Kreis Schweinfurt

Jahresrückblick 2019: Baustellen und Narren auf den Straßen

Der Straßenbau bestimmt das Frühjahr 2019. Und ein Großprojekt wird zum Aufreger in Grafenrheinfeld.
Die ersten Monate des Jahres 2019 gehörten oft den Narren: In Bergrheinfeld betrachteten 2000 Besucher die Planburschen – ausnahmsweise mal im Dirndl. Foto: Josef Lamber

Mit einer guten Nachricht begann das Jahr für die Einwohner von Schonungen: Das lange Werben um Hausärzte in der 8000-Seelen-Gemeinde ist erfolgreich beendet worden. Bürgermeister Stefan Rottmann begrüßte den sechsten Mediziner im Ort und verwies auch auf den Bau des "Gesundheitschecks", in dem im Oktober neben Optiker, Physiotherapie, Tagespflege und Fitnessstudio auch ein Arzt eingezogen ist. Anders ist die Situation bei der Versorgung mit Kinderärzten in der Region: Die Bedarfsplanungen sind veraltet, manchmal müssen Eltern lange suchen, bis sie einen Spezialisten finden, der ihre Kinder untersucht.

2018 war für Sömmersdorf ein wichtiges Jahr: Im traditionellen Rhythmus waren die Passionsspiele über die Bühne gegangen. Die mit Millionenaufwand modernisierte Freilichtbühne sollte 2019 auch für andere Aufführungen genutzt werden, doch im Januar melden sich Anwohner zu Wort: Sie befürchten eine allzu große Lärmbelästigung. In der Gemeinde kommt es zu Kontroversen. Das Landratsamt kümmert sich um die Einwände.

Auch jenseits der Passionsspiele sind für die modernisierte Freilichtbühne Sömmersdorf aufwändige Aufführungen geplant. Die Anwohner klagen über Lärm; das Dorf drohte sich zu entzweien. Foto: Josef Lamber

Auch in Üchtelhausen gibt es Kontroversen: Es geht um das Gebäude der ehemaligen Kirchbergschule, das in ein Künstlerzentrum umgebaut worden ist und dessen Zukunft an der Frage hängt: Wer kommt für den Unterhalt auf?

An der ehemaligen Volksschule Üchtelhausen, die heute ein kleines Künstlerzentrum ist, schieden sich die Geister. Foto: Ursula Lux

Das Alfons-Goppel-Berufschulzentrum steht zwar in der Stadt Schweinfurt, der Landkreis ist aber Eigentümer. Mit über 50 Millionen Euro will er dort einen Neubau hinstellen. Es ist die größte Einzelinvestition des Landkreises, die die Finanzplanung des Landratsamts bestimmt. Das zeigt sich auch im Haushalt, den Kreiskämmerer Wolfgang Schraut im Februar vorstellt und den der Kreistag  im März absegnet. Er sieht über 100 Millionen Euro Einnahmen und Ausgaben vor.

Der Altbau des Berufsschulzentrums Alfons Goppel in Schweinfurts Geschwister-Scholl-Straße soll durch einen Neubau ersetzt werden. Der Landkreis stellte 2019 wichtige Weichen dafür. Foto: Josef Schäfer

Im Februar wird das später erfolgreiche Volksbegehren "Rettet die Bienen" auf den Weg gebracht, das in den Monaten danach die Landespolitik umkrempeln wird. Die Bürger im Landkreis trugen sich fast genauso intensiv in die Befürworter-Listen ein wie der Landesdurchschnitt: Mit fast 23 Prozent waren die Schwebheimer am eifrigsten. Bauern wie Andreas Schech aus Grettstadt bieten in der Folge Patenschaften für Blühwiesen an. Und auch in den Wäldern sind die Spuren des Klimawandels spürbar: Die Trockenheit verkürzt laut Forstexperten die Erholungsphasen für die Bäume. Folge: Der Insekten- und Pilzbefall nimmt zu und schädigt die Stämme.

