Grafenrheinfeld

Heizen mit Holzschnitzeln im Ortskern von Grafenrheinfeld

Holz zählt zu den regenerativen Energieträgern. In der Region Schweinfurt wächst mehr Holz nach als geerntet wird. Blick in einen der Öfen in Grafenrheinfeld. Foto: Gerd Landgraf

Nur wer wagt, der gewinnt, haben sich vor 15 Jahren Ludwig Mack und "seine recht Hand" Jürgen Hümmer gesagt und eine Nahwärmeversorgung aufgebaut, die weit und breit einmalig ist. Zu den Gewinnern zählt neben der Grafenrheinfelder Firma Mack Energie- und Haustechnik die Umwelt, der durch die Hackschnitzelanlagen für Wohnhäuser und ganze Ortskerne 2900 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr erspart bleiben. Für die gleiche Leistung von 2640 Kilowatt wären 900 000 Liter Heizöl zu verfeuern.  

Für Neubaugebiete und Ortskerne

"Holz ist der richtige Brennstoff für unsere Region", sagt Ludwig Mack, der sich noch an die Kommentare vor eineinhalb Jahrzehnten erinnert. "Jetzt spinnt er ganz und gar", sei einer von den noch nett gemeinten Sprüchen gewesen. Andere haben an seine Vision geglaubt, darunter die Gemeinde Grafenrheinfeld, die Mack bei der Altortsanierung mit ins Boot holte. Vier von heute 20 eigenen Anlagen (50 bis 600 Kilowatt), die zusammen 350 Häuser mit Wärme versorgen können, stehen in Grafenrheinfeld.

Angeschlossen sind beispielsweise mehrere Gebäude rund um den Kirchplatz, darunter die Alte Amtsvogtei, die Pizzeria und die Bücherei. Ebenso wird der komplette Straßenzug am Ärztehaus versorgt. Auch die drei Wohnanlagen und einige Einfamilienhäuser in dem Neubaugebiet im Südosten der Gemeinde bekommen ihre Energie von einer Mack-Holzschnitzelanlage und können auf eigene Kamine verzichten.    

Heizanlage mit zwei Brennern und den Aschetonnen. Foto: Gerd Landgraf

Große Anlagen verbrennen Holz besser als kleine Einheiten – vor allem wenn diese ständig gewartet werden. Mit ausschließlich dieser Aufgabe ist heute ein Kundendienst-Mitarbeiter betraut, dem per Handy die Anlagentechnik Störungen und Unregelmäßigkeiten rund um die Uhr meldet. 

Die Schnecke holt die Hackschnitzel aus dem Lagerraum. Foto: Gerd Landgraf

Die Firma Mack baut und betreibt die Anlagen. Mit der Rohstofferzeugung und dem zusätzlichen Ankauf von Holz liegt die gesamte Wertschöpfung in einer Hand. Gekauft wurde in der Gemarkung Schwebheim ein großes Waldstück. Mit den Söhnen Andreas und Frederic wurde einer der schnell wachsenden Energiewälder (Schwarzpappeln) gepflanzt. Zugekauft wird Holz, das bei den Pflegemaßnahmen in den Wäldern der Region anfällt. Weite Transporte (über 50 Kilometer) passen nicht zur Unternehmensphilosophie. Aus den eigenen Holzbeständen wird alljährlich nur etwa die Hälfte des im gleichen Zeitraum nachwachsenden Rohstoffs entnommen.   

Hier werden die Holzschnitzel getrocknet. Foto: Gerd Landgraf

Weil nur trockenes Holz wirklich gut brennt, hat man eine Trocknung gebaut. Die dort benötigte Wärme liefert das Chinaschilf (Miscanthus), das auf eigenen Feldern (vier Hektar) wächst. Das Gebläse wird mit der Energie aus einer Photovoltaik-Anlage betrieben. Die auf 15 Prozent Restfeuchte getrockneten Hackschnitzeln werden in einer großen Halle am Westrand von Grafenrheinfeld gelagert. Der Vorrat reicht für zwei Jahre.  

Der eingelagerte Vorrat reicht für zwei Jahre. Foto: Gerd Landgraf

Ein Rundgang zu den vier Heizanlagen in Grafenrheinfeld zeigte der Redaktion das Erfolgsrezept und eine beachtliche Kreativität des Unternehmens. Das Verbrennen von Holz ist für die Mieter und die Hausbesitzer an Bequemlichkeit nicht zu toppen. Um alles kümmert sich der Wärmelieferant, dessen Preise den Vergleich mit konventionellen Heizungen nicht zu scheuen brauchen. Vieles an den Anlagen sind hauseigene Konstruktionen, darunter etwa ein Flaschenzug, mit dem die Klappe des Lagers geöffnet wird, ehe die Holzschnitzel von der Fläche des Lasters in den Bunker geschüttet werden.

Heizanlage und Holzlager beim Reitverein in Grafenrheinfeld haben die Größe einer Fertiggarage. Foto: Gerd Landgraf

Für ihren Beitrag zum Klimaschutz wurde die Firma Mack bereits mit dem Innovationspreis des deutschen SHK-Handwerks (Sanitär, Heizung, Klima) ausgezeichnet. 

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