SCHWEINFURT

Hauswirtschaft: Ein Markt, der immer größer wird

Da waren die Teilnehmerinnen des Projekttags, darunter auch viele Schülerinnen und Schüler doch erstaunt, wie breit gefächert die Berufsbilder in der Hauswirtschaft sind. Beatrix Weber-Hilpert, Ausbildundsleiterin für Unterfranken, stellte Ausbildungswege und Karrierechancen vor. Foto: Katja Beringer

Was machen Hauswirtschafterinnen? Putzen, kochen, waschen – und sonst? Auf ersteres wird das Berufsbild leider reduziert, sagt Klaudia Schwarz vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) am Projekttag in der Aula der Behörde. Dort rührt man an diesem Tag die Werbetrommel für eine ganze Fachrichtung. Denn die hat mehr zu bieten, als viele meinen. Und steht vor einer Marktentwicklung mit Potenzial, sagt Schwarz und blickt in die Reihen von Frauen, Schülerinnen und Schülern, die zum Projekttag gekommen sind.

Da ist die M 10 aus Haßfurt, die ihren Abschluss im sozialen Bereich machen wird, wozu Hauswirtschaft gehört, da sind Auszubildende des Antonia-Werr-Zentrums, Hauswirtschafterinnen, von denen sich manche für eine Weiterbildung interessiert und die Teilnehmerinnen des Lehrgangs Qualifizierung in der Hauswirtschaft. Eine bunt gemischte Truppe, die an diesem Tag beweisen will, dass Hauswirtschaft vielseitig, zukunftsfähig, kreativ und innovativ ist.

550 haben den Lehrgang bisher absolviert

Rund 550 solcher Absolventen hat das AELF in knapp 40 Jahren durchgeschleust. Eineinhalb Jahre werden sie einmal pro Woche in sechs Stunden fit gemacht in Theorie und Praxis. Am Ende können sie die Prüfung zur Hauswirtschafterin ablegen. Einer von drei Wegen zum Ausbildungsberuf, auf den sich aufbauen lässt. Viele Lehrgangsteilnehmerinnen haben das gemacht, sagt Schwarz. Andere haben den Lehrgang genutzt, um die eigene Haushaltsführung zu optimieren.

Denn hier lernt man viel, was am Ende allen zugute kommt: ressourcenschonend und effizient zu haushalten. Das ist gut für die Umwelt, wenn weniger Reinigungsmittel verwendet wird, weil man weiß, was optimal ist; gut für die Familie, die mit all dem Gelernten gesünder ernährt wird, und gut für die eigene Freizeit, weil man lernt, sich besser zu organisieren. Denjenigen, die nun lächeln, serviert Schwarz Zahlen: Die privaten Haushalte, in denen 76 Prozent der unbezahlten Arbeit geleistet wird, verbrauchen 55 Prozent des Bruttosozialprodukts. Wer sie führt, trifft die Hälfte aller Kaufentscheidungen in Deutschland, dessen Gesellschaft sich immer mehr verändert. Genau darin sieht Schwarz einen Aspekt, warum der Beruf Hauswirtschafter/in immer wichtiger wird.

Der Markt der Dienstleistung wächst

„2030 wird der Bevölkerungsanteil der Senioren bei 40 Prozent liegen.“ Das heißt für Schwarz: Diese Menschen brauchen Unterstützung, wenn sie solange wie möglich zuhause leben wollen. Ein wachsender Dienstleistungsmarkt, in dem Fachkräfte wie die Hauswirtschafterin oder die Dorfhelferin eingesetzt werden können. Aber, betont Schwarz: Die Politik muss Standards etablieren und einfordern, damit diese Bereiche „nicht in prekären Beschäftigungsverhältnissen münden“. Aktuell hat jeder zehnte Haushalt eine Haushaltshilfe. Drei von vier sind nicht angemeldet.

