SCHWEINFURT

Jetzt kann der Richter endlich die Freiheit genießen

Norbert Baumann: 30 seiner fast 40 Jahre bei der Justiz war das Justizgebäude in der Rüfferstraße seine Wirkungsstätte. Jetzt geht der Jurist und Richter in den Ruhestand.
Norbert Baumann: 30 seiner fast 40 Jahre bei der Justiz war das Justizgebäude in der Rüfferstraße seine Wirkungsstätte. Jetzt geht der Jurist und Richter in den Ruhestand. Foto: Hannes Helferich

1979 landete der gebürtige Würzburger eher zufällig in Schweinfurt bei der Justiz. Aus dem geplanten Kurzgastspiel wurde nichts: Norbert Baumann wurde zum Schweinfurter, er lebt am Deutschhof und wechselt nach fast vier Jahrzehnten bei der Justiz, davon 30 Jahre in Schweinfurt, nun in den Ruhestand. Die letzten sechs Jahre seiner Juristenkarriere leitete der Richter den einen Strafsenat am Oberlandesgericht in Bamberg.

Abitur, Studium, Referendarzeit in Würzburg. Die erste Stelle als Richter war in Kulmbach. Es folgten zwei Jahre Bayreuth. Dann Schweinfurt. „Ich wollte näher an die Heimatstadt Würzburg“, sagt er. Wurzeln schlug Baumann aber in Schweinfurt. Sein Bleiben hatte viele Gründe. Er lernte die Menschen und die Stadt schätzen. Dann der Beruf. Baumann spricht bescheiden von den „hier gegebenen Möglichkeit des Fortkommens“. Richter am Amts- und Landgericht, dann Staatsanwalt als Gruppenleiter. Er sorgte etwa mit seiner Anklage gegen den rechtsradikalen Otto Ernst Remer ungewollt für bundesweite Schlagzeilen.

1993 Vorsitzender Richter, 2001 Vizepräsident am Landgericht. Ab 2000 leitete er die Erste Große Strafkammer, die wegen der Fälle „in der Öffentlichkeit am meisten wahrgenommen wird“. Mord, Totschlag, Vergewaltigung. Erinnert sei an den Prozess gegen fünf Dealer aus dem Balkan. Mit allen Finessen haben die Verteidiger aus einer Großstadt den vermeintlichen Provinzrichter zu attackieren versucht. Der Bundesgerichtshof nannte die 56 Jahre für die Angeklagten später „angemessen“.

Mit Baumann auf dem Richterstuhl war nicht immer gut Kirschen essen. Die Angeklagten sah er aber wie die Opfer stets als Menschen. Er brachte allen Respekt entgegen. Ungeachtet der zum Teil schrecklichen Taten. Beeinflussung oder gar an der Nase herumführen, das gab es bei ihm aber nicht.

Baumann ist bekennender Katholik. In zwei Pfarreien war er Pfarrgemeinderatsvorsitzender, zuletzt in Maximilian Kolbe. Er engagierte sich im Dekanatsrat. 24 Jahre gehörte er bis 2006 dem Diözesanrat des Bistums an, acht Jahre als Vorsitzender. In dieser Funktion war er Mitglied im Landes- und Zentralkomitee der katholischen Kirche Deutschlands.

Ein kritischer Geist ist und war Baumann immer. Als die Katholischen Bischöfe – von Rom angeordnet – die Schwangerenberatung aussetzten, gehörte er zu den Mitgründern und Vorstandsmitgliedern von Donum Vitae Bayern. 19 Beratungsstellen zählt der Verein heute. Dass nach erfolgreicher Konfliktberatung mittlerweile „Tausende Kinder das Licht der Welt erblicken konnten", erfülle ihn „mit Stolz“.

Baumann folgte – zunächst als juristisches Mitglied, dann als Vorsitzender – dem Ruf in die Kommission, die sich mit den rechtsradikalen Vorgängen im Würzburger Priesterseminar beschäftigte. Parteiämter hatte das Mitglied der CSU nie inne. In seiner Funktion als juristischer Beisitzer im CSU-Landesschiedsgericht durfte er das nicht. Politische Karriere? Der Familienvater antwortet mit dem typischen hintergründigen Schmunzeln.

Baumann machte nie einen Hehl daraus, dass er seine Juristenzeit gerne in Schweinfurt verbracht hätte. „Der letzte Karrieresprung war hier nicht mehr möglich“, sagt er. Er wurde diese Woche am OLG Bamberg verabschiedet. Wegen Resturlaub scheidet der 66-Jährige offiziell Ende Februar aus. Baumann ist seit 2009 Träger des Bundesverdienstkreuzes. Was plant er? „Die Freiheit genießen“. Typisch Baumann.

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