SCHWEINFURT

Grabsteine im Alten Friedhof werden saniert

Viele Grabsteine und Epitaphe im Alten Friedhof sind stark verwittert. Die Steine sollen restauriert werden. Infotafeln sollen das Leben und Wirken hier begrabener Persönlichkeiten erklären. Foto: Anand Anders

Der Erhalt von Alt Schweinfurt ist Peter Hofmann ein Herzensanliegen. Der „jämmerliche Zustand“ sehr vieler Grab- und Erinnerungssteine im Alten Friedhof waren ihm schon lange ein Dorn im Auge. In einem Antrag forderte Hofmann deshalb die Restaurierung aller Grabsteine. Außerdem sollen an Grabstätten geschichtlich bedeutender Persönlichkeiten Infotafeln über deren Leben und Wirken aufklären. Drittens verlangte er Aufklärung über mindestens zehn schlichtweg verschwundene Epitaphe.

Neun Monate nach Antragstellung beschäftigte sich nun der Bau- und Umweltausschuss mit dem Thema. Der einstimmige Beschluss deckte sich mit den Anliegen des deshalb sehr zufriedenen Hofmann.

In akribischer Kleinarbeit hatte der SPD-Stadtrat gemeinsam mit der Historikerin und passenderweise SPD-Fraktionsgeschäftsführerin Julia Stürmer über ein Jahr lang alles zusammengetragen, was er über die Grabmale und Epitaphe finden konnte. Die umfassende, reich bebilderte Dokumentation „Alter Friedhof“ legte er dem Antrag bei (wir berichteten).

Der Park hinter der Musikschule sei beliebter Aufenthaltsort. Eine Restaurierung aller Grabplatten und die punktuelle Information über die Toten mache den Besuch dieser zentral gelegenen Grünanlage auch für Touristen attraktiver, merkte Hofmann an. Außerdem trage mehr Information zu einem besseren Geschichtsbewusstsein bei den Schweinfurtern bei. Entsetzt seien er und Stürmer allerdings gewesen, dass zahlreiche Grabsteine und Gedenktafeln, die unter anderem im Unterfränkischen Heimatblatt vom September 1949 noch beschrieben sind, nicht mehr vorhanden sind. Im aktuellen Ausschuss nannte Hofmann zehn fehlende Epitaphe.

Stadtentwicklungsamtsleiter Markus Sauer musste mit Bedauern erklären, dass es über einige Epitaphe tatsächlich „keine Erkenntnisse gibt“. Die vermutete Zwischenlagerung etwa im Bauhof hat sich nicht bestätigt. Mehrere Epitaphe aus dem 17. und 18. Jahrhundert stehen in der Vorhalle zur Aussegnungshalle im Hauptfriedhof. Bekannt ist, dass ein Kruzifix von 1586 wegen der Beschädigungen 1964 abgebaut wurde. Ein anderer Stein, der Toros Christi, wurde 1985 restauriert, hängt heute in der Halle des Alten Rathauses.

Den unüblichen Zeitraum von Antragstellung bis Vorlage im Ausschuss erklärte Sauer nachvollziehbar mit einem Ortstermin im Oktober 2016 mit einem Restaurator des Landesamtes für Denkmalpflege. Dabei wurde der Zustand der Steine begutachtet und ein Maßnahmepapier erstellt. Mit diesem dreistufigen Fahrplan waren die Bau-Stadträte einverstanden.

In Teil eins werden alle Grabsteine auf der Basis des Hofmann/Stürmer-Dokuments erfasst, wird ein Konzept zu deren Erhalt mit Kostenauflistung erstellt. Diese Voruntersuchung ist Grundlage für alle weiteren Schritte. Beauftragt wird eine Fachfirma. Die Kosten von rund 12 000 Euro dafür wurden genehmigt.

Genehmigt wurden weitere 5000 Euro für die Provenienz-Forschung. Sie ist Grundlage für die späteren Informationstafeln über die im Alten Friedhof begrabenen Schweinfurter Persönlichkeiten. Damit wird ein Kunsthistoriker beauftragt.

Ganz tatenlos war die Stadt nicht. Sauer erinnerte daran. 2009 wurden im Rahmen der „Jungfernkuss“-Sanierung an elf Epitaphien konservatorische Maßnahmen durchgeführt. 2010 erfolgte die Umgestaltung des Parks durch den Servicebetrieb Bau und Stadtgrün. 2012 wurde der von Löwen gesäumte Eingang saniert. Als Hauptgrund für den „auffällig schlechten Zustand“ einiger Epitaphe nannte Sauer den verwendeten Schleeriether Sandstein.

Alle Ergebnisse (Voruntersuchung, Provenienzforschung) sollen im Herbst vorliegen. Bei den Haushaltsberatungen wird entschieden, in welchem Umfang saniert wird. Die Vorgehensweise ist mit dem Landes-Denkmalamt abgestimmt. Hofmann appellierte, angesichts des bereits fortgeschrittenen Verfalls vieler Steine, „jetzt massiv zu beginnen“. Danach sieht es aus.

Das starkzerstörte Grabmal der “auferstandenen Frau“. Susanna Alberti, wohnhaft einst am Markt 47, soll der Sage nach scheintot begraben und wieder zum Leben erwacht sein. Adam Alberti (1555-1578) war ein bedeutender Jurist und Stadtschreiber. Foto: Hannes Helferich
Grabmal des Ritters Werner Wittstein. Ihm fehlen die Beine. Stadtrat Peter Hofmann hat das abgebildete Stück im Bauausschuss dem Baureferenten übergeben. Foto: Hannes Helferich
Der Grabstein der angesehenen Schweinfurter Familie Stein ist noch weitgehend gut erhalten. Dr. Friedrich Stein war Rechtsanwalt und Historiker. Foto: Hannes Helferich

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