Schweinfurt

In Schweinfurt ist die Welt des Wohnens noch in Ordnung

Der Haus- und Grundbesitzerverein fordert weniger Bürokratie und steuerliche Entlastung als Mittel gegen drohende Wohnungsknappheit, aber keinen sozialen Wohnungsbau. 
Leer stehende Wohnungen gibt es überall, nicht nur in der Innenstadt. Der Haus- und Grundbesitzerverein sieht darin ein großes Potenzial für den Wohnungsmarkt.  Foto: Gerd Landgraf

Weil man Äpfel mit Birnen vergleiche und die Unterschiede zwischen Ballungszentren wie Stuttgart und München zu der Stadt Schweinfurt und deren Umland nicht sehen würde, kritisiert der Haus- und Grundbesitzerverein Schweinfurt und Umgebung e.V. die Initiative "Bezahlbar Wohnen in Schweinfurt". 

Im Pressegespräch sahen Vorsitzender Bernd Blatt und Gabriele Jakob (Fachanwältin für Miet- und Wohneigentumsrecht) in dem von der Initiative gefordertem Engagement der Stadt im sozialen Wohnungsbau keine Notwendigkeit, wenn nicht gar einen Irrweg. Schweinfurt habe mit der "großen Errungenschaft" eines städtischen Mietspiegels (erstellt durch die Stadtverwaltung, den Mieterverein und den Haus- und Grundbesitzerverein) seit 1998 ein gut funktionierendes Instrument für den frei finanzierten Wohnungsmarkt.

Moderate Mieten in der Stadt und Kreis

Das Ergebnis seien moderate Mieten in der Stadt. Ähnliches sei für den Landkreis festzustellen, also rund um den Geltungsbereich des Mietspiegels. Eine Selbstverständlichkeit sei der alle zwei Jahre zu aktualisierende Mietspiegel nicht. In Würzburg hat man sich auf einen solchen bis heute nicht einigen können.

Für den sozialen Wohnungsbau gilt der Mietspiegel nicht. Dort schreibt der Gesetzgeber die Kostenmiete vor, die im Fall von Schweinfurt aber etwa in gleicher Höhe liege. So gilt auch für das größte Schweinfurter Wohnungsunternehmen, die Stadt- und Wohnbau GmbH (SWG), die Vorgabe, sich bei den freifinanzierten Wohnungen am unteren Ende des Mietenspiegels zu orientieren. Dass die SWG zumindest teilweise in dem freifinanzierten Gebäuden günstiger als im sozialen Wohnungsbau vermietet, halten Jakob und Blatt für einen Beleg, dass die Welt des Wohnens in Schweinfurt noch stimmig sei. 

Blatt: "Im Bestand sind die Mieten stabil, da geht nichts durch die Decke." Bei Neuvermietungen in Neubauten würden indes andere Regeln gelten. Dazu macht der Vorsitzende anhand eines Beispiels in der Luitpoldstraße folgende Rechnung auf. Bei Erstellungskosten von 4000 Euro pro Quadratmeter und diversen Nebenkosten sei selbst bei kleinster Rendite ein Mietzins klar über zehn Euro erreicht.  

Den Mietern empfehlen Jakok und Blatt, nicht nur auf die Brutto-, sondern auch auf die Nettomiete zu schauen. Dabei zeige sich schnell, dass beispielsweise die Energiekosten zu den Preistreibern zählen würden, weshalb der Haus- und Grundbesitzerverein hier eine Reduzierung der Mehrwertsteuer von jetzt 19 auf sieben Prozent fordere. Als weiterer Preistreiber ist die Politik ausgemacht, die mit immer neuen Vorschriften die sowieso schon steigenden Baukosten in die Höhe treibe – etwa mit dem neuen und 175 Seiten starkem Energiegesetz. 

Weil Mieter nicht zahlen stehen Wohnungen leer

Haus und Grund Schweinfurt hat 2300 Mitglieder, die zum allergrößten Teil private Vermieter aus der Stadt Schweinfurt sowie den angrenzenden Landkreisen sind. Aus der täglichen Beratungsarbeit berichten Jakob und Blatt, dass Vermieter aufgrund ausstehender Mietzahlungen und durch Räumungskosten vielfach schlechte Erfahrungen gemacht hätten, weshalb leerstehende Wohnungen dem Markt nicht zur Verfügung stünden. Besonders für Ältere sei der Verzicht auf den Mietzins die attraktive Alternative zum Ärger mit einem Mieter.  

Erst bei beim Wechsel des Eigentümers kämen solche Wohnungen wieder auf den Markt – oft durch die Erben mit viel Zeit und Geld neu hergerichtet. Gesucht seien aber auch dann wieder verlässliche Mieter und Einnahmen. Haus und Grund regt bei diesem Punkt eine Zahlung des Wohngelds nicht weiter an den Mieter, sondern direkt an den Vermieter an. Denn dann hätten die Bezieher sozialer Hilfen auf dem freien Wohnungsmarkt wieder bessere Chancen. Gefordert ist zudem eine praktikablere Handhabung bei Mietanpassungen, denn Vergleichsmieten seien wegen das Datenschutzes immer schwerer aufzuspüren und das Erstellen eines 2000 bis 3000 Euro teuren Gutachtens im Verhältnis zu den Mieterhöhungen durch Kleinvermieter unverhältnismäßig.   

Nach den Angaben des statistischen Bundesamtes sind die Mieten zwischen 2015 und 2018 bei den privaten Kleinvermietern (sie stellen 66 Prozent der Mietwohnungen in Deutschland) unterdurchschnittlich und nur um vier Prozent gestiegen. Blatt und Jakob führen diese Entwicklung auf den Wunsch nach einem guten Verhältnis vom Vermieter zum Mieter zurück, wobei das Geld zwar eine wichtige Rolle, aber nicht die erste Geige spiele.

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