SCHWEINFURT

Herr über sechs Millionen Liter Wasser

Scheinbar endlos verlaufen im Keller die Wasserleitungen und Rohre.
Scheinbar endlos verlaufen im Keller die Wasserleitungen und Rohre. Foto: Anand Anders

Vier Hektar Fläche, 3325 Quadratmeter Schwimmbecken und knapp sechs Millionen Liter Wasser: Im Silvana Sport- und Freizeitbad gibt es einiges zu entdecken. Diese riesige Fläche muss natürlich das ganze Jahr über in Schuss gehalten werden. Was dabei zu beachten ist und wie ein Tag im Leben eines Fachangestellten für Bäder aussieht, das zeigt mir heute Andreas Böhm.

Seit der Eröffnung im Jahr 2005 ist Andreas im Silvana angestellt und hat gerade seinen Meister gemacht. Als ich ihn um 6 Uhr morgens im Eingangsbereich des Schwimmbades treffe, ist er trotz der frühen Morgenstunde bereits gut gelaunt. Rasch schlüpfe ich in meine kurze Hose. Zum Glück habe ich zu Hause gerade noch daran gedacht, sie einzupacken, denn schon im Bereich der Umkleiden herrschen wohlige Temperaturen.

Unendliche Rohre

Andreas' erste Aufgabe am Morgen als Schichtleiter ist das Ablesen aller Werte. Mit einem Tabletcomputer bewaffnet, machen wir uns auf den Weg in die Tiefen des Kellers. Schier unendlich verlaufen hier die Rohre und Leitungen, biegen um zig Ecken und enden in Schwallwasserbecken, Pumpen und riesigen Filteranlagen. Während wir von Zähler zu Zähler wandern, lesen wir 60 Werte ab, die Andreas in eine Tabelle einträgt. Gas, Wasser, Strom, Lüftungsanlagen und jede Menge anderer Vorgänge werden so stets im Auge behalten.

Auf unserem Rundgang erklärt mir Andreas gleich die Funktionen der einzelnen Rohre, Geräte und Becken, die von unten nur schwer zu erahnen sind. Der Kreislauf beginnt am Schwallwasserbehälter, in den das Wasser über den Überlauf des Beckens gelangt. Damit ich einen Blick durch das eingebaute Bullauge werfen kann, schaltet Andreas eine Lampe im Inneren an. Gluckernd bewegt sich das Chlorwasser und schwappt gegen die Scheibe.

Großer Kreislauf

Aus dem Schwallwasserbehälter läuft das Wasser durch einen Haar- und Faserfänger und gelangt zu den Umwälzpumpen. „Das ist das Herzstück unserer Anlage“, erklärt Andreas. Bevor das Wasser dann durch die Filter läuft, wird ein Flockungsmittel hinzugegeben, das die übrig gebliebenen Öle und Fette bindet, die anschließend im Filter hängen bleiben. Zwölf Filter besitzt das Schwimmbad insgesamt, die pro Stunde über zwei Millionen Liter Wasser reinigen.

Hat das Wasser seinen Weg durch die verschiedenen Gesteinsschichten des Filters beendet, wird es via Wärmetauscher wieder auf die richtige Temperatur für das jeweilige Becken erhitzt. Zum Schluss wird es mit Chlorgas angereichert und der PH-Wert korrigiert und läuft an einer Messeinheit vorbei, wo es regelmäßig kontrolliert wird. Über Düsen wird das gereinigte Wasser wieder von unten in die Schwimmbecken geführt.

Saugender Roboter

Als nächstes geht Andreas mit mir in den Außenbereich. Über Nacht hat ein Saugroboter die rund 1100 Quadratmeter große Bodenfläche des Nichtschwimmerbeckens gereinigt. Allerdings befinden sich am Boden noch immer einige größere Schmutzpartikel und Blätter, die vor Badebeginn um 9 Uhr noch entfernt werden müssen. Diese Aufgabe übernehmen heute die beiden Auszubildenden.

Mit einer Fernbedienung steuert Julian Küllstädt, der vor wenigen Tagen ins zweite Lehrjahr gestartet ist, den Roboter von Blatt zu Blatt. Dann bin ich an der Reihe: Wie ein ferngesteuertes Auto lässt sich der Roboter in vier Richtungen durch das Wasser führen und saugt Stück für Stück die letzten Reste Schmutz aus dem Becken. Selten hat mir putzen mehr Spaß gemacht. Doch lange habe ich dafür nicht Zeit, denn der Zeiger rückt immer näher auf die 9 zu und es gibt noch einiges zu tun.

