SCHWEINFURT

Job-Center bekommt mehr Personal

(hh) Die sachgerechte Besetzung von Job-Centern ermittelt der Gesetzgeber nach dem „Richtwert für die Personalbemessung“. Aufgrund des Mehraufwands durch den Gesetzgeber und der – trotz der derzeit niedrigen Arbeitslosenquote im Job-Center – noch immer zu betreuenden 660 Leistungsberechtigten unter und 3300 über 25 Jahre fehlen nach diesem Schlüssel beim Job-Center der Stadt sechs Planstellen. Der städtische Finanzausschuss tat sich mit der Genehmigung dieser Stellen am Dienstag leicht, zumal der Bund von den rund 310 000 Euro Kosten 85 Prozent trägt. Auf Stadtschulter bleiben somit lediglich zirka 46 000 Euro hängen.

Dass sich Joachim Schmidl vor der dem einstimmigen Ja als erster zu Wort meldete, überraschte nicht. Der SPD-Fraktionschef hatte nämlich in einer Aprilsitzung über die ihm zu Ohren gekommene Fluktuation im Job–Center mehr wissen wollen. Personalamtsleiter Roland Göb antwortete ihm damals, dass er „eine Fluktuation nicht bestätigen kann“ (wir berichteten).

Die Gewerkschaft ver.di, die ebenso von Problemen gehört hatte, legte nach, informierte diese Zeitung über eigene Recherchen, nach denen es in den zurückliegenden vier Jahren ganz im Gegenteil doch eine sogar lebhafte Fluktuation, auf 41 der 50 Arbeitsplätze, gegeben habe.

Schmidl stellte nun im aktuellen Ausschuss die Frage, ob man „da nicht doch von einer hohen Fluktuation reden könne“. Die Aufstockung im Job-Center zeige ihm, dass offensichtlich doch „hoher Druck“ auf den Beschäftigten gelegen habe, die Lage sich „jetzt aber hoffentlich entspannt“.

Oberbürgermeister Sebastian Remelé stellte sich aber vor seinen urlaubenden Amtsleiter und meinte Richtung Schmidl: „Es kommt darauf an, wem man glaubt“. Das hieß: ver.di hat falsche Zahlen genannt.

Die Sichtweise und Zahlen des Personalamts präsentierte Jürgen Appel. Er begleite den Prozess beim Job-Center seit 2005. Vom damaligen Stamm – 40, heute über 50 Beschäftigte – gehörten 31 noch zur Mannschaft der ersten Stunde.

Appel fragte deshalb vielsagend, „was eine Statistik ist“ und äußerte sich auch zur Stimmungslage im Center, die zusammenfassend gut ist. Appel zitierte aus einem externen Gutachten von 2009, demnach die Mitarbeiter ihre Zufriedenheit mit einem Spitzenwert bewertet hätten. Beim Krankenstand, auch Indikator für die Stimmung, habe der Job-Center mit fünf Prozent drei Prozent besser gelegen als der bundesweite Durchschnitt. In Sachen Arbeitsbelastung habe man im Mittelfeld gelegen.

Appel musste allerdings einräumen, dass neben der von ihm genannten Fluktuation von 25 Prozent bei einem Wechsel eines Mitarbeiters aus dem Job-Center an einen anderen Schreibtisch im Rathaus das nicht als Fluktuation gesehen und dementsprechend auch nicht statistisch als solche bewertet werde.

In der sich fortsetzenden Diskussion war das Bemühen aller erkennbar, das Thema nicht hoch zu kochen. Kathi Petersen (SPD) meinte nur, dass „Fluktuation wohl unterschiedlich definiert wird“. Frank Firsching (Linke) meinte, dass der Job-Center unterbesetzt war. Der OB erwiderte dazu, dass die sechs neuen Jobs dem Mehraufwand durch den Gesetzgeber geschuldet seien.

Adi Schön (SWL) äußerte zur versteckten Kritik an Schmidl wegen seiner Nachfrage, dass es das gute Recht eines Stadtrates sei, bei ihm zu Ohren gekommenen Probleme auch kritisch nachzufragen. Remelé bestätigte Schön in dieser Meinung. Arno Barth (CSU) sah durch Appels Beitrag Personalchef Göb rehabilitiert.

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