OBERSCHWARZACH

Heimat und Tourismus verbinden

In der Abschlussarbeit für ihr Studium hat Innenarchitektin Jessica Lück eine Vision für die künftige Nutzung des Gebäudes entwickelt.
Jessica Lück mit ihrer Bachelorarbeit vor dem Torbogen des Oberschwarzacher Julius-Echter-Schlosses. Foto: Gudrun Theuerer

Ein Zentrum für die Einheimischen und eine Anlaufstelle für Touristen. Eine behutsame Verbindung zwischen dem Thema „Heimat“ und dem Aspekt „Tourismus“. Dies könnte eine Zukunft für das Julius-Echter-Schloss in Oberschwarzach sein.

Das meint zumindest Jessica Lück aus Prichsenstadt, die sich im Rahmen ihrer Bachelorarbeit im Studiengang Innenarchitektur ausführlich mit dem Schloss und seiner möglichen Zukunft befasst hat.

Seit Jahren ringen die Besitzerin des Schlosses, die Katholische Kirchenstiftung, und die Marktgemeinde Oberschwarzach um eine Lösung für die Nutzung des Schlosses, das seit einem gravierenden Wasserschaden im Jahre 2010 leer steht. Während die Pfarrgemeinde aufgrund der finanziellen Belastung zwischenzeitlich an die Rückgabe des Gebäudes an den Freistaat Bayern nachgedacht hatte und auch einen Verkauf befürwortete, gibt es inzwischen den 2013 gegründeten „Förderverein Schloss Oberschwarzach“, der gegen einen Verkauf ist und es sich zur Aufgabe gemacht hat, das Schloss wiederzubeleben und mehr in die Gemeinde zu integrieren.

Auch der Gemeinderat von Oberschwarzach hat sich 2015 dazu bereit erklärt, bei einer möglichen Renovierung eine finanzielle Unterstützung zu leisten. Dafür sollte ein gemeinsames Nutzungskonzept für das Schloss erstellt werden. Bei seiner Neujahrsansprache im Januar dieses Jahres sprach Pfarrer Stefan Mai aber davon, dass man sich hier noch immer in einer Hängepartie mit einer ungewissen Zukunft für das Schloss befinde.

Zumindest im Bezug auf ein gemeinsames Nutzungskonzept kann die Bachelorarbeit von Jessica Lück mit dem Titel „Julius-Echter-Schloss Oberschwarzach – Entwurf eines kulturellen Gemeindezentrums“ vielleicht weiterhelfen. Auch wenn die 24-Jährige das Thema aus ganz persönlichem Interesse und ihrem Faible für alte Schlösser gewählt hatte.

Als sie nämlich vor einigen Jahren Oberschwarzach, den Heimatort ihres Lebensgefährten Mathias Wiesmann kennenlernte, war sie sofort vom Wahrzeichen der Steigerwaldgemeinde fasziniert und gleichzeitig verwundert, dass dieses dominante und repräsentative Schloss im Zentrum der Gemeinde keinerlei Funktion für den Markt oder die Bürger hat.

Durch die Familie Wiesmann, die sich im Förderverein engagiert, erfuhr sie mehr über das Schloss und die bestehende Problematik, so dass auch sie sich mit der Zeit Gedanken über seine Zukunft und eine mögliche Verwendung machte.

Es entstand die Idee, dies im Rahmen ihrer Bachelorarbeit zu tun, auch wenn ihr und ihrem Professor Klaus Häussler von der Hochschule Coburg klar war, dass dies eine sehr umfangreiche Arbeit werden würde, bei der sie sich auch leicht verzetteln könnte.

