HANDTHAL

Immer mehr Holz am Bau

Einen Dachstuhl bauen: Das Steigerwaldzentrum verwandelte sich in eine riesige Treppenbauer-, Schreiner- und Zimmererwerkstatt, als 500 Schüler aus der Region an drei Tagen in die Welt dieser Berufe schnupperten. Im Hintergrund die Chefs der sieben beteiligten Betriebe. Foto: Norbert Finster

„Was, wir müssen schon gehen. Schade.“ Eine Schülerin hat gar nicht gemerkt, dass die eineinhalb Stunden schon vorbei sind. So lange war sie mit ihren Klassenkameraden und vielen anderen Schülern im Steigerwaldzentrum bei Handthal. Das ganze Haus hat sich für drei Tage in eine riesige Schreiner-, Zimmerer- und Treppenbauerwerkstatt verwandelt. Am Ende werden über 500 Schüler aller Schultypen da gewesen sein, um die Welt der Holz verarbeitenden Berufe Schreiner, Zimmerer und Treppenbauer zu erkunden.

Überall wird gehobelt, geschraubt, gesägt und gebohrt. Es riecht nach frischem Holz. An einer Stelle zanken Schüler um einen Akkuschrauber. Jeder will seinen handwerklichen Beitrag zum Aufrichten eines kleinen Dachstuhls leisten.

Sieben Betriebe aus der Region, sonst zum Teil Konkurrenten, haben sich zusammengetan, um bei Schülern der 6. bis 10. Klassen aller Schultypen mit der Veranstaltung „Holz + Handwerk + Steigerwald“ gemeinsam um Berufsnachwuchs zu werben. „Im Moment geht es gerade noch, doch wir müssen was tun“, begründet Hermann-Josef Krebs vom Zimmerei- und Holzbaubetrieb aus Ebrach die Initiative, die von ihm ausging.

Als das Steigerwaldzentrum im Herbst des vergangenen Jahrs eingeweiht wurde, kam ihm der Gedanke, dass diese Räume ideal wären für die Präsentation der Berufsfelder rund ums Holz. Das vor allem, weil das Zentrum zum Großteil in Holz gebaut ist. Und weil es einen pädagogischen Auftrag hat.

Dass der Nachwuchs langsam rar wird, liegt nicht an einer vermeintlichen Unattraktivität der Holzberufe, sagt Krebs. Ganz im Gegenteil: Eine Treppe, ein Möbelstück oder einen Dachstuhl zu bauen, erfordert sehr viel Kreativität. Und auch mit der Entlohnung sieht es nicht schlecht aus. Ein Zimmerer-Azubi trägt im schon zweiten Lehrjahr 1060 Euro nach Hause, im dritten gar 1366 Euro.

Den Grund, warum sich Ausbildungsbetriebe nach der Decke strecken müssen, sieht Krebs in den zahlenmäßig immer schwächer werdenden Jahrgängen. Und auf der anderen Seite wird der Anteil von Holz am Bau immer größer.

Schulen schicken ganze Klassen

Sowohl die Kollegen aus den sechs anderen Ausbildungsbetrieben als auch die Schulen waren schnell bei der Sache. Manche Schulen schickten ganze Klassen mit dem Bus nach Handthal, andere wie die Gymnasien Münsterschwarzach, Gaibach und Gerolzhofen stellten ihre Schüler vom Unterricht frei, wenn sie zu der Veranstaltung wollten. Wichtig ist für die Handwerker, dass die Schüler aus eigenem Interesse und freiwillig kommen und nicht nach Handthal geschoben werden.

„Holz ist ein emotionaler Baustoff“, sagt Hermann-Josef Krebs. Wer die Schüler beobachtet, kann das bestätigen. Die Späne fliegen nur so. In Gruppen setzen Schüler Möbelstücke, Dachstuhl- oder Treppenkonstruktionen unter Anleitung und Aufsicht von Mitarbeitern der Firmen zusammen. Die Zimmerer sind dabei in ihrer traditionellen Kluft gekommen.

Schreinermeister Riza Seven schaut interessiert zu. Mit Kennerblick hat er bereits einige handwerkliche Talente ausgemacht. Jetzt sind die Handwerksmeister mit ihren Ausbildungsbetrieben gespannt auf die Resonanz. Vielleicht kann durch die Aktion doch die eine oder andere Lehrstelle besetzt werden. Ein Schüler hat schon bei einem Betrieb nach einer Lehrstelle gefragt, als er in der Schule von den Schnuppertagen in Handthal hörte.

Gerade verlassen Schüler klassenweise das Haus. Am Eingang steht schon die nächste Welle. Hermann-Josef Krebs kann sich vorstellen, dass sich diese Aktion im nächsten Jahr wiederholt. „Wir müssen mehr an die Öffentlichkeit. Auch wir stehen im Wettbewerb um die besten Kräfte.“

Teilnehmende Betriebe sind: PMP-Holzbau (Donnersdorf), Schreinermeister Riza Seven (Burgwindheim), Zimmerei Stöcklein (Birkach), Schreinerei Norbert Leicht (Ebrach), Zimmerei und Holzbau Krebs (Ebrach), Holztreppenbau Weissenseel (Volkach) und Schreinerei Matthias Kirchner (Zeil).

Am Samstag, 7. Mai, ist das Steigerwaldzentrum von 8 bis 15 Uhr nochmals für alle Schüler geöffnet, die sich für einen Beruf rund ums Holz interessieren.

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