Rutschige Angelegenheit

Schnell folge ich Andreas in die Halle, wo mich lauschige 30 Grad umhüllen und die feuchte Kälte des Herbstmorgens schnell vergessen lassen. Bevor gleich die Badegäste, die sich schon eine Viertelstunde vor der regulären Öffnungszeit im Eingangsbereich herumdrücken, die Schwimmhalle betreten, muss die 80 Meter lange Röhrenrutsche kontrolliert werden. „Es ist schon vorgekommen, dass jemand eine Schraube von unten durch den Boden gedreht hat“, erzählt Andreas. Um Verletztungen zu vermeiden, werden deshalb jeden Morgen die Rutschfläche und die Fugen der gedrehten Röhre überprüft.

Aus Angst, die Röhre könnte sehr eng sein, traue ich mich zuerst nicht, gemeinsam mit Andreas den Kontrollgang zu erledigen. Als ich aber von oben in die breite Rutsche blicke, will ich es doch wagen. Schnell gehe ich die Treppen hinunter zum Auslaufbecken, streife meine Badeschuhe ab und steige in das warme Wasser. „Sei vorsichtig, es ist ganz schön rutschig“, warnt mich Andreas noch.

Obwohl das Wasser abends ausgestellt wird, ist der Boden noch immer sehr glitschig und nass. Vorsichtig suche ich mit den Händen an der Decke Halt und laufe langsam vorwärts, immer darauf bedacht, meine Füße links und rechts neben das restliche Wasser zu platzieren. Wie durch ein Büchsentelefon, höre ich dabei jedes Wort, das Andreas oben mit dem Fotografen wechselt.

Nasse Überraschung

Endlich oben angekommen, zeigt mir Andreas, wie er die Fugen mit seinen Händen kontrolliert. Nach getaner Arbeit heißt es Rückweg antreten. Da Andreas die Rutsche schon verlassen hat, muss ich alleine hinunter. Tapsend folge ich dem Verlauf der Röhre, als ich plötzlich ein verdächtiges Rauschen höre. „Achtung Lena! Das Wasser kommt!“, hallt es auf einmal von oben herab. Panisch beschleunige ich meine Schritte, flitze so schnell es geht in Richtung Auslaufbecken. Erwischt mich der rasende Schwall, kann ich mich womöglich nicht mehr auf den Füßen halten und gehe baden – Das war für heute nicht geplant.

Das Rauschen kommt immer näher, durch die Akustik der Röhre verstärkt, jagt mich die laute Flut in Richtung Ausgang. Da endlich, das Becken kommt in Sicht! Gerade als meine Füße in das warme Wasser eintauchen, erwischt mich die Welle von hinten und umspült reißend meine Knöchel. Ich habe es geschafft! Mit zittrigen Knien steige ich aus dem Becken. „Meine Kollegin hat versehentlich das Wasser angestellt“, ruft mir Andreas zu, der gerade heraneilt und gemeinsam lachen wir über den kleinen Schock am Morgen.

Am Sonntag, 16. September, findet von 10 bis 18 Uhr im Freibad der DogDay statt. Der Eintritt für einen Hund beträgt 3 Euro, Menschen zahlen 1,50 Euro.

Ein Blick in den Schwallwasserbehälter.
Ein Blick in den Schwallwasserbehälter. Foto: Anand Anders
Mit den Azubis unterwegs: Lena Köster fährt den Saugroboter im Nichtschwimmerbecken im Freibad.
Mit den Azubis unterwegs: Lena Köster fährt den Saugroboter im Nichtschwimmerbecken im Freibad. Foto: Anand Anders
Mit einer Fernbedienung wird der Saugroboter durch das Becken gesteuert.
Mit einer Fernbedienung wird der Saugroboter durch das Becken gesteuert. Foto: Anand Anders
Andreas Böhm erklärt Lena Köster am zentralen Touch-Monitor im Keller die Technik des Schwimmbads.
Andreas Böhm erklärt Lena Köster am zentralen Touch-Monitor im Keller die Technik des Schwimmbads. Foto: Anand Anders
Tägliche Kontrolle: Lena Köster überprüft die Fugen in der Röhrenrutsche.
Tägliche Kontrolle: Lena Köster überprüft die Fugen in der Röhrenrutsche. Foto: Anand Anders

Rückblick

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  5. Mensa: Wo es günstig, schnell und trotzdem lecker sein soll
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  10. Die Tafel. Oder: Essen wo es hingehört
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  12. Ein Knochenjob
  13. Herr über sechs Millionen Liter Wasser
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  20. Adlerauge für den Datenhighway
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