In den Blühwiesen von Landwirt Andreas Schech fühlen sich auch die Bienen wohl. Der Bauer bot dafür Patenschaften an.
Foto: Andreas Schech

Im Februar beteiligt sich der Landkreis an einem bayerischen Pilotprojekt: Auf der B 303 bei Schonungen werden an den Leitpfosten Blinklichter angebracht, deren Bewegungsmelder anspringen, wenn sich ein Wildtier nähert. So sollen Verkehrsteilnehmer gewarnt und die Zahl der Wildunfälle reduziert werden. Auch auf der Kreisstraße zwischen Marktsteinach und Waldsachsen kommt die Technik zum Einsatz. Zwar müssen nach kurzer Zeit die Anlagen wegen technischer Probleme neu justiert werden, dennoch läuft der Versuch noch bis Frühjahr 2022.

Politiker und Behördenvertreter enthüllten das Schild zum Pilotprojekt an der B 303: Warnmelder sollen dazu beitragen, die Zahl der Wildunfälle zu reduzieren. Foto: Staatliches Bauamt Schweinfurt

Das ersten Wochenende im März gehört den Narren, die mit ihren Umzügen Besucher anlocken: 2000 Gäste zählt man in Bergrheinfeld, den Zug in Schonungen verfolgten etwa 1000 Besucher.

Neben dem Abbau des stillgelegten AKW Grafenrheinfeld steht für die Gemeinde ein weiteres Großprojekt vor der Tür: Der großflächige Abbau von Sand und Kies in der Grafenrheinfelder Flur. Dagegen mobilisieren die Kommunalpolitiker und Bürger Widerstand. "Keinen Quadratmeter" wolle man hergeben, heißt es in einer Versammlung, weil man schon allein angesichts der Dimension von 80 Hektar eine nachhaltige Veränderung der Landschaft befürchtet. Viele Einwohner wenden sich gegen eine "Kraterlandschaft". Im November reduziert zwar die Regierung von Unterfranken die anvisierte Flächengröße, das Thema ist aber auch am Jahresende 2019 noch nicht erledigt.

Protest gegen Sand- und Kiesabbau bei Grafenrheinfeld: Rote Tafel entlang des Abbaugebiets sollten die Dimension des Projekts veranschaulichen. Foto: Josef Schäfer

Viel Geduld mussten die Autofahrer im gesamten Jahr auf der B 286 bei Schwebheim mitbringen. Im März beginnen die Bauarbeiten zur Erweiterung der Strecke auf vier Fahrbahnen zwischen Schwebheim und Schweinfurt, was später auch umstrittene Proteste der Grünen wegen gefällter Bäume nach sich zieht. Auch im Anschluss Richtung Gerolzhofen wird bis Dezember gebaut, um eine Überholspur einzurichten. Gebaut wird auch auf der B 303 bei Schonungen.

Im März begann neben den bis dahin laufenden Arbeiten an den Brückenbauwerken auch der Streckenbau auf der B 286 bei Schwebheim. Foto: Staatliches Bauamt Schweinfurt

Die Klima-Protest Jugendlicher unter dem Slogan "Fridays for Future" finden nicht nur in der Stadt statt: Im April sorgt Elias Bretscher für mediale Aufmerksamkeit, als er am nördlichen Kreisverkehr in Bergrheinfeld zur Gitarre greift und seine Kritik heraussingt.

Elias Bretscher spielt im April  Gitarre gegen den Klimawandel an einem Kreisverkehr in Bergrheinfeld. Foto: Jonas Keck

Der Fotokreis Schwanfeld, der auch 2019 immer wieder Preise für Hobbyfotografen einheimst, richtet im April das Mainfränkische Fotofestival aus. Unter den 700 eingereichten Aufnahmen sucht eine Jury die besten heraus; 500 Besucher schauen sie sich an.

Ausgezeichnet beim Mainfränkischen Fotofestival in Schwanfeld: "Spiegelungen in Mainfranken" heißt die Aufnahme des Schweinfurters Vladimir Budin (SKF-Fotokreis). Foto: Vladimir Budin

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