EGENHAUSEN

Gott und seinen Heiligen zu Ehren

Dies ist der älteste der vier Egenhäuser Altäre. Unter der Skulptur des heiligen Michael wird die heilige Familie im Geh...

Eigentlich wollte Romana Wahner ihre Bachelorarbeit über Bildstöcke schreiben, am liebsten natürlich über die in ihrer Heimat, der Gegend um Sulzfeld am Main. „Dann hab‘ ich aber festgestellt, bei uns gibt es gar keine Prozessionsaltäre mehr“, erzählt die Studentin. Also stattete sie dem Bildstockzentrum einen Besuch ab, um sich zu informieren.

Dort traf sie auf zwei sehr engagierte Mitglieder des Arbeitskreises Bildstockzentrum, Winfried Hahner und Reinhilde Sauer, die die Studentin gleich zu begeistern verstanden. „Herr Hahner hat mich mit viel Infomaterial gelockt“, erzählt Wahner und so war ihr Entschluss schnell gefasst: ihre Arbeit wird nicht über Bildstöcke als solche, sondern über die Prozessionsaltäre von Egenhausen geschrieben. „Das ist unwahrscheinlich spannend und leider bisher nicht erforscht. Es gibt nur eine Beschreibung der vier Altäre, an denen bis heute bei der Fronleichnamsprozession Station gemacht wird.“

Weil Romana Wahner in Bamberg Kunstgeschichte, Germanistik und Betriebswirtschaftslehre studiert, war es ihr wichtig, auch die Prozessionsaltäre aus einem interdisziplinären Blickwinkel heraus zu betrachten. Wie ist ihr Erhaltungszustand, und wie sahen sie einmal aus? Was haben diese den Menschen früher bedeutet? Was lässt sich aus den Inschriften schließen, auch mit Blick auf die Orthografie?

Alle vier Egenhäuser Altäre stammen aus dem 18. Jahrhundert, einer Zeit, in der im Zuge der Gegenreformation Prozessionen und Bittgänge eine neue Blüte erreichten. Ähnlich wie bei den Bildstöcken auch, vermutet Wahner, dass es einen Anlass gegeben haben muss, damit Menschen einen solchen Prozessionsaltar gestiftet haben. „Das war unwahrscheinlich teuer, das macht doch keiner ohne Grund“, vermutet die Studentin.

Der älteste der Altäre zeigt den „heiligen Wandel“, ein Bildmotiv der sakralen Kunst, das die Heilige Familie im Gehen darstellt. Gekrönt wird er vom Namenspatron des Stifters, dem heiligen Michael. Das war allgemein üblich, erklärt Wahner, dass die Stifter ihre Namenspatrone mit abbildeten. Ungewöhnlich dagegen ist, dass Steinmetz Georg Christ, der 1747 einen Altar stiftete, nicht nur seinen Namenspatron, sondern auch die Namenspatronin seiner Frau Margarete abbilden ließ. Es gibt auf diesem Altar also gleich zwei Figuren, die gegen einen Drachen kämpfen: Georg und Margarethe.

Auf dem Nepomukaltar von 1752 sind die heiligen fünf Wunden zu sehen. Im Spätbarock, so Wahner, typisch für die Bitte um einen gnädigen Gott, der den Menschen nach dem Tod in den Himmel aufnimmt. Der Stifter dieses Altars ist im selben Jahr gestorben. Wusste er um seinen nahenden Tod und hat deshalb einen Altar gestiftet? Oder haben seine Nachkommen diese Abbildung angebracht, um für ihren Vorfahren einen gnädigen Gott zu erflehen?

Durch den Altartisch unterscheiden sich die Prozessionsaltäre von den Bildstöcken. Sie zeigen auch viele barocke Merkmale wie Schnecken, Muschelwerk, Engelsköpfe. Auch anderes wurde aus den Kirchen der Zeit abgeschaut, so sind Kreuztraggewölbe oder Säulen detailliert aus dem Stein herausgearbeitet. Aus alten Bildern und rudimentären Goldspuren lässt sich auch schließen, dass die Altäre einmal farblich gestaltet waren.

Spannend findet Wahner auch die Inschriften. Zu einer Zeit, in der jeder schreiben durfte, wie er wollte, und viele des Schreibens gar nicht mächtig waren, bekommen die vier Altäre auch unterschiedliche Bezeichnungen „bildnisch“ oder „heilgn heüslein“, „bildniß“ oder auch „bildnuß“.

So unterschiedlich die Bezeichnung und Orthografie, so einheitlich ist dagegen die Inschrift. Zuerst werden immer Stiftungsgrund und Adressat genannt: „Gott und seinen Heiligen zu Ehren“.

Dann kommt der Stifternamen und der seiner Ehefrau: „hat dieses heilgn heüslein aufgerichtet der Ehrsame Georg Christ, Steinhauer allhier und Margarethe seine Hausfrau“.

Abschließend wird immer die Jahreszahl der Entstehung benannt. Im Prozessionsaltar von 1762, der ein besonders prächtiges Relief des letzten Abendmahls zeigt, wird im Baldachin über dem Relief eine Stelle aus dem Matthäusevangelium zitiert: „Ihr sollt das heilige nicht den Hunden geben.“ Dieser Text ist gleichzeitig ein Chronogramm. Die Summe aller darin vorkommenden lateinischen Buchstaben, die gleichzeitig römische Zahlen sind, ergeben das Jahr 1762.

Es gibt viel zu entdecken auf den Prozessionsaltären, und sie alle erzählen Geschichten.

Romana Wahner jedenfalls hat Feuer gefangen, sie wird ja auch noch eine Masterarbeit schreiben. Und das Thema ahnt sie schon.

Am Internationalen Museumstag, Sonntag 18. Mai, ist das Fränkische Bildstockzentrum von 11 bis 17 Uhr offen. Um 15 Uhr startet ein öffentlicher Bildstockspaziergang durch Egenhausen.

Pforte zum Himmel. Die fünf Wunden Jesu, die im Barock als Pforte zum Paradies galten, zieren den Altar von 1752.
Der Drachentöter, der heilige Georg, bekrönt diesen Altar aus dem Jahr 1762, der eine Abendmahlszene zeigt.
Krönung Mariens. Ein typisches Motiv der Barockzeit zeigt das Relief dieses Prozessionsaltars, um den sich (von links) R... Foto: ursula Lux

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