Niederwerrn

Hochwasser soll sich vom Acker machen: insRückhaltebecken

Schlammflut-Gefahr: Dort, wo die verlängerte Hainleinstraße auf die offenen Felder stößt, soll dichtgemacht werden.
Schlammflut-Gefahr: Dort, wo die verlängerte Hainleinstraße auf die offenen Felder stößt, soll dichtgemacht werden. Foto: Uwe Eichler

Ein Drohnenbild zeigt das ganze Problem: Etwa sechs Hektar Ackerfläche liegen östlich von Niederwerrn, auf Schweinfurter Gemarkung. Wie ein Abfluss stößt in der südöstlichen Ecke dieser Felder die Verlängerung der Hainleinstraße an: Beim Vatertags-Unwetter, im Mai 2018, strömte eine eiskaffeefarbige Schlammflut, gemischt mit Hagel, dem Gefälle entlang auf die Straße, die wiederum eine leichte Querneigung nach Süden hat: die Keller auf dieser Seite wurden überflutet. Die schnell verstopften Kanäle konnten das Wasser nicht mehr fassen.

Bilder zeigen das Ausmaß des Starkregens: "Etwa 450 bis 550 Liter pro Sekunde sind geflossen", schätzt der Kissinger Ingenieur Hans-Ulrich Hoßfeld, anhand von Videoaufzeichnungen. In der jüngsten Gemeinderatssitzung, die aufgrund von Umbauarbeiten im Rathaus wieder in der Schulmensa stattfand, ging es um Maßnahmen, die eine erneute Wiederholung verhindern sollen.

Das Kissinger Büro Hoßfeld & Fischer, das schon mit dem Hochwasserschutz an der Wern befasst war, hat das "Jahrhundertereignis" im Computerprogramm simuliert - dem schon zwei Wochen später ein ähnlich heftiger "Jahrhundertregen" gefolgt ist.

Mehrere Lösungsansätze

Der Fachmann hatte einige Lösungsansätze dabei. Am östlichen Eingang der langen Hainleinstraße sollen zwei "Erdbecken" (eher Rasenmulden von einem Meter Tiefe) eine künftige Überschwemmung abmildern. Das östliche Becken würde dabei auf Schweinfurter Grund liegen. Für den Fall, dass die Becken dennoch überlaufen, muss auch der Straßenverlauf angepasst werden. Dazu kommt ein Neubau von Kanal und Entwässerungsgraben, mit rund 400 000 Euro Gesamtkosten.

"Dafür können wir dem Landwirt den Acker auch abkaufen", schlug Thomas Wohlfahrt vor. "Landwirte trennen sich sehr ungern von landwirtschaftlichen Flächen", sagte Bürgermeisterin Bettina Bärmann. Die Gemeinde sei aber in der Pflicht, etwas zu tun, angesichts zunehmender Wetterextreme und Schäden von bis zu 100 000 Euro bei betroffenen Anwohnern.

Graben zur Wern

Josef Bock fragte nach der Möglichkeit einer Rigole, einen unterirdischen Pufferspeicher zur Versickerung. Diese Lösung wäre teuer und kompliziert, meinte Diplomingenieur Hoßfeld. Ebenso hätte man dann die Grundwasser-Problematik: "Ideal wäre ein Graben, der zur Wern führt." Gabriele Reuß dachte an ein Grabensystem im Grüngürtel am Ostring. Das Problem: Die Wern ist mehr als einen Kilometer entfernt, eine Entwässerung dorthin käme zumindest teuer.

Elisabeth Bieber fragte nach dem Stand der Verhandlungen mit der Stadt. Die gibt es noch nicht. Willi Gößmann erkundigte sich nach der Auswirkung von eingeschwemmten Hagel. Gerade dessen Anteil auf der Straße soll durch die Becken minimiert werden.

"Es wäre mir recht, das noch heuer angehen zu können", meinte Bärmann. Einstimmig beschlossen wurde, mit dem ersten "Niederwerrner" Becken zu beginnen und Grundstücksverhandlungen für das zweite Becken zu starten. Die Erdbauarbeiten für die Rückhaltebecken werden mit etwa 260 000 Euro veranschlagt.

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