SCHNACKENWERTH

„Hier ist rechtes katholisches Land!“

Die Keltenschanze, das sogenannte Dreiländereck oder ein kirchenpolitisch bedeutsames Marterle aus der Zeit der Gegenreformation dürften den etwa 100 Grenzgängern von Schnackenwerth jetzt nicht mehr unbekannt sein. So viele Interessierte hatten sich im Rahmen des 1000. Dorfjubiläums einer Wanderung entlang der Flurgrenzen des Ortes angeschlossen.

Die Vereinsgemeinschaft, die das Jubiläum ausrichtet, bietet in jedem Monat eine besondere Veranstaltung an. Diesmal ging es unter Federführung der Waldkörperschaft und der Feldgeschworenen auf die elf Kilometer lange Wanderung rund um die Flurgrenzen. Alternativ wurde die Fahrt auf drei Planwagen angeboten.

Mit einer Größe von 503 Hektar teilt sich die Schnackenwerther Flur auf 750 Grundstücke auf. Ackerbau wird auf 410 Hektar betrieben, zwei Waldstücke gehören zur Gemarkung: das Löhlein mit fünf Hektar und der Rettnert mit 19 Hektar. Etwa sieben Hektar Wasserflächen gibt es mit dem Schleeriether Bach, dem Stöckiggraben und der Wern.

Hermann Pfister, Obmann der Schnackenwerther Siebener, zeigte den Grenzverlauf Richtung Ettleben im Bereich des Gewerbegebietes Werneck an der A70, gegen Schleerieth und Egenhausen bis zum Rettnert. Dort konnten die Flurgänger den ältesten Grenzstein besichtigen, datiert von anno 1596. Pfister erklärte die verschiedenen Grenzzeichen und gab einen Einblick in die Arbeit der Feldgeschworenen.

Die Flurnamen, ihre Herkunft und Bedeutung erläuterte Günther Treutlein von der Waldkörperschaft Schnackenwerth. An den einzelnen Stationen erklärte er, was es beispielsweise mit dem Dreiländereck, Am Löhlein, Mahlholz oder „Im Ludwigs Garten“ auf sich hat.

Seit Jahrhunderten ist die fränkische Flur geprägt durch Bildstöcke. An zwei Beispielen auf der Wanderung erläuterte Gertrud Pfister ihre Bedeutung. Ein Marterle wurde Ende des 19. Jahrhunderts aus Dankbarkeit über die Genesung nach einem schweren Unfall errichtet. Ein weiterer Bildstock am sogenannten Dreiländereck zwischen Schnackenwerth, Egenhausen und Geldersheim stammt aus dem Jahr 1579. Der Stein hatte einst kirchenpolitische Bedeutung. Denn der von einem Egenhäuser Schultheißen gestiftete Bildstock sagte in Zeiten der Gegenreformation aus: „Hier ist rechtes katholisches Land!“ Mit der Bildstocksetzung ehrte der Stifter seinen Fürstbischof Julius Echter.

Die umfassenden Informationen komplettierte Richard Hümmer mit historischen Nachweisen und Hintergründen sowie kursierenden Sagen. Unterstützt wurde er von Hermann Popp, die beide auch federführend an der neuen Ortschronik mitgewirkt haben, die im Mai erscheinen wird.

Bei einer Mittagsrast in den „Dornwiesen“ bekamen die Teilnehmer fundierte Informationen über die „Alte Burg“, die erste keltische Viereckschanze nördlich des Mains. Zu finden ist sie etwa 1,5 Kilometer nordwestlich von Schnackenwerth. Diese Keltenschanze wurde als Befestigungsanlage oder als Kultstätte genutzt und hatte die erstaunliche Größe von 70 auf 80 Meter.

Jeder Teilnehmer durfte am Ende einen Lageplan über die Schnackenwerther Gemarkung, deren Grenzverläufe und sämtliche Flurnamen mit nach Hause nehmen. Teil zwei der Grenzbegehung, diesmal im Osten, wurde für 2016 in Aussicht gestellt.

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