DONNERSDORF

Hella steigt bei InnoSenT ein

Zufriedene Geschäftsführer: Wolfgang Weidmann (links) und Robert Mock sehen der gemeinsamen Zukunft von InnoSenT mit dem Hella-Konzern erwartungsvoll entgegen. Im Hintergrund ist ein Teil der Automotive-Fertigung von InnoSenT zu sehen.
Zufriedene Geschäftsführer: Wolfgang Weidmann (links) und Robert Mock sehen der gemeinsamen Zukunft von InnoSenT mit dem Hella-Konzern erwartungsvoll entgegen. Im Hintergrund ist ein Teil der Automotive-Fertigung von InnoSenT zu sehen. Foto: Michael Mösslein

Eins plus eins macht zwei. Das weiß jedes Schulkind. Doch wenn zwei Unternehmen zusammenkommen, kann viel mehr dabei rauskommen. So sieht das die Firma InnoSenT in Donnersdorf. Im Mai hat der Konzern Hella KGaA Hueck & Co. die Hälfte der Unternehmensanteile bei InnoSenT übernommen. Der Donnersdorfer Entwickler und Hersteller von Radarsensorik sieht darin alles andere als den Versuch einer Einmischung oder gar feindlichen Übernahme. Für InnoSenT bringt die Übernahme die große Chance mit sich, in den folgenden Jahren noch stärker zu wachsen, meint das Donnersdorfer Unternehmen.

Unverkrampft, fast schon freudig berührt, sprechen Robert Mock (38) und Wolfgang Weidmann (64) über die Übernahme der Hälfte ihrer Firma durch Hella. Wirksam wurde diese Ende Mai, nach positiver Prüfung durch die Kartellbehörden. Bislang hatte den beiden geschäftsführenden Gesellschaftern je die Hälfte von InnoSenT gehört – jetzt haben sich ihre jeweiligen Anteile halbiert. Dennoch ist bei beiden nicht der Eindruck zu gewinnen, dass sie in den zurückliegenden Wochen etwas verloren hätten. Im Gegenteil: Weidmann erwartet für die kommenden Jahre eine „unheimliche Expansion“ des Unternehmens. Es werde weiter ein zweistelliges Umsatzwachstum geben, bestätigt Mock die Prognose.

Mehr Umsatz, mehr Mitarbeiter

Den notwendigen Platz für die weitere Expansion hat InnoSenT bereits gesichert. Das Nachbargrundstück im Anschluss an das Firmengelände im Donnersdorfer Gewerbegebiet „Am Rödertor“ gehört der Firma bereits. Expansion hieße aber auch, dass sich neben dem Jahresumsatz – etwa 25 Millionen Euro im Jahr 2011 – die Zahl der derzeit 130 Mitarbeiter erhöhen würde. Auch, wenn es nicht ganz leicht werden wird, genügend Personal zu finden, wie Mock ergänzt. Gesucht würden bei InnoSenT Mitarbeiter in allen Bereichen, in der Elektronik, Mechanik und Software, Kaufleute und Techniker, vom Facharbeiter bis zum Ingenieur.

Die Übernahme der Unternehmensanteile durch Hella kam für InnoSenT nicht überraschend. Der weltweit agierende Großkonzern aus Lippstadt war schon lange Kunde bei InnoSenT. Als Zulieferbetrieb von Radarsensoren für die Automobilbranche (Automotive) war Hella seit neun Jahren der größte Kunde für das Donnersdorfer Unternehmen, sagt Geschäftsführer Mock. Gespräche zu einer intensiveren Zusammenarbeit liefen seit eineinhalb Jahren. Dass diese in einer Übernahme der Hälfte der Unternehmensanteile endete, ist aus Sicht von InnoSenT aus rein strategischer Sicht ein Glücksgriff. „Hella ist ein Wunschpartner, das kann man ruhig so sagen“, meint Mock.

