Heidenfelder Hobbyküche brutzeln für den guten Zweck

Von wegen „nur für den Hausgebrauch“: Fünf leidenschaftliche Hobbyköche aus Heidenfeld zauberten beim Benefizkochen 77 Portionen Kabeljau und Burgunderbraten auf die Teller.

Kraftfahrer Bernd brutzelt achtsam den Schinken in der Pfanne. Der um keinen Scherz verlegene Kirchenpfleger Klaus zaubert bunte Salatkreationen auf den Teller. Reinhard und Gerd rollen im Akkord die Klöße fürs dampfend sprudelnde Klößwasser. Und anstatt – von Beruf wegen – Fliesen zu verlegen, bettet Uwe diesmal zarte Kabeljaufilets ins wärmende Bratrohr.

In der Küche des TSV-Sportheims stehen die fünf Heidenfelder Hobbyköche ihren Mann und kredenzen beim Benefizkochen für „Children's Home Namibia“ (siehe Infobox) 77 vorbestellte Menüs für ihre hungrigen Gäste. Eigentlich trifft sich das Quintett ja nur einmal im Monat, um gemeinsam gemütlich für sich selbst beziehungsweise zu Weihnachten auch für die Familie zu kochen. Doch nach einigen Events fürs größere Publikum, zum Beispiel Kirchweih und Fischessen, treten die fünf an diesem Sonntag wieder einmal für den guten Zweck ins Rampenlicht.

Wenn auch das Licht in der edelstahldominierten Küche gerade eher bratendunst- und wasserdampfgeschwängert ist. Und sie von ihren höchstzufriedenen Gästen erst nach getaner Arbeit etwas zu Gesicht bekommen. Doch für die Komplimente tun sie's in der Tat gar nicht: Ihre „Liebe zum Kochen“ hat sie vor knapp zehn Jahren irgendwie zusammengeführt, erinnert sich Gerd Stephan, der ansonsten Buchhalter bei ZF Sachs ist.

Ihre Experimentierfreude im Umgang mit Lebensmitteln kenne seither keinerlei Grenzen. Man habe schon vieles ausprobiert, manches auch mit ernüchterndem Ergebnis, schmunzelt Bernd Förth.

Die Besetzung der Männerrunde wechselte auch schon mal. Die jetzige empfindet sich als „prima Truppe“. Und demonstriert ihre Zusammengehörigkeit zum Beispiel mit einheitlichen Kochjacken – schneeweiß mit roten Kugelknöpfen und Namensbestickung – sowie kochfesten Pepita-Hosen. Sie zu tragen ist natürlich keine Pflicht, auch am Benefizkoch-Sonntag nicht.

Da sind dann ausnahmsweise auch zwei Gattinnen im Kochtempel willkommen: Isabella Wehner und Margot Förth sind – angesichts der großen Menge an Kochgut – die helfende Hände beim Klößekochen und Anrichten, während Christine Oeser und Maria Schäfner emsig die Bestellungen in die Küche und die randvollen Teller wieder hinaustragen.

„Kabeljau mit Kräuterpesto und rohem Schinken, Petersilienkartoffeln und Salat“ sowie „Burgunderbraten mit Rotkohl und Kartoffelklößen“ stehen auf der Speisekarte. Um dies in der Menge von 37 Portionen Fisch und 40-mal Braten vorzubereiten, haben die Küchenchefs schon am Samstagnachmittag kräftig vorgearbeitet.

Von Nervosität oder Hektik ist beim Countdown am Sonntagmittag daher auch nichts zu sehen. Dass eine ganze Charge Klöße misslingt, ärgert den einstigen ZF-Qualitätscontroller und jetzigen Rentner Reinhard Wehner zwar. Doch es bringt noch lange niemanden aus der Ruhe. Flugs wird Nachschub organisiert.

Und ab 11.55 Uhr „klappt der Laden“: Zum letzten Abschmecken füttert zweiter Bürgermeister Uwe Stephan den „Wächter am Gasherd“, Bernd Förth, mit einem Pröbchen vom Kabeljau. „Bella“ passt auf, dass ihr Reinhard auch genug Soße zum Braten gibt. Denn die ersten Gäste bestellen schon Extra-Soße nach. Sonderbestellungen a la „Kloß mit Soß‘“ sind natürlich auch kein Problem.

