Grafenrheinfeld

Historisches Grafenrheinfeld in Gips

Walter Kaspar und sein filigranes Hobby. Das erste Rathaus und das Dorftor sind schon fertig. Aber der Tüftler mit Geduld hat schon weitere Pläne.
Eine Ansicht vom ersten Grafenrheinfelder Rathaus, der heutigen Pizzeria, zeigt: Walter Kaspar ist bei seinem Nachbau bis in den letzten Winkel detailgetreu.
Eine Ansicht vom ersten Grafenrheinfelder Rathaus, der heutigen Pizzeria, zeigt: Walter Kaspar ist bei seinem Nachbau bis in den letzten Winkel detailgetreu. Foto: Daniela Schneider

Walter Kaspar ist ein Grafenrheinfelder Original. Ein Vereinsmensch, Gemeinderat der Freien Bürgerliste und immer direkt, um nicht zu sagen impulsiv. Kaum vorstellbar, dass er in seinem Keller in stundenlanger Sisyphusarbeit mit vielen winzig kleinen Einzelteilen geduldig historische Gebäude seines Heimatdorfes aus Gips nachbaut.

Momentan arbeitet er am alten Zehnthaus, dem ehemaligen Brauhaus, heute ist dort das Museum Schatzkammer untergebracht. Kaspar hält sich an das einst dreistöckige Original, bis zum 17. November muss es fertig sein, da will er es ausstellen beim geplanten Bildervortrag "Damals in Grafenrheinfeld" mit alten Ortsansichten, denen er übrigens im Ort gerne "nachjagt". Eine alte Zeichnung war es dann auch, die Kaspar zu seinem ersten Nachbau inspirierte: Dem Grafenrheinfelder Dorftor, das 1872 abgerissen wurde. Wilhelm Ebner fertigte das Bild 1931 nach Augenzeugenberichten an. Ein Eintrag in der Dorfchronik von Kaplan M. Selig (1917) bringt weitere Informationen über die Maße, die Kaspar dann im Maßstab 1:35 runterrechnet.

Momentan arbeitet Walter Kaspar in seinem Keller am historischen  Zehnthaus, bei dem 1925 die beiden oberen Stockwerke abgetragen wurden. Heute ist dort das Museums Schatzkammer.
Momentan arbeitet Walter Kaspar in seinem Keller am historischen Zehnthaus, bei dem 1925 die beiden oberen Stockwerke abgetragen wurden. Heute ist dort das Museums Schatzkammer. Foto: Daniela Schneider

Gut vier Jahre ist das jetzt her, etwa eineinhalb Jahre baute er, damals noch berufstätig, am Dorftor, das einst vor mehr als 100 Jahren in der Hauptstraße, Ecke Bühlstraße, stand. Die Gipsplatten, die er dafür benötigt, gießt er selbst, sägt anschließend Türen, Tore und Fenster aus. Mit einer "umgebauten" Diamantfeile ritzt der 64-Jährige anschließend die so typisch fränkischen Sandsteinstrukturen ein. Nicht immer einfach, die richtige Farbe, den typischen Stil genau zu treffen. Viele Gebäude sind in Wischtechnik, im Original changieren die Sandsteine von gelb zu rot und braun.

Filigrane Tonschindeln in vierstelliger Zahl

Die über 1000 filigranen Tonschindeln findet er bei einem Eisenbahn-Modellbau-Händler – das Internet macht es möglich. Mit Pinzette klebte er die Biberschwänze einzeln auf. Eine mühsame Kleinarbeit, die viel Geduld erfordert und die Walter Kaspar mit Bayern 1 im Ohr trotzdem ganz wunderbar entspannend findet. Das Dorftor steht mittlerweile ebenso als Leihgabe im Schaukasten des heutigen Rathauses, wie auch sein zweites Nachbauprojekt, das erste Rathaus Grafenrheinfelds, das heute die Pizzeria "Ai due Galli" beherbergt.

Das Problem: Es existieren keine Baupläne und so musste der Miniaturbauherr vor Ort alles eigenhändig vermessen. Auf Rügen tat Kaspar nach langer Suche eine Firma für die kleinen anthrazitfarbenen Schieferplatten fürs Dach auf, die filigrane Dachrinne aus Kupfer fertigt der Grafenrheinfelder mit einer eigens dafür gemachten Pressform. Schwierig war auch die originalgetreue Gestaltung des Fachwerkes, hier half ihm der heutige Besitzer des alten Rathauses, Tiziano Marcato, der bei der Begutachtung einen fehlenden Balken im Fachwerk des Nachbaus entdeckt.

Die vielen Stunden hat er nicht gezählt

Gleich zweimal musste Kaspar pausieren: Erst brach er sich während der Bauphase den rechten, dann den linken Arm. Die investierten Stunden für sein Hobby? Walter Kaspar lacht über die Frage. "Unzählige waren es", oft verbringt er viele Stunden in seinem Keller, zu Berufszeiten eher am Wochenende und Abend, seit er Rentner ist, ist er da flexibler.

Seine Frau hat nichts dagegen und grinst: "Da ist er aufgeräumt" und auch die vier Enkel wissen: Bei Opa im Keller darf man zugucken, aber nichts anfassen. Das ganz auf Grafenrheinfeld zugeschnittene Hobby ist noch relativ jung, doch historische Nachbauten fertigt der gelernte Schlosser seit mehr als 20 Jahren, eine komplette Vitrine im Wintergarten ist voll davon: Katapulte, Pfeilschleudern, Kanonen und Wehrtürme; filigran aus Eichenholz und Metall detailgetreu gefertigt bis hin zum selbst gewebten Schleudernetz.

Und noch ein Rathaus und vielleicht das alte Pfarrhaus

Fertig ist er noch lange nicht: Als nächstes steht das Original-Rathaus aus den 1930er-Jahren auf dem Bauplan ganz ohne Fachwerk und noch mit drei Eingängen und auch beim alten Pfarrhaus in der Bühlstraße, das 1965 abgerissen wurde, zuckt es Walter Kaspar schon in den Fingern.

Das Dorftor, das 1872 abgerissen wurde, ist sein erster Nachbau von historischen Gebäuden, der ebenso wie das Rathaus als Leihgabe im 'richtigen' Grafenrheinfelder Rathaus steht.
Das Dorftor, das 1872 abgerissen wurde, ist sein erster Nachbau von historischen Gebäuden, der ebenso wie das Rathaus als Leihgabe im "richtigen" Grafenrheinfelder Rathaus steht. Foto: Daniela Schneider

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