Grettstadt

Grettstadt: Karin und Erwin Haller sind verrückt nach Schneemännern

Vor 15 Jahren kaufte Karin Haller einen Räuchermann. Einen Schneemann. Danach ist die Sache etwas aus dem Ruder gelaufen. Ein Besuch im Schneemann-Haus in Grettstadt.
Mit diesem Räucher-Schneemann fing sie an, die Schneemann-Sammelleidenschaft von Karin und Erwin Haller. Heute hat das Grettstädter Paar eine Sammlung mit über 600 Objekten. Foto: Anand Anders

Von der Straße aus lässt sich nicht erahnen, was sich in dem kleinen Häuschen in der Jahnstraße verbirgt. Doch wenn man im Hof um die Ecke biegt und vor dem Hauseingang steht, grüßen schon die ersten Schneemänner. Karin und Erwin Haller öffnen die Tür in ihr Schneemann-Paradies. Am Boden, auf Kommoden, in Schränken, an den Wänden, im Fenster, auf der Treppe, über dem Türstock, von der Decke herab – wo das Auge hinschaut, lauter Schneemänner. Große, kleine, weiße, bunte, hölzerne, tönerne, gläserne, gehäkelte, rauchende und blinkende Schneemänner. Karin und Erwin Haller sind verrückt nach Schneemännern.

Karin und Erwin Haller sind Schneemann-Fans. Über 600 Schneemänner haben sie in 15 Jahren gesammelt. Vom ersten Advent bis zum Fasching ist das ganze Haus von Schneemännern bevölkert. Foto: Anand Anders

Es fing vor 15 Jahren an. Karin Haller kaufte in einem Laden mit Erzgebirgekunst in Obereisenheim einen Räucherschneemann. 20 Zentimeter groß, mit gelbem Hut. Das war der Beginn einer großen Sammelleidenschaft: Heute umgibt das Grettstädter Paar eine Schneemann-Sammlung mit über 600 Objekten in den verschiedensten Größen, aus den verschiedensten Materialien – vom gläsernen Miniatur-Schneemann bis hin zum lebensgroßen Pappkameraden.

Schneemänner in allen Variationen befinden sich in der Sammlung von Karin und Erwin Haller. Foto: Anand Anders

"Wir hatten schon immer eine Sammelleidenschaft." Er, 68, ehemaliger Metallbauer, der bei Meßmer-Tee in Grettstadt im Lager beschäftigt war, sammelt auch Briefmarken. Sie, 62, gelernte Einzelhandelskauffrau, die bis zum Ruhestand beim Marktkauf in Schweinfurt arbeitete, hat mit Öllampen und Schnapsgläsern angefangen. Neben den Schneemännern im Flur hängt eine Vitrine, in der die mit Wappen verzierten Stamperl fein säuberlich aufgereiht sind. Und die Öllampen stehen im Wohnzimmerschrank. Wenn man sonderbare Dinge kauft, sie behält und vermehrt, dann wird man ein Sammler. Karin und Erwin Haller sind also Sammler geworden.

Fast komplett: die handgefertigte Kugelschneemann-Musikkapelle aus dem Erzgebirge. Foto: Anand Anders

"Jedes Jahr sind ein paar mehr Schneemänner dazugekommen", erinnert sich Karin Haller. Anfänglich konzentrierte sich die Sammelleidenschaft auf den Erzgebirgeschmuck und hier speziell auf die Schneemänner des Seiffener Spielzeugherstellers Zenker. Dessen Besonderheit sind die Kugelschneemänner, die aus einer Körperkugel bestehen, an die eine Kopf- und zwei Beinkugeln angebracht sind. Es gibt sie nicht nur als Räuchermänner, Baumbehang, Kerzenhalter oder Pyramidenfigur, sondern auch als "Kugelschneemann-Musikkapelle". Beim Besuch des Weihnachtsmarktes in Seiffen haben die Hallers diese gesehen. Dort war sie komplett aufgebaut, mit 50 verschiedenen Musikern. "Wir waren so begeistert, dass wir gleich acht Musikanten und den Dirigenten mitgenommen haben", erzählt Erwin Haller. Seitdem haben die Eheleute ihr Kapelle von Jahr zu Jahr erweitert. Inzwischen sind es 42 Mitspieler. Acht fehlen noch, die liegen an diesem Heiligabend unter dem Christbaum. Es ist aber nicht nur bei der Kugelschneemann-Musikkapelle geblieben. Mittlerweile steht im Wohnzimmerschrank auch eine "Kugelschneemann-Weihnachtsbäckerei" mit 17 Figuren. "Es ist wie eine Sucht", meint Karin Haller.