Neben der vollständigen Bestandsaufnahme aller Räume vom Keller bis zum Dach mit knapp 200 Bildern gab es noch die Auflagen des Denkmalschutzes zu berücksichtigen. Da ihr Konzept eine öffentliche Nutzung vorsieht, mussten auch alle Anforderungen an die Barrierefreiheit erfüllt werden. Die dadurch notwendige Erschließung des Gebäudes mittels eines Aufzuges in einem separaten Treppenraum, der sich außen am Gebäude anschließt, stellte zusätzlich eine architektonische Herausforderung dar, bei der sie Dipl.-Ing. Hans-Christof Haas vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege unterstützte.

Abstriche machte sie lediglich beim Dachraum und den Außenanlagen, die im Entwurf außer Acht gelassen wurden.

Unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes, der Lösungen bevorzugt, die der früheren Nutzungsart des Gebäudes nahekommen, hat Jessica Lück zunächst die Verwaltung der Marktgemeinde Oberschwarzach für die Nutzung des Gebäudes vorgesehen.

Immerhin handelt es sich beim Schloss um ein ehemaliges Amtshaus des Fürstbischofs. Aufgrund der weitläufigen Räumlichkeiten und um dem Schloss die hohe Bedeutung für den Ort wiederzugeben, hat sie aber auch weitere Funktionen in ihren Entwurf integriert. So könnten sich nach ihrer Vorstellung Pfarrgemeinde und Marktgemeinde das 2. Obergeschoss teilen. Im Nordflügel die Pfarrgemeinde, im Südflügel die Marktgemeinde. In der Mitte dient das gemeinsame Foyer als Warteraum. Aufgrund der lockeren Möblierung kann es aber auch für kleinere Treffen und Aktionen genutzt werden.

Zu den Verwaltungsräumen und Teeküchen bieten sich die beiden Turmzimmer dieser Etage als ideale Sitzungsräume für die jeweiligen Gremien an. Neben dem Foyer ist noch ein Raum für örtliche Vereine vorgesehen.

Das Foyer des ersten Obergeschosses ist als Multifunktionsraum konzipiert, in dem sämtliche Veranstaltungen mit bis zu 70 Personen stattfinden können. Im gleichen Geschoss befindet sich im Südflügel ein Festsaal für rund 30 Personen, bei dem der angrenzende Turm als Tanzfläche genutzt werden könnte. Der Turm im Nordflügel mit seinen angrenzenden Räumen beherbergt ein kleines Heimatmuseum.

Das Erdgeschoss dient vor allem als Treffpunkt für Einheimische und Touristen. Neben einem kleinen Café mit Außenterrasse hat Jessica Lück im Südflügel für den Turm eine Vinothek geplant, in der ausgewählte Weine und Spirituosen der einheimischen Winzer verkauft werden könnten. Im Nordbereich schließt sich eine Bar an, die zum Innenhof geöffnet werden kann. Dieser Bereich könnte vor allem für Veranstaltungen im Sommer, wie zum Beispiel das Weinfest genutzt werden. Natürlich hat Jessica Lück als Innenarchitektin in ihrem Konzept nicht nur eine funktionale Planung für das Gebäude durchgeführt: für jeden der Räume gibt es detaillierte Entwürfe für Bodenbeläge, Farbgestaltung, Wandgestaltung und Einrichtung. Neben Leuchtenpositionsplänen hat sie auch Möblierungs- und Grundrisspläne beigefügt. Für benötigte Sonderanfertigungen gibt es sogar Konstruktionspläne.

Zum Beispiel für die großzügige Theke im Cafe, die mit ihrer ungewöhnlichen Form die Laufwege innerhalb des Raumes vorgibt. Durch verschieden große Holzscheiben, die an der vorderen Front auf einer schwarzen Faserplatte angebracht würden, wird der Eindruck von geschichteten Holzstämmen erweckt.

Für die Vinothek im Turmzimmer hat sie zwei halbrunde Regale aus Eichenholz entworfen, die Regalböden mit eingelassenen Glasböden besitzen. Mit LED-Bändern die zu beiden Seiten der Böden Licht abgeben, werden die Weinflaschen beleuchtet und entsprechend präsentiert.

