GEROLZHOFEN

In der Werbung hat sich das Frauenbild nicht gewandelt

„Frauen sind mehr als nur hübsches Beiwerk“: Darüber sprach Professorin Dr. Susanne Kinnebrock bei ihrem Vortrag anlässlich des Weltfrauentags am Donnerstag in der Stadtbibliothek. Im Bild von links: Georgine Bachmann, Leiterin der Volkshochschule Gerolzhofen, Ingrid Feil, Gleichstellungsbeauftragte in Gerolzhofen, Ute Suckfüll, Gleichstellungsbeauftragte Schweinfurt, Susanne Kinnebrock, Brigitte Vogt, Leiterin der Stadtbibliothek, Christine Bender, stellvertretende Landrätin und Thorsten Wozniak, Bürgermeister Gerolzhofen. Foto: Lena Müller

„Eine Frau hat zwei Lebensfragen: Was soll ich anziehen und was soll ich kochen.“ So definierte Werbung aus den 50er Jahren das Bild der Frau. Was damals stumm hingenommen wurde, lassen sich die meisten Frauen heute nicht mehr gefallen. Das Bild der Frau hat sich in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt.

Dennoch gibt es immer noch viele Felder auf denen Frauen für ihre Gleichberechtigung kämpfen müssen. Das wurde am Donnerstag bei einem Vortragsabend zum Thema „Nur Models oder Machos?“ in der Stadtbibliothek deutlich.

Anlässlich des Weltfrauentags referierte Dr. Susanne Kinnebrock, Professorin für Kommunikationswissenschaft an der Uni Augsburg, in der Bibliothek über die Darstellung von Frauen in den Medien. Dabei ging es um die Frage, ob sich die Rollenbilder von Frauen gewandelt haben, oder ob in den Medien immer noch bestimme Klischees bedient werden.

Vor dem Vortrag machte Christine Bender, stellvertretende Landrätin, noch einmal deutlich, dass die Gleichberechtigung der Frau lange Zeit keine Selbstverständlichkeit war. Erst 1918 erhielten Frauen das Wahlrecht und erst seit 1977 dürfen Frauen ohne das Einverständnis ihres Mannes erwerbstätig sein. In den vergangenen Jahren habe sich zwar einiges getan, trotzdem sei eine komplette Chancengleichheit von Männern und Frauen noch nicht gegeben.

Und auch in der Werbung spielen Frauen meist eine untergeordnete Rolle. „Frauen kommen in den Medien einfach nicht vor, oder werden auf bestimmte Rollenbilder reduziert“, erklärt Kinnebrock. Zudem habe in den letzten Jahren die sexualisierte Inszenierung von Frauen in der Werbung stark zugenommen. Laut Kinnebrock wird es zudem „dann erst spannend, wenn Mann und Frau in der Werbung zusammentreffen“.

Mit vielen subtilen Mitteln schaffe es die Werbeindustrie auch hier immer wieder, Frauen auf Bildern schwach und untergeordnet wirken zu lassen, erklärt Kinnebrock, während Männer als dominant dargestellt werden. Vor allem „Werbebilder sind nach wie vor sehr stilisiert“. Und auch in den Medien wäre man „weit entfernt von Gleichberechtigung von Frauen und Männern.“ Hier werden Frauen, insbesondere als Handlungsträgerinnen, aus der Berichterstattung meist weitläufig ausgeklammert. Bürgermeister Thorsten Wozniak, der an diesem gut frequentierten Abend der einzige männliche Gast war, beschäftigt sich schon seit Jahren mit dem Thema Gleichberechtigung.

Der Vortrag war für ihn „sehr spannend“ und viele der Themen, die von Kinnebrock angesprochen wurden, könnten auf viele Bereiche der Gesellschaft übertragen werden, denn es müsse noch viel für die Gleichberechtigung der Frau getan werden.

Das sehen auch Ute Suckfüll, Gleichstellungs- und Familienbeauftragte der Stadt Schweinfurt, und Ingrid Feil, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Gerolzhofen, so. Laut Feil sei die komplette Gleichstellung von Mann und Frau noch ein „langer Kampf mit vielen Baustellen“.

Um bestimmte Typisierungen und Klischees endlich aufheben zu können, wünscht sich Suckfüll noch mehr Initiative von Frauen, sie sollen „mehr fordern“ und nicht darauf warten, dass etwas passiert.

Und auch Susanne Kinnebrock betont, dass Frauen ihre Probleme immer wieder thematisieren sollten. Nur so könnten sie langfristig „ganz viel erreichen“.

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