Wetzhausen

Hitze, Trockenheit, Schädlinge und der Patient Wald

Fraßschäden durch Borkenkäfer an Fichten im Wald um den Ellertshäuser See. Foto: Harald Spiegel

Dass der Wald geschädigt ist, erfährt man bei einer Fahrt durch das Schweinfurter Oberland an zahlreichen gelb oder braun gefärbten Nadelbäumen. Besonders gut sichtbar werden die geschädigten Bäume an den Waldrändern. Dass Hitze, Trockenheit und Schädlinge in den letzten Jahren auch Laubbäume beeinträchtigten, kann man erst seit 2018 gut erkennen.

"Was müssen Waldbesitzer tun? Was hilft weiter in dieser Situation?" Antwort auf diese Fragen gab Harald Spiegel, Revierförster im Markt Stadtlauringen, bei einer Infoveranstaltung im Sportheim von Wetzhausen. Eingeladen hatten dazu zweiter Bürgermeister Winfried Reß, Philip Schubert, Christian Laesch, Gerald Raab sowie Gerhard Koch.

Harald Spiegel verwies auf die signifikante Erhöhung der Jahresmitteltemperatur in Deutschland seit 1881. Dies wirke sich besonders auf die Baumartenzusammensetzung im trockenen Unterfranken aus. "Bei uns hier haben die Nadelbaumarten, mit Ausnahme vielleicht der Douglasie und je nach Standort, mittelfristig kaum eine Überlebenschance", so seine Einschätzung. Bei den Laubbäumen zeige neuerdings die Buche bereits deutliche Trockenschäden.

Gestresste Bäume

Die durch Hitze und Trockenheit gestressten Bäume werden leicht von Schädlingen befallen. Bei der Fichte treten besonders Kupferstecher und Buchdrucker auf, und an der Lärche ist manchmal schon der Lärchenborkenkäfer zu finden. Flächendeckende Ausfälle in Waldbeständen ergeben sich durch das Eschentriebsterben, die Rußrindenkrankheit beim Bergahorn und, aufgrund von Kahlfraß durch Eichenprozessionsspinner und Schwammspinner, bei den Eichen.

Wichtig sei, so Harald Spiegel, die regelmäßige Überwachung der Nadelholzbestände, um Schäden frühzeitig zu erkennen. Waldbesitzer seien verpflichtet, im Sommer monatlich und im Winterhalbjahr mindestens einmal den Bestand zu kontrollieren. Bei Unterlassen könnten im Einzelfall Geldbußen bis zu 50 000 Euro verhängt werden, betonte Harald Spiegel.

Vom Borkenkäfer oder Kupferstecher befallene Bäume müssen so schnell wie möglich aus dem Wald entfernt werden, um gesunde Bäume zu schützen. Für die insektizidfreie Bekämpfung und Zwischenlagerung vom Borkenkäfer befallenen Holzes gibt es zehn Euro pro Festmeter Förderung, wenn mindestens 25 Festmeter anfallen. Das geschädigte und geschlagene Holz muss mindestens 500 Meter von anderen Nadelholzbeständen entfernt gelagert werden.

Von Neupflanzung und Baumartenwechsel

Intensive Waldpflege, nachhaltige Schädlingsbekämpfung und gemischte Naturverjüngung sah der Forstamtsrat als Möglichkeiten, Waldbestände hier zu erhalten. Bei Neupflanzung sollte gegebenenfalls ein Baumartenwechsel unter Berücksichtigung des veränderten Klimas, der Böden und der Genetik des Pflanzmaterials vorgenommen werden. Als Beispiele für Zukunftsbäume werden zurzeit die Atlas- und die Libanonzeder getestet. Waldflurbereinigung, Biotopbäume und Totholz können Bewirtschaftung und ökologische Ausrichtung von Waldstücken verbessern.

Harald Spiegel verwies in diesem Zusammenhang auf das Förderprogramm "Bayerisches Vertragsnaturschutzprogramm Wald". Und er rief die Waldbesitzer zu allergrößten Anstrengungen auf, um den Wald als eine wichtige Lebensgrundlage zu erhalten. "Aber auch die Gesellschaft muss ihren Beitrag dazu leisten", so der Förster.

Kahlfraß an einer Eiche durch Schwammspinner im Gemeindewald Stadtlauringen. Foto: Harald Spiegel

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