht, die allesamt unter die Kategorie obdachlos fallen. Dazu kämen noch sechs ganz gewöhnliche Mietverhältnisse in städtischen Liegenschaften.

Viele syrische Kriegsflüchtlinge in der Stadt

Interessant: Ende 2017 waren in Gerolzhofen rund 500 ausländische Mitbürger gemeldet, was einem Anteil von gut sieben Prozent entspricht. Über 110 Personen entfielen dabei allein auf Kriegsflüchtlinge aus Syrien. Derzeit leben in der Stadt rund 120 anerkannte Flüchtlinge inklusive nachgekommener Familienmitglieder aus verschiedenen Ländern, allen voran aus Syrien.

Lob für Landkreis, Diakonie und Asylhelfer

Bürgermeister Wozniak stellt in diesem Zusammenhang das hervorragende Zusammenspiel mit allen Beteiligten in Landratsamt, Diakonie und nicht zuletzt dem hiesigen Asylhelferkreis und das von ihnen an den Tag gelegte persönliche Engagement bei der Unterbringung der Flüchtlinge heraus. Vor allem der Helferkreis ist immer wieder maßgeblich an der Vermittlung von Wohnungen beteiligt, so dass dank des hohen Engagements der Ehrenamtlichen aktuell auch keine diesbezüglichen Probleme bei der Stadt aufgelaufen sind, so Wozniak, und betont nochmals: „Das funktioniert super!“. Vor allem der Helferkreis sei immer wieder maßgeblich an der Vermittlung von Wohnungen beteiligt, so dass aktuell auch keine diesbezüglichen Probleme bei der Stadt aufgelaufen sind, so Wozniak. Er betont nochmals: „Das funktioniert super!“.

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