SCHWEINFURT

Glücksspiel macht einsam

„Alles oder Nichts“ - für die 21-jährige Alex gibt es in ihrem neuen Hobby „Glücksspiel“ nur Winner oder Loser und so zockt sie online oder in der Spielhölle was das Zeug hält.

Diese Leidenschaft ist ansteckend und sie reißt damit zumindest in der ersten Fassung des interaktiven Theaterstückes des Münchner ReplayTheaters Freundin Sascha mit ins Verderben.

Die Inszenierung will Jugendliche für das Thema Glücksspiel sensibilisieren. Die Landesstelle Glücksspielsucht sponsert die 90-minütige Aufführung in Zusammenarbeit mit der Aktion Jugendschutz für die ersten zehn interessierten Einrichtungen kostenfrei. Der erste Anruf kam witzigerweise vom Schweinfurter Celtis-Gymnasium, wie Andrea Handwerker von der Kommunalen Jugendarbeit erzählt. Witzig, weil die Welt bekanntlich klein und voller Zufälle ist, denn, wie sich später herausstellt, ist Theaterpädagogin Ulrike Schilling aus Schwebheim und hat selbst vor vielen Jahren am Celtis ihr Abi gebaut und erste Theatererfahrungen gesammelt.

Nun ist sie als „Filmregisseurin Andi Macht“ wieder dort, um mit ihren Kolleginnen Sabine Glowacki (Alex), Susanne Pfeffer (Sascha) und Christina Wittmann (Technik) erstmals außerhalb von München die als „Live-Reality-Soap“ deklarierte Inszenierung „Karlstraße – Alles oder nichts“ gemeinsam mit den Neuntklässlern zu gestalten. Das Stück ist toll gemacht, nach ein paar einleitenden Theatersequenzen steht ein Warm-up an, bei dem die Schüler in verschiedenen Gruppen Emotionen üben und nebenbei Berührungsängste abbauen. Erst dann nimmt das Theaterstück seinen unguten Lauf, thematisiert Spielsucht, Freundschaft, Abhängigkeit und den Verlust sozialer Bindungen durch das problematische Spielverhalten.

Dabei ist spielen nicht gleich spielen, eindringlich erarbeitet das Stück den Kontrast zwischen sportlichem Teamspiel und einsamem Glücksspiel, zwischen Sozialkompetenz und asozialem Verhalten. Die Mit-Mach-Sache hat einen großen Vorteil, während man im wirklichen Leben die Replay-Taste leider nicht drücken kann, ist beim interaktiven Theaterstück alles möglich und vieles offen und so wird aus dem harten Ende durch kreative Schülerideen zum Abschluss zumindest ein Happy End. In der Erstvariante gleitet nämlich auch Sascha in die Spielsucht ab, verliert ihre sozialen Bindungen, macht Schulden und landet schließlich im Gefängnis mit der sicheren Gewissheit, dass Alex nie eine wirkliche Freundin war. Das ist die sogenannte „Worst Case“-Variante, nun sind die Jugendlichen gefragt: Was wäre, wenn man im Laufe des Geschehens den Wiederholungsknopf drücken, das Drehbuch umschreiben und die Filmklappe neu fallen lassen könnte.

Jetzt sind Zwischenrufe erwünscht und mit einem „Stop“ können die Schüler die Handlung unterbrechen und neu gestalten. Dabei sind keine Grenzen gesetzt und selbst das Ensemble ist erstaunt, was da so an kreativen Ideen auf der Bühne landet. Weder der Luxusknast, in dem Neuntklässler Linus Alex‘ Spielschulden mit einem exorbitanten Stundenlohn aus der Gefängniswäscherei tilgt, noch Jonathans hartnäckige Weigerungen, die Schulden durch Diebstahl auszubügeln, helfen. Das Ensemble kontert entsprechend, bis auch dem letzten Schüler klar ist: Fürs Happy End muss das Theaterstück ganz neu geschrieben werden, denn das präventive Fazit lautet natürlich: Hände weg vom Glücksspiel, denn das macht süchtig, einsam und unglücklich und eskaliert nicht selten zur Katastrophe. Eine tolle Veranstaltung, die sicher für Schüler und Erwachsene gleichermaßen lehrreich war.

Weitere Veranstaltungen gab es in Schweinfurt in der GbF und der Berufsschule.

Infos unter www.replay-theater.de.

Rückblick

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