Gochsheim

Hilfe zwischen Eigenschutz und Nähe zum Patienten

Wie die Sozialstationen in Corona-Zeiten ihren ambulanten Dienst an den Menschen versehen. 60 Schutzmasken kosteten 1200 Euro.
Mit Mundschutz und Handschuhen versehen die Pflegerinnen der Sozialstation Sankt Matthias in Gochsheim derzeit ihren ambulanten Dienst.
Mit Mundschutz und Handschuhen versehen die Pflegerinnen der Sozialstation Sankt Matthias in Gochsheim derzeit ihren ambulanten Dienst. Foto: Ricarda Deschner

Sie kommen trotz Corona-Krise auch weiterhin ins Haus, um Pflegebedürftige und alte Menschen in ihren eigenen Räumen zu versorgen: die Sozialstationen und ambulanten Pflegedienste. Aktuell haben sie, abgesehen vom Personalmangel, noch mehr Probleme zu meistern.

"Unser Hauptproblem ist derzeit die Beschaffung von Schutzausrüstung", berichtet Manfred Manger, Vorsitzender des Katholischen Schwesternvereins St. Matthias e.V. Gochsheim. Dieser ist Träger der Caritas-Sozialstation und der katholischen Kita. Organisieren heißt jetzt das Schlagwort für den 77-jährigen ehrenamtlichen Vereinsvorsitzenden.

Aus der Türkei hat der Verein vor zwei Wochen FFP-2 Mundmasken bekommen, "aber die Preise sind kräftig gestiegen", weiß er. "60 Stück für 1200 Euro, und sie sind maximal 24 Stunden zu tragen", ergänzt Verwaltungsangestellte Ricarda Deschner. Wenn Patienten dreimal am Tag besucht werden müssen, reiche das keine Woche für die sechs Pflegerinnen und vier Hauswirtschafterinnen, die die Hausbesuche mit den verschiedenen Dienstleistungen bei der Sozialstation übernehmen.

Handschuhe habe man noch genug, so Manger, und bei Desinfektionsmitteln unterstütze eine Gochsheimer Apotheke. Schutzanzüge gebe es nicht, aber der Verein hat die Anzahl der Arbeitskleidung für die "Schwestern" aufgestockt: Statt drei hat jede Mitarbeiterin jetzt fünf Kittel. "Sie werden industriemäßig gewaschen bei 60 Grad", könnten häufiger gewechselt werden.

Personal und Patienten schützen

Einen Krankheitsfall habe man unter den 70 Patienten glücklicherweise noch nicht gehabt, berichtet der Vereinsvorsitzende kurz vor Ostern. Es habe nur einmal eine Überprüfung gegeben, die aber keine Covid-19-Erkrankung ergab. Für Manger steht in der aktuellen Situation an erster Stelle, sein Personal zu schützen, dann die Patienten, dann die Angehörigen. Angst, sich eventuell anzustecken, hätten die älteren, die "Ü50"-Pflegerinnen, die einen Großteil des Personals der Gochsheimer Sozialstation ausmachen, eigentlich nicht, weiß Ricarda Deschner. Die jüngeren schon eher. Dagegen würden jetzt aber manche Patienten aus Angst sich anzustecken auf die hauswirtschaftlichen Dienste verzichten und nur die medizinische Pflege in Anspruch nehmen, berichtet Manger.

An die Patienten verteilen die ambulanten Pflegerinnen Stoffmasken für deren Eigengebrauch, die Gochsheims Bürgermeisterin Helga Fleischer fachmännisch nähen lässt und der Sozialstation zur Verfügung stellt. "Die Patienten kommen ja an gar nichts ran", so Deschner. Allerdings: Die Schwestern würden ihre Klienten auch weiterhin duschen, waschen oder die Zähne putzen. Da sei Nähe unerlässlich und natürlich könnten Patienten dabei keinen Mundschutz tragen. "Es gibt Pflegedienste, die duschen schon nicht mehr", hat Deschner erfahren.

Sie ist derzeit nur noch am Organisieren, Telefonate führen, E-Mails schreiben, Tourenpläne ändern oder sich um Formulare kümmern. Beispielsweise kam vom Diözesan-Caritas-Verband ein Vordruck für jeden Patienten für den Fall einer Covid 19-Erkrankung: Gefragt wurde, was jeder alleine bewältigen könne, was Angehörige übernehmen könnten, welche Hilfe auf jeden Fall von außen kommen müsse. "Sollte jemand bei uns wegfallen, muss das ja irgendwie übernommen werden", sagt die Helferin der Sozialstation.

Sozialstation ist ausgelastet

Im Home Office ist derweil ihr "Chef" Manfred Manger. Er kann von zuhause aus auf das Caritas Software-Programm "Digital 21" zugreifen, behält den Überblick über die Verwaltung und die Abläufe. "Derzeit kommen ständig Anfragen für Pflege, aber ich muss ihnen leider absagen", erklärt der 77-Jährige. "Wir sind voll, wie fast alle Sozialstationen". Nur die 272 Mitglieder des Vereins haben einen Anspruch darauf.

Allerdings plagt auch die Sozialstation Sankt Matthias der Mangel an Pflegekräften. "Die Anerkennung in der Bevölkerung und die Lobby des Pflegepersonals müsste besser sein", konstatiert Manger. Er höre zwar immer, dass die Vergütung verbessert werden solle, das allein sei aber nicht der Grund. "Die Einstellung, die Liebe zum Beruf muss da sein." Ein gutes Betriebsklima sei ebenso wichtig, den Pflegekräften müsse man zeigen, dass man sie wertschätze. Darüber hinaus schütte sein Verein beispielsweise auch Sonderprämien aus.

Dass der Katholische Schwesternverein auf der Höhe der Zeit ist, zeigt die jüngste Mitgliederversammlung, die erstmals an einem Sonntag Nachmittag mit Gottesdienst und anschließendem Weißwurstessen begann. Eine umfangreiche Satzungsänderung stand an, bei der auch ein neuer Name bestimmt wurde. "Der jetzige stammt noch aus der Ordensschwesternzeit", erklärt Vereinsvorsitzender Manger. Künftig heißt er "Kita und Pflege St. Matthias".

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