Eher vielleicht, dass das Salatreservoir und der Tellerstapel stark abnehmen: „Pass auf dein‘ Salat auf“, wird Klaus Braum, einst Kostencontroller bei ZF Sachs und jetzt Rentner, gemahnt. „Pass auf dei‘ Teller auf“, stichelt er verschmitzt zurück und sortiert im nächsten Moment das rückgekehrte Schmutzgeschirr in die Spülmaschine ein. Nachschub gesichert.

Denn während nach einer Stunde Serviermarathon die letzten Nachzügler ihren Hauptgang bekommen, sind die ersten Gäste schon wieder aufnahmefähig für Kaffee und selbst gebackenen Kuchen.

Der Küchencrew steht inzwischen doch ordentlich Schweiß auf der Stirn, Kondenswasser rinnt von den gekachelten Wänden. Und der nagelneue Kaffeeautomat spuckt Espressi, Cappuccini und Kaffee am laufenden Band aus. Doch darum kümmern sich nun die fleißigen Servierdamen. Oeser zitiert das Kompliment des ersten Bürgermeisters: „Es war seeehr lecker!“ Und Bernd, Gerd, Klaus, Reinhard und Uwe stoßen mit einer spendierten Runde Kräuterlikör auf ihr gelungenes Werk an.

„Wir sind keine Profis“, betont Gerd Stephan. Und das ist gut so. Wie diese fünf die Leidenschaft für ihr Hobby, das Kochen, in Spaß und Gelassenheit umwandeln, lädt zum Nachahmen ein. Ist ansteckend, sympathisch und vorbildlich – wenn es als Sahnehäubchen dann sogar noch einem guten Zweck dienen kann.

Erlös für Kinder in Namibia – Der Verein „Children's Home“

Der Erlös des Benefizkochens der Heidenfelder Hobbyköche kommt dem Verein „Children‘s Home Namibia“ zu Gute. Die gebürtige Röthleinerin Ulrike Gerda Mai (55) hat diesen im Juni 2010 gegründet. Offizieller Vereinssitz ist in Heidenfeld, bei Ulrike Mais Schwester Christine Oeser. Mai lebt als Frühpensionistin seit 2009 ganz in Namibia und unterstützt mit den Spenden, die sie durch den Verein sammelt, verschiedene Projekte, Einrichtungen, Waisenkinder, Mutter-Kind-Heime und Familien in Katatura, einem Stadtteil von Windhoek, in den im Zuge der Apartheid viele Schwarze zwangsumgesiedelt wurden. Dabei stehen im Mittelpunkt der Hilfen immer die Kinder, deren Lebensumstände und Bildungschancen es zu verbessern gilt. Und zwar nicht durch bloßes Geld, sondern durch konkrete Sachgüter oder Kostenübernahme, was durch Ulrike Mai vor Ort persönlich koordiniert und angeleitet wird. In vielen Fällen wird medizinische Versorgung von Krankheiten oder Handicaps auf Initiative des Vereins erst möglich gemacht: Zum Beispiel wurde der achtjährigen Anna ein dringend notwendiges Hörgerät angepasst, wodurch sie nun erst richtig sprechen lernen kann. Trikots und Fußballschuhe für ein Feriencamp wurden in Deutschland zusammengetragen und direkt nach Namibia geschickt. Ebenso ein Ersatz-Laptop für eine junge Studentin, der ihr Gerät bei einem Überfall gestohlen wurde. Einige Studenten finanziere man die Studiengebühren, wofür sie sich im Gegenzug mit Lehrstunden am Waisenhaus revanchieren, berichtet Christine Oeser. Vor Ort agieren die Helfer des Vereins ausschließlich ehrenamtlich. Die aktuell 16 Mitglieder sammeln in Deutschland Geld, unter anderem auch durch Tombolas und Benefizläufe, sowie Sachspenden (Brillen, Zahnbürsten, Kleidung und Schuhe).

Spendenkonto: Nr. 52965 bei der Volksbank Raiffeisenbank Nürnberg (BLZ 760 606 18)

Infos im Internet unter: www.childrens-home-namibia.de GK

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