Für InnoSenT öffnen sich durch die enge Anbindung an Hella vor allem dessen Geschäftsfelder in Fernost und in den USA, wo InnoSenT bislang nicht groß präsent war. „Einen solchen Schritt ins Ausland überlegt sich jeder Mittelständler gut“, erklärt Weidmann. Dank Hella ergeben sich hier nun gute Chancen. Ein erstes gemeinsames Projekt beider Unternehmen sei bereits „in der Pipeline“, wie Mock bekannt gibt. Details möchte er noch nicht nennen.

Die InnoSenT-Mitarbeiter hätten die Nachricht vom Einstieg von Hella in ihre Firma durchweg positiv aufgenommen, sagen die beiden Geschäftsführer.

Weiterhin eigenständig

Für die Mitarbeiter am Standort Donnersdorf würde sich auch „überhaupt nichts ändern“. Generell werde sich Hella, wie von dort zu hören ist, nicht in die Betriebsabläufe bei InnoSenT einmischen. „InnoSenT wird weiterhin als selbstständiges Unternehmen am Markt agieren“, heißt es aus der Lippstädter Konzernzentrale. Im Fokus der Kooperation stehe zunächst die Entwicklung und Fertigung von Radarsensorik für automobile Anwendungen im weltweiten Hella-Netzwerk. Konkret geht es dabei beispielsweise um radarbasierte Fahrerassistenz-Systeme, Spurwechsel- oder Toter-Winkel-Assistenten, die immer häufiger in Fahrzeugen eingebaut werden. In diesem Bereich ist InnoSenT nach eigenen Angaben Weltmarktführer. Der Einstieg von Hella bei InnoSenT ist somit nicht ohne Eigennutz.

Dass bei InnoSenT die Entwicklung von der Unternehmensspitze als Chance begriffen wird, hängt damit zusammen, dass Hella – zumindest bisher – bei Unternehmensbeteiligungen den kleineren Partnern nicht ihr Geschäftsmodell aufgezwängt hat, erklären Mock und Weidmann. Es sei geradezu ein Erfolgsrezept von Hella, ihre „Juniorpartner“ weiterhin deren Erfolgsmodelle verfolgen zu lassen und ihnen ihre Stärken zu belassen. Dies geht soweit, dass InnoSenT auch künftig Konkurrenten von Hella beliefern wird. „Letztlich bleibt alles so wie bisher“, stellt Mock fest. Nur die Entwicklungschancen von InnoSenT hätten sich erheblich verbessert.

Die Unternehmen InnoSenT und Hella

Bereits heute hat die InnoSenT GmbH in Donnersdorf eine führende Rolle in der Forschung und Entwicklung von Radartechnologie inne. Vorzeigeprojekt des Unternehmens, das 130 Mitarbeiter beschäftigt, ist die von ihr entwickelte und gefertigte Radartechnik für die führerlosen U-Bahn-Züge in Nürnberg, die die Züge vor Hindernissen auf den Gleisen warnt. Auch in jedem ICE steckt Radartechnik von InnoSenT, die die Geschwindigkeit feststellt. Das Spektrum an Komponenten und Untersystemen für Radarsensorik in den Bereichen Industrie und Automotive, mit denen sich InnoSenT beschäftigt, ist groß. Das Unternehmen wurde vor 13 Jahren gegründet. In den zurückliegenden Jahren war es zweimal unter den Top-50 der bayerischen Unternehmen mit der höchsten Zuwachsrate. Erst im Frühjahr dieses Jahres erhielt InnoSenT zudem den Preis „Regionis 2011“ der Wirtschaftsjunioren Unterfranken als Unternehmen, das seinen Mitarbeitern ein möglichst angenehmes Arbeitsumfeld bietet. Als global aufgestellter Familienkonzern beschäftigt die Hella KGaA Hueck&Co. an 70 Standorten in mehr als 30 Ländern über 25 000 Mitarbeiter. Hella entwickelt und fertigt für die Automobilindustrie Komponenten und Systeme der Lichttechnik und Elektronik und verfügt nach eigenen Angaben über eine der größten Handelsorganisationen für Kfz-Teile, Zubehör, Diagnose und Serviceleistungen in Europa. Mit einem Umsatz von 4,4 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2010/11 zählt Hella zu den Top 50 der weltweiten Automobilzulieferern sowie zu den 100 größten deutschen Industrieunternehmen.

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