Schweinfurt

Jazz Poetry Slam in der Disharmonie

Filigrane Melodien und fein gewebte Verse gab es beim Jazz Poetry Slam zu hören. Warum Spontan-Poesie, Witziges und Autobiographisch-Historisches gut zueinander passen
Manfred Manger (links) und Benni Warmuth (vorne rechts) hatten tolle Poetry Slammer in die Disharmonie eingeladen. Hinten weiter von links: Marie Sanders, Henrik Szanto, Maron Fuchs, Susanne Rudloff. Vorne von links Steven und Tobias Kunze. Foto: Josef Lamber

Am Ende war es die hohe Kunst der "Stand-Up-Poetry", der spontan-Poesie, die gegenüber den fein ausgearbeiteten Beiträgen der anderen Poetry  Slammer knapp die Nase vorn hatte. Tobi Kunze aus Hannover entschied den Jazz-Poetry Slam in der Disharmonie für sich. Kunzes Spezialität ist es, aus bunt gemixten Begriffen, die ihm aus dem Publikum sozusagen zugeworfen werden, spontan Texte zu schmieden. Von Liebe bis Obelix, von Brexit bis zur Linsensuppe kommt alles in einen Topf, heraus sprudelt Wortkunst, die natürlich auch komisch sein darf. Selbst als Kunze sich in der Endrunde mit nicht alltäglichen Vokabeln wie "Mehrwertsteuerrichtliniensystem" oder "Menstruationstasse" konfrontiert sah, reichte es immer noch zum originellen Poetry-Cocktail.     

Am Ende wird gemeinsam gefeiert

Der Sieg, der sich aus dem Votum einer siebenköpfigen Jury ergab, geht also in Ordnung, ist aber nicht so wichtig. Denn Poetry Slammer sind so etwas wie eine große Familie, die den Champagner, denn es vielleicht für den 1. Platz geben mag, am Ende sowieso gemeinsam trinken. So dürfte es auch beim Jazz Poetry Slam, der von Benni Warmuth und Manfred Manger gut gelaunt moderiert wurde, gewesen sein.        

Gebt mir Worte. Tobi Kunze holte mit seiner spontan-Poesie die meisten Punkte. Foto: Josef Lamber

Zu hören und zu sehen waren in der rappelvollen Disharmonie neben Tobi Kunze fünf weitere Vorzeige-Poetry Slammer. Marie Sanders (Schweinfurt/Dresden),Steven (Erlangen), Henrik Szanto (Wien) Maron Fuchs (Bamberg) und Susanne Rudloff (Nürnberg) haben alle schon Preise gewonnen und überzeugten auch in der Disharmonie mit ihren Beiträgen. Jede(r) hatte zumindest einen der Juroren davon überzeugt, ihm oder ihr mit der 10 die Bestnote zu geben.  Auch Newcomerin Isa Sterner, die außer Konkurrenz sozusagen die Warm-Up-Poetry lieferte, erhielt viel Beifall für ihren natürlich selbst geschriebenen Beitrag.  

Das besondere am Jazz Poetry Slam ist, der Name sagt es schon, der Jazz. Während normalerweise beim Wettstreit der Poeten jedes Hilfsmittel verboten ist und auch keine Requisiten verwendet werden dürfen, kommt hier die Musik zum Einsatz, wird zum Stilmittel der Präsentation. Dafür hatte man sich mit Anton Mangold (Saxofon), Theo Spannagel (Bass) und Felix Schneider (Klavier) drei Asse ihre Metiers auf die Bühne geholt, mit denen sich die jungen Dichter vor ihrem Auftritt kurz absprechen durften.     

Unterschiedliche Herangehensweisen

Was den Reiz des Poetry Slams ausmacht, ist vor allem auch, dass die Texte sehr unterschiedlich ausfallen, nicht etwa jeder versucht möglichst originell daher zu kommen. So machte zum Beispiel der Wiener Henrik Szanto – der Vater ist Ungar, die Mutter Finnin – einen auch nachdenklich machenden Ausflug in die eigene Familienbiografie und damit in das Nachkriegsungarn.  Dass Orthographie aus lustig sein kann, bewies sein Abstecher ins Finnische. Dort gibt es ein Wort mit 18 Buchstaben, in dem neun Y vorkommen. Der Zungenbrecher steht in etwa für die Freude, die ein Kind auf der Schaukel hat.  

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Jazz Poetry Slam

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Originell auch Steven, der sich in seinem Beitrag mit der deutschen Einheit aus physikalischer Sicht beschäftigte. Doch auch Volt, Watt und Joule konnten sich nicht auf den Wert für das "Deutschsein" einigen. "Der Wert des Menschen lässt sich nicht messen, egal welche Einheit ihr nehmt." 

Die Mischung funktioniert

Sehr lyrisch ging Marie Sanders zu Werke, die einem Wanderer auf dem Bild mit dem Titel "Refugium" förmlich einen Zufluchtsort dichtete. Maron Fuchs hatte drei Geschichten mitgebracht von jungen Menschen die lieber Masken tragen als zu sich selbst zu stehen, die auch lächeln, wenn ihnen nicht zum Lachen ist. Susanne Rudloff schließlich widmete sich dem worüber Menschen sich so alles wundern und, dass Menschen sich auch "Wunden wundern" können.

Wunderbar waren letztlich alle Beiträge und der Abend an sich, wie der Beifall der Gäste zeigte. Jazz und Poesie, das funktioniert, sind doch die Töne genauso filigran wie die Worte. 

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