SCHWEINFURT

Integration – wie weit sind wir?

Integration. Neben den Debatten standen auch spielerische Auseinandersetzungen mit dem Thema an.
Integration. Neben den Debatten standen auch spielerische Auseinandersetzungen mit dem Thema an. Foto: Götz

Der Internationale Abend der Walther-Rathenau-Schulen in der Rathausdiele verlief lange Zeit in allgemeinem Konsens: Die Integration in Schweinfurt laufe sehr positiv, so der Tenor. Das lag auch an den anwesenden Gästen: Die Schüler des P-Seminars „Wirtschaft und Recht“ hatten zahlreiche Vertreter aus dem Bereich Integration eingeladen, etwa die Vorsitzende des Integrationsbeirats, Ayfer Fuchs, den Integrationsbeauftragten Harald Mantel, Sorya Lippert vom Interkulturellen Begegnungszentrum für Frauen. Außerdem anwesend waren Pfarrer Martin Schewe und Dekan Gregor Mühleck als Vertreter der Kirchen und Vertreter verschiedener Organisationen wie des Stadtjugendrings oder der internationalen Jugendgruppe Team Spirit.

Die Basis des Abends bildete eine Umfrage zum Stand der Integration in Schweinfurt, die die Seminarteilnehmer unter 1000 Schülern durchgeführt hatten. Hier gaben 81 Prozent der ausländischen Befragten an, sie fühlten sich in Schule und Stadt gut integriert, 16 Prozent antworteten mit „teilweise“ und drei Prozent fühlten sich schlecht integriert. Das sei ein sehr gutes Ergebnis, so die Schüler. In der Umfrage hatten sie zudem Herkunftsländer und Religionszugehörigkeiten abgefragt und die Schüler nach ihrer Vereinszugehörigkeit befragt. Beim Engagement in Vereinen gab es ebenfalls kaum Unterschiede zwischen Migranten und Nicht-Migranten.

Entsprechend lobten die Teilnehmer im ersten Teil der Diskussion vor allem die Integrationsarbeit der Stadt. Dass sich eine Debatte entwickelte, lag vor allem an Sorya Lippert, selbst Deutschlehrerin am Walther-Rathenau-Gymnasium, die mit ihren Aussagen, wie sie es ausdrückte, ein wenig „Salz in die Wunde“ streute. „An den Grundschulen haben wir teilweise einen Ausländeranteil von 50 Prozent, aber an unserer Schule sind von 1000 Schülern nur 90 Muslime. Da muss man doch fragen: Woran liegt es, dass die den Weg nicht schaffen?“ In ihrem Unterricht stelle sie immer wieder Gruppenbildung fest. „Sie sagen zwar, sie fühlen sich integriert, aber wissen Sie, inwiefern sich die Kinder gegenseitig zum Geburtstag einladen?“

Diese Probleme seien nicht migrantenspezifisch, sondern schichtspezifisch, wandte Schulleiter Ulrich Ramer ein. Ayfer Fuchs dagegen sah durchaus einen Zusammenhang: „Ich bekomme so viele Rückmeldungen, dass Kinder in der vierten Klasse trotz guter Leistungen gesagt bekommen: Dich tun wir mal lieber nicht aufs Gymnasium, du hast Migrationshintergrund. Man muss die Kinder doch motivieren und stärken.“

Dabei helfen sollen verschiedene Projekte, die im Lauf des Abends Erwähnung fanden: Die Integrationscamps des Stadtjugendrings etwa, oder die Deutsch-Übungsstunden an den Walther-Rathenau-Schulen. Oder das Projekt „Eine Stunde Zeit“, bei dem pensionierte Deutschlehrer Migranten helfen, deutsche Texte zu verstehen. Ist Integration in Schweinfurt geglückt, war die übergreifende Frage gewesen. „Sie ist dann geglückt, wenn wir dieses dumme Wort nicht mehr sagen müssen“, fasste Lippert zusammen.

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