Ist der Rahmen gesetzt, hat der Markt der Dienstleistungen in privaten Haushalten viel Potenzial. Auch über das Pflegestärkungsgesetz, das die Abrechnung hauswirtschaftlicher Tätigkeiten nun möglich gemacht hat. Ein erster, wichtiger Schritt, sagt Schwarz.

Dann zeigen die Teilnehmerinnen, was Hauswirtschaft ausmacht, stellen alte Gemüsesorten vor, zeigen, dass Rote Beete in einer Gewürzschnitte verpackt den meisten schmecken kann, erklären, wie moderne Haushaltsführung aussieht. Sie stellen sich und den Grund für ihre Entscheidung vor, den Lehrgang zu machen. Da ist zum Beispiel die Betreuerin einer sozialen Einrichtung, die aus dem Lehrgang für ihren privaten Haushalt und Job gleichermaßen profitiert, wie sie sagt, oder die Landwirtin mit Großhaushalt und Großbetrieb. Manche der Teilnehmerinnen wollen nach dem Abschluss weitermachen, einige den Weg zur Meisterin gehen, um später vielleicht als Fach- und Führungskraft zu arbeiten. Eventuell in einem Seniorenheim, vielleicht in einer Tagungsstätte. Drei Jahre berufsbegleitend müssten sie dafür investieren, sagt Beatrix Weber-Hilpert, Ausbildungsleiterin für Unterfranken. Eine von einigen Karrieremöglichkeiten.

Berufe in der Hauswirtschaft – von der Ausbildung bis zum Studium

Hauswirtschafterin: Zum Ausbildungsabschluss führen drei Wege. Über die duale Ausbildung in Betrieb und Berufsschule; die Berufsfachschule in Vollzeit und berufsbegleitend über den Lehrgang zur Qualifizierung in der Hauswirtschaft. Voraussetzung sind 4,5 Jahre Berufspraxis (das kann auch ein eigener Haushalt sein). Hauswirtschafterinnen kümmern sich um Arbeitsorganisation, Vorratshaltung, Warenwirtschaft und Speisenzubereitung in Großbetrieben wie Senioreneinrichtungen, Krankenhäusern, Kantinen, Kindertagesstätten, Tagungsstätten oder bieten hauswirtschaftliche Dienstleistungen in Privathaushalten an.

Auf diesen Abschluss lässt sich aufbauen. Möglich sind Spezialisierungen – zum Beispiel als staatlich geprüfter Techniker für Ernährungs- und Versorgungsmanagement. Wer so ausgebildet ist, kann selbstständig Unternehmen in der Gästebeherbung leiten, hauswirtschaftliche Bereiche in Mittel- und Großbetrieben führen oder als Berater arbeiten. Oder es geht weiter zur staatlich geprüften Dorfhelferin, die Haushalte in Krisensituationen unterstützt, aber auch in der Altenhilfe und Behindertenarbeit arbeitet – angestellt oder selbstständig.

Zusätzliche Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es zur Fachlehrerin oder Fachberaterin für Ernährung und Hauswirtschaft sowie über Studiengänge (Master und Bachelor) in Ernährungswissenschaft und Consumer Sciene. Weitere Infos gibt es auf den Internetseiten des Bayerischen Staatsministeriums.

Klaudia Schwarz (links) vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten rührte gemeinsam mit Lehrgangsteilnehmerinnen und Beatrix Weber-Hilpert, Ausbildundsleiterin für Unterfranken, die Werbetrommel für die Hauswirtschaft als Ausbildungs- und Lehrberuf. Foto: Katja Beringer
Alte Gemüsesorten neu entdecken: Beim Projekttag zum Thema „Mit hauswirtschaftlicher Kompetenz in die Zukunft“ zeigten angehende Hauswirtschafterinnen, wie vielfältig das Ausbildungsfeld ist. Das Thema Kochen und gesunde Ernährung gehört natürlich auch dazu, aber nicht nur. Foto: Katja Beringer

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