SCHWEINFURT

Im Kleinen Großes tun

Gegen den Durst, für mehr Konzentration: Pestalozzi-Schulleiterin Gisela Balandat (links) ist begeistert von der Aktion „Trinken im Unterricht“. Die Schüler sichtlich ebenfalls... Foto: Holger Laschka

Das ist unter Pädagogen durchaus umstritten: Trinken während des Unterrichts. Doch Gisela Balandat, Leiterin der Schweinfurter Pestalozzi-Förderschule, ist überzeugt: „Trinken fördert die Konzentration.“ Allerdings komme es freilich darauf, was die Schüler zu sich nähmen. Deshalb war ihr die zu Jahresbeginn angebotene Aktion des Vereins „Jugend mit Zukunft“ durchaus willkommen. Der stellte kistenweise Mineralwasser zur Verfügung, damit sich die Kinder im Laufe des Vormittags ungezwungen bedienen können.

Seitdem sind Cola, Fanta, Energy-Drinks oder süße Schorlen out in der Oberndorfer Förderschule. Und die Jugendlichen lernen nicht nur Mathe und Deutsch, sondern auch gesundes, wünschenswertes Trinkverhalten. Die Aktion des kleinen Vereins „Jugend mit Zukunft“ ist keine große, auffällige, die Schlagzeilen schreibt. Aber sie ist ein kleiner Schritt hin zu besseren Rahmenbedingungen für lernschwache Kinder und Jugendliche. Und genau das ist das Ziel des 2005 auf Initiative des damaligen ZF-Sachs-Ausbildungsleiters Hans-Dieter Göpfert und der heutigen Vorsitzenden Eva Dümmler gegründeten Vereins.

Die nur elf aktiven Mitglieder entstammen allesamt einem pädagogischen Berufsumfeld, Eva Dümmler etwa arbeitet als Ausbilderin an der Schweinfurter Adolph-Kolping-Berufsschule. Und obwohl sie nur wenige sind, bewegen sie viel. Eine der bislang größten Aktionen war dabei der Mittagstisch für Jugendliche an der Kolpingschule, bei dem man ein ganzes Schuljahr lang einmal wöchentlich mit den Kindern saisonale Gerichte kochte und gemeinsam verspeiste. „So wurde das Arbeits- und Sozialverhalten trainiert“, schildert Eva Dümmler die Intention. Finanziert wurde die aufwendige Maßnahme durch eine 5000-Euro-Spende der renommierten Aktion Sternstunden. Wie überhaupt Spenden die Basis für die Vereinsarbeit sind.

„Wir erhalten immer wieder Gelder von Privatleuten“, sagt Eva Dümmler, „und Unterstützung aus der Großindustrie.“ Das Finanzielle sei dabei stets nur Mittel zum Zweck, denn primäres Vereinsziel sei die Vorbereitung von Jugendlichen aus der Förderschule aufs Berufsleben. Mit ihnen gemeinsam betreute man etwa beim Würzburger i-Welt-Marathon schon sechsmal einen Servicestand, reichte den Läufern Getränke und Energieriegel. „Dabei ist es gar nicht so einfach, Förderschüler an einem Samstag zum Aufstehen und Mitmachen zu animieren“, so Eva Dümmler.

Stolz ist sie außerdem auf die Unterstützung ihres Vereins bei therapeutischen oder pädagogischen Anschaffungen in ganz Schweinfurt: Sportgeräte zur Schulung der Psychomotorik spendierte man den Freien Turnern, einen Krippenkinderwagen für sechs kleine Ausflügler dem Kindergarten der Arbeiter-Wohlfahrt, Druck- und Bastelpapier den Pestalozzi-Schülern. Und dann gibt es da noch das Erfolgsprojekt „Let's start“, in dessen Rahmen Neuntklässler der Pestalozzi-Schule einmal wöchentlich Schnuppertage in Handwerk, Industrie und Gastronomie absolvieren – ein ganzes Schuljahr lang. „Dieser Kontakt in die Arbeitswelt und insbesondere zu den hiesigen Großbetrieben ist wichtig für die Förderschüler und ihre Entwicklung“, weiß Eva Dümmler.

„Jugend mit Zukunft“ – das ist ein kleines, privates Projekt; eines, das mit viel Engagement, ja Herzblut vorangetrieben wird. Und eines, das im Kleinen Großes bewirkt.

Spielend lernen: Großbausteine, wie sie durch den Verein Jugend mit Zukunft an die Freien Turner übergeben wurden, schulen die Psychomotorik der Kinder und Jugendlichen. Foto: Dellermann-Wörner

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