Lindach

Große Resonanz bei der Dorfführung in Lindach

Vor dem ehemaligen Amtshof bzw. dem Schafhof des ehemaligen Fürstbistums Würzburg lauschen viele Lindacher den Ausführun... Foto: Thomas Albert

Auch in diesem Jahr finden gerade wiederum die sogenannten Adventsfenster im Kreuzpfadort Lindach statt. Sinn der Aktion ist die lockere Zusammenkunft der Ortsbewohner an mehreren Abenden im Advent bei verschiedenen Familien des Dorfes, die als Gastgeber fungieren. Da trifft sich Jung und Alt bei Knabbereien und heißen Getränken bei einer individuell gestalteten Feier zum gemütlichen Plausch miteinander. Der Auftakt dazu war ein Dorfrundgang durch den Winzerort, den Ortschronist Kurt Albert führte. Sage und schreibe 98 Anmeldungen von Lindacher Bürgern und einigen auswärtigen Gästen konnte Albert verzeichnen, eine Zahl mit der nie gerechnet hat.  

Der Rundgang begann auf dem Friedhof, den der Führer als mystischen, geheimnisvollen Ort darstellte. Mit spannenden Geschichten, die der Gästeführer selbst in seiner Kindheit erfahren und erlebt hat, sorgte er für manches Erstaunen bei den äußerst interessierten Zuhörern. Da durfte der Vortrag von den beiden Heimatsagen „Der Lindier Klappermann“ und „Der Lindier Grenzsteinversetzer“ nicht fehlen, die für leichtes Gruseln sorgten. Beim „Klappermann“ handelte es sich um ein menschliches Knochengrippe, das in den sogenannten Raunächten zum Leben erweckte wurde. Mit dem  Grenzsteinversetzer ist ein gefährliches Gespenst gemeint, das nachts auf den Schelmsäckern umgehen soll. Zu Lebzeiten soll einst der Bauer, von dessen Gespenst da die Rede ist, einen schweren Meineid geschworen haben, so dass sein Leichnam heute noch keine Ruhe im Grab zu finden vermag.

Mit Fackeln durchs Dorf

Ausgestattet mit brennenden Fackeln zogen die Kinder und Erwachsenen aller Altersschichten durch den nächtlichen, adventlich beleuchteten Ort zur nächsten Station, der Dorfkapelle. Hier ging der Referent auf die historische Bedeutung des 1583 urkundlich erwähnten Sakralbaus ein und stellte die früheren Beziehungen zum ehemaligen Kloster Heidenfeld her. Neben zahlreichen weiteren historischen Fakten wurde auch das in der Kapelle praktizierte Verirrtenläuten erklärt.

Anschließend marschierte man zum ehemaligen Amtshof des Klosters Heidenfeld. Bis zur Säku-larisation Anfang des 19. Jahrhunderts fand sich da der fürstbischöfliche Schafhof, der auch die Zehntabgabestelle der Lindacher für die Fürstpröpste des Heidenfelder Klosters war.

Der Dorfplatz stand als weitere Station des nächtlichen Umgangs an. Hier erklärte der Führer den sogenannten Dorfangerplatz als Alleinstellungsmerkmal, das Lindach im Vergleich zu anderen Dörfern hat. Im 9. Jahrhundert wurde der Ort als Straßenangerdorf angelegt. Von Bedeutung sind da die Giebelständigkeit der Wohnhäuser, die Querständigkeit der Scheunen, die hier immer noch vorhandenen Doppelhöfe und eben der weite Dorfplatz mit der Ansammlung der wichtigen Gebäude eines fränkischen Dorfes wie Kirche, Rathaus, Wirtshaus, Backhaus und Spital.

Als letzte Station nahm man das Rathaus mit seinem Treppengiebel und Schmuckfachwerk und die Filialkirche St. Antonius in Augenschein. Höhepunkt war die Besteigung des Glockenturms der Kirche. Diese Gelegenheit ließen sich die Kinder, aber auch viele Erwachsene nicht entgehen. Um nicht zu trocken rüberzukommen, würzte der Referent seine Ausführungen immer wieder mit Lindacherischen Originalsprüchen und trug Mundartgedichte mit humoristischem Akzent vor.

Beim abschließenden Schlusshock in der Gastwirtschaft lobten viele Teilnehmer den kurzweiligen Abend, bei dem sie neue Eindrücke von vermeintlich Altbekanntem mit nach Hause nehmen konnten.

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