EUERBACH

Im reichsten Land der Erde

10 000 Kilometer – für zwei Stunden sind sie zusammengeschrumpft auf vier Meter. Also auf die Distanz, die im katholischen Pfarrheim Euerbach zwischen der Philippinin Lory Obal und ihren Zuhörern war, als die Menschenrechtlerin aus ihrem Land berichtete. Sie sprach über Verletzung der Menschenrechte und die Vertreibung ihrer Mitbewohner aus ihrer Heimat in trostlose Wohncontainer. Sie erzählte von einer Firma aus der Schweiz, die die Bodenschätze der Philippinen ausräubern will und „verbrannte Erde“ hinterlässt – und über Mord an Menschen, die sich gegen diese Dinge wehren.

Das Land ist – an Bodenschätzen – eines der reichsten Länder der Welt. Gold, Kupfer, Nickel, Chrom, Kohle, Kalkstein, Eisenerz, Silber, Uran, die Liste ließe sich noch lange fortsetzen. Die Bevölkerung profitiert kaum davon, sondern sieht sich einer Regierung ausgesetzt, die den Raubbau an Rohstoffen gar unterstützt, berichtet Lory. Besonders zimperlich geht sie mit der eigenen Bevölkerung nicht um, daher gibt es die Menschenrechtsorganisation ICON (Inter-Cultural Organisations' Network for Solidarity & Peace), ein interkulturelles Netzwerk für Solidarität und Frieden. Lory ist deren Generalsekretärin, „zur Organisation gehören Christen, Moslems und die indigene Bevölkerung“, zählt sie auf.

Gerade Menschenrechte werden auf den Philippinen oft mit den Füßen getreten. Wer sich gegen die Pläne der schweizerischen Firma „Xstrata-Sagittarius Mines Inc.“ stellt, muss um sein Leben fürchten. Ganze Familien werden umgebracht, weil sich einer von ihnen für ihre Mitmenschen einsetzt. Die Spur zu den Killern und/oder Auftraggebern der Morde verläuft im Sand. Das philippinische Strafrecht sieht vor, dass es nur zum Prozess kommt, wenn es für das Verbrechen Zeugen gibt. „Die gibt es nicht, weil fast immer die ganze Familie umgebracht wird“, sagt Lory.

Hilfe gibt es vielleicht von einigen Pfarrern, aber die Regierung hält sich zurück, und oft genug sind die Bürgermeister der verschiedenen Orte korrupt. Irgendjemand spendiert ein Luxus-Auto, „dann haben die Bürgermeister nur noch wenig Interesse, sich für ihre Bürger einzusetzen“, beklagt Lory. Firmen genießen zehn Jahre lang Steuerfreiheit auf ihre Gewinne, klagen sie über „keine“ Gewinne, werden daraus 15 Jahre.

Dann zeigt sie ein Bild der Philippinin Juvy Capion, deren Mann Dagui sich für die Menschenrechte starkgemacht hatte. Juvy und deren zwei Kinder wurden am 18. Oktober 2012 bestialisch umgebracht. Unter den gut 20 Zuhörern wird Ingrid Biehl blass. Sie kennt diese Frau, hat sie bei einer Reise der katholischen „Missio“ kennengelernt. Mit dabei war auch Rita Sauer aus Bergtheim und Pastoralassistentin Sabrina Schultes. „Das muss ein furchtbares Massaker gewesen sein“, sagt Biehl.

Die Reise selbst verlief ohne Zwischenfälle. Lory Obal sucht nur Gegenden aus, die sicher sind für Touristen. Immer wieder war die Reise verschoben worden, sogar um einen Monat, „und dann ging es plötzlich ganz schnell, welcher Arbeitgeber macht so etwas mit, wenn der Mitarbeiter dauernd seinen Urlaub verlegen muss“. Beide und die Pastoralassistentin Schultes, die die Reise begleitet hatte, schwärmten von der „unheimlichen Gastfreundschaft“, die sie trotz der Widrigkeiten erfahren hatten. Teilweise war die Natur in Ordnung, aber dort, wo Bodenschätze geborgen werden, sei es katastrophal. Auf die Philippinen wollen sie auf jeden Fall noch einmal, mit „Missio“.

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