Kunstvoll: eine Schneemannstickerei als Fensterbild. Foto: Anand Anders

Die Schneemann-Sammelleidenschaft der Hallers sprach sich im Freundeskreis schnell herum. Wer zu Besuch kam, brachte einen Schneemann mit. Zum Beispiel als Laubsägearbeit, Häkelbild, Topflappen oder Wäscheklammer, als Wackel- oder Blumentopffigur, als Schneekugel, Spieluhr oder Weihnachtskugel, als Kissenhülle, Swarovski-Schmuck oder Gebäckdose – ja sogar als 3D-Puzzle gibt es den Schneemann. Die Hallers haben ihn natürlich. Heuer hat Karin Haller sogar selbst einen Schneemann mit der Strickliesel gehäkelt. Und vom Kreuzberg nahmen die Eheleute eine Schafmilchseife mit einem Schneemann darauf mit nach Hause. "Die wird natürlich nicht benutzt", stellt Erwin Haller gleich klar. Sogar um den Hals und im Ohr tragen die Hallers Schneemann-Schmuck. Und selbstverständlich werden auch die Weihnachtsplätzchen als Schneemänner gebacken.  

Handgefertigt: Am Abend leuchten die Schneemänner im Fenster. Foto: Anand Anders
Romantisch: die Schneekugel mit Glitzer, Musik und Schneemann. Foto: Anand Anders

Zwei bis drei Tage braucht Karin Haller jedes Jahr für den Aufbau der Schneemann-Sammlung, die pünktlich zum ersten Advent aufgestellt wird. Jeder Schneemann hat seinen angestammten Platz, von jedem Schneemann kennt die Sammlerin Herkunft und Geschichte. Ihre liebste Figur ist ein 50 Zentimeter großer Räuchermann aus Holz, handgefertigt, 150 Euro teuer, auf dem Weihnachtsmarkt in Erfurt erworben. "Das war damals unser Christkindle", erzählt Karin Haller. Eine schöne Erinnerung verbindet sie auch mit dem großen Blumentopf-Schneemann. Den haben ihr die Arbeitskolleginnen zum 50. Geburtstag geschenkt. Oder der kleine Schneemann aus Heu, "den haben wir auf dem Weihnachtsmarkt in Regensburg gekauft". Ganz neu sind die beiden Christbaumkugeln, die von innen mit einem Schneemann bemalt sind. Karin und Erwin Haller haben diese Schmuckstücke auf der Fraueninsel im Chiemsee entdeckt. 

Fotoserie

Schneemann-Sammlung

zur Fotoansicht

"Langsam müssen wir bremsen", meint Karin Haller, denn es gibt kaum ein freies Eckchen mehr in der Wohnung, wo nicht ein Schneemann steht. Nur der Tannenwedel-Strauß in der Diele fällt beim näheren Betrachten aus dem Rahmen. Hier hängen keine Schneemänner dran, sondern kleine Kängurus und Koalabären. Ein Mitbringsel vom Urlaub. Die Hallers sind nämlich nicht nur Schneemann-Fans, sondern auch Australien-Fans. Sie waren schon dreimal dort, beim dritten Mal – das war 2015 – haben sie den exotischen Christbaumschmuck entdeckt und sofort ein Faible dafür entwickelt. Bislang sind es nur zehn Anhänger, "aber wir würden sofort mehr kaufen, wenn es das hier gäbe", sagt Karin Haller. 

Schneemänner en mi­ni­a­ture: In der Wohnzimmervitrine vor den Sammeltassen stehen die kleinsten Schneemänner. Foto: Anand Anders

Unterdessen wächst die Schneemann-Sammlung weiter. Denn jedes Jahr machen die Hallers Busausflüge zu großen Weihnachtsmärkten, wo es garantiert Schneemänner gibt, die sie noch nicht haben. Manchmal kommt auch ganz unverhofft ein neues Stück dazu. So wie kürzlich, als ein Päckchen mit einem kleinen Schneemann aus Tannenzapfen vor der Haustür lag. Ohne Absender. Die Hallers haben sich gefreut wie Kinder.

Bis Fasching dürfen die Schneemänner stehen bleiben. "Solange ist ja Winter", meint Karin Haller. Dann werden alle Figuren einzeln verpackt wieder in Kisten, Kartons und Koffern auf dem Dachboden verstaut. Schmucklos wird die Wohnung danach aber nicht. Denn dann kommen die Osterhasen raus. "Aber davon haben wir nicht so viele", fügt die 62-Jährige gleich lachend hinzu.  

Schlagworte

  • Grettstadt
  • Irene Spiegel
  • Advent
  • Christbaumkugeln
  • Christbaumschmuck
  • Dirigenten
  • Kinder und Jugendliche
  • Musiker
  • Osterhase
  • Schneemänner
  • Weihnachtsbäume
  • Weihnachtsmärkte
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!