KREIS SCHWEINFURT

Im atomaren Notfall wird die Rhön Zuflucht

Kühltürme im Hinterhof: Garstadt liegt dem Kernkraftwerk in Grafenrheinfeld am nächsten. Im Ernstfall und der Notwendigk... Foto: Elmar Hochholzer

Keiner hofft, dass es geschieht, aber natürlich gibt es Planungen für den Ernstfall, für den Fall nämlich, dass im Kernkraftwerk Grafenrheinfeld ein so großer Störfall eintreten würde, dass es zum Austreten radioaktiver Strahlung käme. Die Betreiber von Kernkraftwerken sind durch das Strahlenschutzvorsorgegesetz verpflichtet, die Bevölkerung, die bei einem Ernstfall von radioaktiver Strahlung betroffen sein könnte, über die Sicherungsmaßnahmen und das richtige Verhalten zu informieren. Das erklärt Regierungspräsident Paul Beinhofer in einer von Kraftwerksbetreiber E.ON herausgegebenen Broschüre, die alle Haushalte in einem Fünf-Kilometer-Umkreis um den Atommeiler vor etwa drei Jahren erhalten haben.

Unter anderem ist dort genau aufgelistet, wer im Fall der Fälle wohin evakuiert würde. Hauptsächlich die Landkreise Bad Kissingen, Rhön-Grabfeld und Haßberge, die außerhalb der 25-Kilometer-Zone liegen, müssen dann evakuierte Menschen aufnehmen. Fest stehen die Orte, in die die Einwohner aus der so genannten Mittelzone (bis zehn Kilometer Radius um das Kernkraftwerk) weggebracht werden, berichtet Thorsten Wozniak, Pressesprecher des Landratsamtes Schweinfurt.

Wer nicht mit dem eigenen Auto wegfahren kann, für den sind Sammelstellen benannt, von wo aus es dann mit Bussen weitergeht. Wozniak sagt, dass es bei einem Freiwerden von Radioaktivität auch auf die Windrichtung ankomme, welche Ortschaften betroffen sind. Es werden dabei nicht gleich alle Orte in der Zehn-Kilometer-Zone um das Kraftwerk evakuiert. Dafür ist die Zone noch einmal in Sektoren unterteilt.

Wenn der Wind etwa aus dem Osten weht, werden zunächst die Ortschaften westlich des Kraftwerkes evakuiert. Die Wernecker, die davon beispielsweise betroffen wären, kämen dann nicht einfach ein paar Kilometer weiter gen Westen nach Karlstadt, sondern ins nördlich gelegene Bad Kissingen. Eine besondere logistische Aufgabe ist die Evakuierung der 53 000-Einwohner-Stadt Schweinfurt. Sie werden stadtteilweise auf verschiedene Gemeinden von Würzburg, Aschaffenburg bis Coburg verteilt.

Für die aufnehmenden Landkreise geht es darum, Unterkünfte bereitzustellen. Das können nach Angaben von Gerald Söder – im Landratsamt Rhön-Grabfeld für den Katastrophenschutz zuständig – Turnhallen sein, aber auch Pensionen oder Privatunterkünfte. Und es wird darum gehen, die Evakuierten zu verpflegen.

Bei Katastrophenschutzübungen in den Landkreisen gehöre auch das Durchspielen von Evakuierungen zum Szenario berichten Wozniak und sein Pressesprecherkollege aus den Haßbergen, Martin Schulze-Röbbecke. Allerdings: Pläne sind eines, Realitäten eine andere Sache. Und zu den Realitäten gehört auch, wie sich in Japan zeigte, dass neben der Intensität des Freiwerdens gefährlichen Materials auch deren Art und die Wetterlage, insbesondere auch die Windrichtung, von enormer Bedeutung sind.

„Für die 25-Kilometer-Zone gibt es keine speziellen Evakuierungspläne“, sagt der Schweinfurter Sprecher Wozniak. Wenn der Störfall so stark sei, dass der Umkreis von 25 Kilometern betroffen wäre, könne man keine Linie mehr ziehen. In einem solchen Fall würde „nach Bedarf“ evakuiert – bis zu einem Umkreis von 100 Kilometern.

Hier kann man die komplette Broschüre mit den Hinweisen zum Evakuierungsfall downloaden:

http://www.regierung.unterfranken.bayern.de/imperia/md/content/regufr/verwaltungundrecht/sg10/brosch_kkg_b_16_06_08.pdf

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