Schweinfurt

Hundetraining für Briefträger: Im Zweifel nichts wie weg!

Hund und Postbote–keine gute Mischung. Bei einem Training lernten Zusteller, wie man sich bei einem Angriff verhält–und welches Hilfsmittel immer dabei sein muss.
Jährlich gibt es etwa 2000 Angriffe von Hunden auf Briefträger. Aus diesem Grund hat die Post in Schweinfurt ein Training für ihre Zusteller organisiert.
Jährlich gibt es etwa 2000 Angriffe von Hunden auf Briefträger. Aus diesem Grund hat die Post in Schweinfurt ein Training für ihre Zusteller organisiert. Foto: Aaron Niemeyer

Rund 2000 Angriffe von Hunden auf Briefträger gibt es laut Deutscher Post jährlich in Deutschland. Oft werden die Zusteller dabei so schwer verletzt, dass sie danach arbeitsunfähig sind. Um ihre Mitarbeiter vor Verletzungen zu schützen und Arbeitsausfällen vorzubeugen, hat die Post in Schweinfurt am Montag ein Training für ihre Postboten veranstaltet.

"Wir wollen unseren Mitarbeitern damit die Angst nehmen und sie besser auf schwierige Situationen vorbereiten", erklärt Alexander Böhm, Pressesprecher bei der Deutschen Post. Zwar würden die meisten Zustellungen glatt gehen. "Aber eines Tages ist dann der Punkt erreicht, wo doch mal etwas schief geht." So habe es in Schweinfurt dieses Jahr schon sieben Beißattacken gegeben. Dies liege nicht etwa daran, dass Hunde eine Abneigung speziell gegen Briefzusteller hätten. Die Tiere würden lediglich ihr Heim gegen die vermeintlichen Eindringlinge verteidigen und diese dabei teils schwer verletzen. "Man macht Späße, aber eigentlich ist es ein ernstes Thema!"

Im Zweifelsfall nichts wie weg!

Um ihre Postboten angemessen auf den Ernstfall vorzubereiten, hatte die Deutsche Post Johann Fruth, vereidigter Hundesachverständiger, und dessen achtjährigen belgischen Schäferhund Rock eingeladen. In einem zweistündigen Workshop erklärte Fruth den Postboten zunächst die theoretischen Grundlagen. Die Seminarteilnehmer lernen, das Auftreten von Hunden zu deuten und sich entsprechend zu verhalten. Legt der Hund die Ohren an und knurrt? Kein Herrchen weit und breit zu sehen? Dann nichts wie weg, die Post kann auch am nächsten Tag zugestellt werden. Außerdem sollte man sich nie ausschließlich auf die Aussagen der Besitzer verlassen. Ob ein Hund wirklich "nur spielen" wolle, könnten auch die nicht immer mit Sicherheit sagen.

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In einem nächsten Schritt setzen die Seminarteilnehmer das gelernte schließlich in die Tat um. Hier kommt Schäferhund Rock ins Spiel. Auf Befehl kläfft er die die Zusteller beim Vorbeigehen scheinbar aggressiv an und drängt sein Herrchen mit aufgerissenem Maul lautstark in die Ecke. "Die mutigen sterben jung", erklärt Hundetrainer Fruth. Die Zusteller sollten stets vorbereitet sein und sich etwa Gedanken darüber machen, wo sie sich im Falle eines Angriffs verstecken könnten. Hilfreich sei auch, Defensivmittel, wie etwa eine Tasche, zwischen sich und den Hund zu bringen.

Proaktives Handeln kann helfen

In einigen Fällen könnten unentschlossene Hunde jedoch auch mit proaktivem Auftreten eingeschüchtert werden. Ein lautstarkes "NEIN!" und ein entschlossener Schritt nach vorne könnten hier Wunder bewirken. Im schlimmsten Fall sei Pfefferspray eine effektive Verteidigungsmaßnahme – und der Besitz für Postboten sogar verpflichtend. Für die anwesenden Zusteller ist diese Information gänzlich neu. Für die Zukunft wollen sie nun sicherheitshalber eine Dose mitführen.

"Ich bin im letzten Jahr zweimal fast gebissen worden", sagt Zusteller Marcus Wenzel aus Schonungen (Landkreis Schweinfurt), der sich von der Fortbildung positiv überrascht zeigt. "Man ist oft am überlegen, wie verhalte ich mich jetzt richtig. Das hat mir schon ein bisschen Klarheit gebracht."

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