Schweinfurt

Im Schweinfurter Land wachsen 109 Kirchengemeinden zusammen

Als pilgerndes Gottesvolk muss sich die katholische Kirche ständig erneuern – auch, weil es immer weniger Priester gibt. Jetzt steht ein Konzept für den Landkreis.
Das Ende der Kirchturmpolitik begann in der katholischen Kirche im Landkreis mit den Pfarreiengemeinschaften und wird mit den pastoralen Räumen ein Ende finden.
Das Ende der Kirchturmpolitik begann in der katholischen Kirche im Landkreis mit den Pfarreiengemeinschaften und wird mit den pastoralen Räumen ein Ende finden. Foto: Anand Anders

Das Bistum Würzburg sucht nach neuen Wegen für das Gemeindeleben und die Seelsorge. Dafür gibt es viele Anlässe – darunter den wachsenden Priestermangel. Da kirchliches Leben Nähe braucht, hilft kein Patentrezept. Neue Strukturen müssen sich abgestimmt auf die jeweilige Situation entwickeln. Im Landkreis Schweinfurt wird dies in fünf pastoralen Räumen geschehen: im Mainbogen, im Oberland, in Schweinfurt Nord-West (zwischen Burghausen und Pfändhausen), im Raum Werneck und rund um Gerolzhofen.   

Bischof Jung entscheidet

Lange gab es drei Schweinfurter Dekanate: Stadt, Nord und Süd. Die Schweinfurter Katholiken haben sich mit der Stadtkirche bereits eine neue Struktur gegeben. Nord und Süd haben unter Beteiligung der Gemeinden und vor allem mit den Haupt- und Ehrenamtlichen und deren Zustimmung ebenfalls ein Konzept erarbeitet, das zur Begutachtung dem Bischof vorliegt. Darüber entscheiden wird Franz Jung im Herbst.

Im Gespräch mit der Redaktion zeigen sich die Dekane Gregor Mühleck (Nord) und Werner Kirchner (Süd) zuversichtlich, dass die Gemeinden über den eigenen Kirchturm hinaus blicken werden, was so neu nicht sei, sondern seit Gründung der Pfarreiengemeinschaften praktiziert werde. Die künftig noch größeren Kooperationen sollen nicht in willkürlich (etwa nach Mitgliederzahl oder Fläche) festgelegten Gebieten, sondern unter Berücksichtigung vorhandener Strukturen zusammenfinden. Berücksichtigt wurden beispielsweise die Gebiete der Altlandkreise oder politische Zusammenschlüsse wie etwa der der Mainbogengemeinden.

Schritt für Schritt

Kirchner und Mühleck gehen davon aus, dass das Bistum weiterhin als Beobachter auftritt, den Kurs den Akteuren vor Ort überlässt und diese unterstützt. Eine erste Bilanz auf dem Weg in die neuen pastoralen Räume soll es nach fünf Jahren des Zusammenwachsens geben. Dann werde nicht mehr jede Gemeinde alles bieten, aber mit den zu erwartenden Synergieeffekten seien die Angebote dann "Schritt für Schritt" auf eine breitere Basis gestellt.   

Bestärkt sehen sich die Dekane durch die Entwicklung in den Pfarreiengemeinschaften. Mit dieser Reform hätten sich allenthalben neue Kontakte in einem geweiteten Aktionskreis ergeben. Die Vernetzung habe sich von selbst eingestellt. "Mutig" seien die Chancen des offenen Wandels ergriffen worden.

Personell gilt die katholische Kirche im Landkreis als gut aufgestellt, was auch auf das Engagement der Ruheständler zurückzuführen ist. Ohne die Einsätze der 65- bis 70-jährigen Seelsorger würde sich die Situation schon heute weit schlechter darstellen. Einen Personalschlüssel für die künftigen pastoralen Räume gibt es noch und wohl auch längere Zeit nicht. Man will die Entwicklungen abwarten und wird auch den Aufwand (wie etwa durch eigene Kindergärten und die Seelsorge in Altenheimen) berücksichtigen.

70 036 Katholiken

Aktuell nennt die Statistik für den Landkreis Schweinfurt (gesamt: 115 238 Einwohner) 70 036 Katholiken, davon 33 833 in Dekanat Nord und 36 203 im Dekanat Süd. Zu dem künftigen pastoralen Raum Nord-West zählen die Pfarreiengemeinschaften Maria Hilf (Wasserlosen), St. Martin im oberen Werntal, Niederwerrn/Oberwerrn sowie die Pfarreiengemeinschaft Marienbachtal. Dem Oberland zugeordnet sind die Pfarreiengemeinschaften Schweinfurter Rhön, Liborius Wagner (Stadtlauringen), Maria vom Kolben und St. Sebastian am Main.

Im Mainbogen sollen die Pfareienengemeinschaften St. Christophorus im Mainbogen, Zu den Frankenaposteln im Maintal und Heidenfeld-Hirschfeld-Röthlein aufgehen. St. Franziskus am Steigerwald, die Kirche am Zabelstein, Marienhain und St. Raphael sind Gerolzhofen zugeordnet. Im Bereich Werneck werden die Pfarreiengemeinschaften Luisenhöhe, Maria im Werntal und Hl. Sebastian zusammengeführt.

Nicht im Gleichschritt

Die pastoralen Räume würden zwar Schritt für Schritt, aber keinesfalls im Gleichschritt zusammenwachsen, sagen die Dekane Gregor Mühleck und Werner Kirchner. So biete sich etwa im Altlandkreis Gerolzhofen eine Zentralisierung in der Stadt Gerolzhofen an, welche sich etwa für die Bereiche Nord-West oder Oberland eher ausschließe, wo Wasserlosen mit Geldersheim und Stadtlauringen mit Schonungen kooperieren sollen, aber kein Zentrum zu bilden sei.

Eine Schließung von Gotteshäusern ist im Zusammenhang mit der Schaffung der pastoralen Räume nicht vorgesehen, sagen die beiden Dekane: "Wir haben lauter gute Kirchen. Über diese entscheiden die Gemeinden."

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