Dabei muss sich der Leser der Bachelorarbeit nicht einmal auf seine Fantasie verlassen. Denn mit zahlreichen Zeichnungen, Skizzen und Bildern nimmt Jessica Lück ihn direkt mit auf einen Rundgang durch ihr kulturelles Gemeindezentrum im Julius-Echter-Schloss Oberschwarzach.

Die Kostenschätzung fehlt

Ein kleines Manko hat die Arbeit aber doch, wenn man sie als Basis für weitere Planungen verwenden möchte: Es fehlen die Kosten. Das ist der Verfasserin aber bewusst. Denn für eine tragfähige Kostenschätzung der Sanierung unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes, der Statik und der Barrierefreiheit ist eine noch viel umfangreichere Bestandsaufnahme mit Hilfe von erfahrenen Fachleuten notwendig. Das hätte den Rahmen ihrer Arbeit gesprengt.

Somit bleibt es erst einmal ein Konzept, das aber trotzdem die eine oder andere Anregung für die Zukunft des Schlosses bieten kann, hofft die Innenarchitektin, die inzwischen im elterlichen Betrieb, der Firma Raumgestaltung Lück, mitarbeitet und dort für die Erstellung ganzheitlicher Planungskonzepte zuständig ist.

Das Schloss beschäftigt sie aber immer noch. Aktuell erstellt sie für den Förderverein Skizzen für die Sanierung der Nebengebäude zwischen Schloss und Scheune. Diese sollen beim Landesamt für Denkmalpflege vorgelegt werden.

Am meisten würde es sie aber freuen, wenn man für das Schloss am Ende eine Lösung findet, die allen Beteiligten zusagt, denn auch bei ihrer Recherche hat sie von allen, egal ob Kirche, Marktgemeinde oder Förderverein immer die vollste Unterstützung erhalten.

Für jeden der Räume gibt es detaillierte Entwürfe für Bodenbeläge, Farbgestaltung, Wandgestaltung und Einrichtung. Foto: Gudrun Theuerer
Renaissanceformen prägen das Julius-Echter-Schloss in Oberschwarzach mit seinen Türmen und den Treppengiebeln. Foto: Michael Mahr
Eine Besonderheit des Oberschwarzacher Schlosses sind die uralten Graffiti, so wie diese Ritzzeichnung eines Mannes mit ... Foto: Matthias Beck
Das Sandstein-Wappen des Würzburger Fürstbischofs Julius Echter über dem Torbogen des Oberschwarzacher Schlosses. Foto: Michael Mahr
Auszug aus der Bachelorarbeit von Jessica Lück. Hier der Entwurf für das Museum. Foto: Entwurf: Jessica Lück
Zum Oberschwarzacher Schloss gehören auch einige Nebengebäude, die rund um den Innenhof angeordnet sind. Foto: Matthias Beck
Mit schlanker Säule und elegantem Ofen zeigt sich das Foyer im ersten Obergeschoss des Schlosses repräsentativ. Foto: Jessica Lück
Ein echter Hingucker: Der elegant geschwungene Treppenaufgang im Julius-Echter-Schloss in Oberschwarzach. Foto: Jessica Lück
Das Weinregal im Entwurf für die Vinothek wurde speziell für diesen Raum entworfen. Foto: Entwurf: Jessica Lück
Diese Grafik zeigt den Planungs-Entwurf für die Nutzung des zweiten Obergeschosses, das sich Marktgemeinde und Pfarrgeme... Foto: Entwurf: Jessica Lück
Der Entwurf aus der Bachelorarbeit für den Cafébereich des kulturellen Gemeindezentrums. Foto: Entwurf: Jessica Lück
Im Südflügel des ersten Obergeschosses ist der Wasserschaden am größten. Der Boden liegt fast vollständig offen, so dass... Foto: Jessica Lück

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