SCHWEINFURT

Hundekotbeutel: Rot fällt mehr auf

Rot statt schwarz. Der Testlauf mit signalfarbenen Hundekotbeuteln läuft in der Grünanlage Albertistraße. Die Hoffnung ist, dass sie wegen der Auffälligkeit eher nicht wild entsorgt werden. Foto: Hannes Helferich

Ärger mit dem Hundekot und wild entsorgten Hundekotbeuteln gibt es immer und überall in der Stadt. Insbesondere dort, wo Spazierwege am Rande der Bebauung in das Höllental, nach Dittelbrunn oder zum Hainig führen. Aber auch mittendrin ist man dabei: Elf der schwarzen Beutel, gut gefüllt, entdeckte eine Schweinfurterin auf ihrem Garagendach. Kleingärtner etwa der Alten Warte finden regelmäßig illegal entsorgte Beutelchen in ihrem Idyll. In der Redaktion und natürlich bei der Stadt landen keine Hundebeutel, aber immer wieder Hinweise auf diese Unsitte, die die Parks und Wege zu einer einzigen Kottüten-Deponie machen.

Hundehaufen und achtlos weggeworfene Hundekotbeutel sind ein ärgerliches Dauerproblem

Das Rathaus reagiert nun mit einem Testlauf: An den Eingängen zur Grünanlage Albertistraße sind die Spenderbehälter mit roten Beuteln bestückt. „Die fallen in der Natur stärker auf als schwarze“, begründet Axel Meffert (Leiter Servicebetrieb Bau und Stadtgrün) den Farbwechsel. Ralf Brettin setzt aufs schlechte Gewissen der Hundehalter.

„Vielleicht bringt das den einen oder anderen künftig dazu, einen umwelt-, gesundheits- und sozialverträglichen Weg für die Entsorgung der Hinterlassenschaften der Vierbeiner einzuschlagen“, sagt der für die Parks zuständige Baureferent.

Test im Park in der Albertistraße dauert bis in den Herbst

Ein halbes Jahr soll der Test laufen. Im Spätherbst wollen Meffert/Brettin berichten, ob „die roten Tüten wegen der Signalfarbe weniger achtlos entsorgt werden“. Brettin hofft auf einen Erfolg, appelliert gleichzeitig an alle Hundehalter, die das noch nicht tun: Die Beutel in der eigenen Restmülltonne oder in öffentlich aufgestellten Abfallbehältern entsorgen. In Gemeinschaftskraftwerk, wo die legal entsorgten Beutel landen, „erzeugen diese noch wertvolle Energie und Fernwärme“.

Warum dennoch vergleichsweise viele Hundehalter diese kleinen Plastikbeutel, oben zugeknotet und in der Mitte ausgebeult, wegwerfen? Es gibt darauf keine Antwort. Der Reporter hat dieser Tage ein Frauchen beobachtet, wie sie den Haufen ihres Hündchens zwar in den Beutel stopfte, den aber dann achtlos in den Park warf. Auf den freundlichen Hinweis auf ihr eigentümliches Handeln reagierte die Frau unwirsch.

Einen Hundehaufen liegen zu lassen oder Kotbeutel in die Gegend zu werfen ist teuer

Im Mai 2015 hatte der Stadtrat beschlossen, dass insbesondere der Kommunale Ordnungsdienst Verursacher von Verunreinigungen im Stadtgebiet ansprechen und auf die Rechtslage hinweisen soll. Auch wurde festgelegt, dass nach einer Übergangsphase kostenpflichtige Bußgeldverfahren eingeleitet werden. Das hat man auch gemacht.

Im Rahmen der Aktion Saubere Stadt erfolgte außerdem eine Plakataktion, eine Warnung, wenn man so will: Plakate im Format DIN A 1 wurden in der Innenstadt aufgehängt, die mit „Einpacken und mitnehmen“ jedermann dazu aufforderten, Kleinmüll und eben auch Hundehaufen und Kotbeutel ordentlich zu entsorgen und nicht auf die Straßen, Wege oder in die Grün- und Parkanlagen zu werfen. Kleinformatig wurde in öffentlichen Gebäuden und in den Stadtbussen für die Saubere Stadt geworben. Weitere 1100 Plakate gingen an die Geschäfte der Innenstadt, für die Schaufenster.

50 Euro sind immerhin fällig für den, der das Geschäft seines Vierbeiners nicht entfernt. An den Beutelspender-Stationen werden jährlich 250 000 Stück benutzt. Dennoch gibt es nach wie vor diese ärgerlichen Tretminen und Wildentsorgung von Beuteln.

Bei zwei Verdauungsgängen pro Tag produzieren die in Schweinfurt „steuerlich gemeldeten“ rund 1300 Vierbeiner 2600 Haufen, wobei klar ist: viele Hundehalter nutzen die Beutel. Aber viele eben auch nicht, obwohl sie wissen, dass sie verpflichtet sind, die Hinterlassenschaften ihrer Begleiter aufzulesen.

Der Baureferent erinnert an die Umweltschäden und Gefährdung der Gesundheit. Brettin sagt, dass dieses Problem auf der Welt ist, solange es die Hundekotbeutelspender gibt. Sie seien aber als Hilfe für den Fall gedacht, dass Herrchen/Frauchen vor dem Gassi-Gehen nicht daran gedacht haben, einen Beutel mitzunehmen. Für viele verantwortungsbewusste Hundehalter sei die legale Entsorgung „keine Frage“, sagt Brettin.

Auf gar keinen Fall aber: verschlossene Kotbeutel in die Umwelt werfen, weil Beutel und Inhalt quasi „ewig überleben“. Der weiche Inhalt könne auch das Interesse von Kindern wecken. Wenn Beutel in der Wiese landen, werden sie beim Mähen nicht erkannt, aber vom Rasenmäher in tausend Stücke zerschreddert. „Davon können die Mitarbeiter des Servicebetriebs ein unerfreuliches Lied singen“, berichtet Brettin. All das nennt er umweltschädlich und gesundheitsgefährdend.

Andersherum: öffentliche Grünanlagen sind ein Ort der Erholung und Entspannung, sind zum Spielen gedacht und haben stadtökologischen Wert. Im Bereich der Albertistraße lagen bei zwei Testbesuchen der Redaktion alle roten Hundekotbeutel im Mülleimer. Das macht Hoffnung.

Wild entsorgte Kotbeutel landen an Zäunen, auch mal auf einem Garagendach. Foto: Fuchs-Mauder

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