GEROLZHOFEN

Jubiläumsweinfest: Gerolzhofen schwelgt in Superlativen

Das Wochenende hat gezeigt: Die Änderungen bei der 40. Auflage des Gerolzhöfer Weinfestes tun "Frankens größter Weinstube" gut.

Falsche Bescheidenheit ist das Ding von Bürgermeister Thorsten Wozniak ohrenscheinlich nicht. Dietmar „Diko“ Kordowich, der beinahe schon legendäre Begründer des Gerolzhöfer Weinfestes und dessen langjähriger Zeremonienmeister, hätte jedenfalls seine reinste Freunde an Wozniaks Worten.

Wenn er die Gäste begrüßt „zum schönsten Weinfest weit und breit“, natürlich in „Frankens größter Weinstube auf Deutschlands schönstem Marktplatz“, und schließlich noch mit einem Hauch von Kennedy Space Center den Countdown runterzählt für „Europas schönste Giebelbeleuchtung“, dann hat das schon was.

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Jubiläumsweinfest

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Dabei nimmt er den Mund noch nicht mal zu voll. Denn „Frankens größte Weinstube“ kann es ganz sicher mit jeder Konkurrenz aufnehmen. Auch oder gerade, nachdem deren Inneneinrichtung heuer zur 40. Öffnung einige kleinere kosmetische Korrekturen erfahren hat, die dem Ambiente durchaus gut tun.

Die Imbiss-Stände konzentrieren sich nun am westlichen Eingang zum Festgelände. Und die Bühne ist von der Kirchenseite auf den Platz gegenüber, vor das Anwesen Engel gewandert.

Hier ein Video vom Marktplatz am Samstagabend.

Das hat einige angenehme Nebeneffekte. Zum einen ist der Blick auf die Kirche nun wesentlich freier. Und über einen anderen freut sich wohl mancher ebenso sehr wie Peter Wüst: „Endlich gibt es hier auch in Gerolzhofen eine vernünftige Tanzfläche.“ Recht hat er.

War der Platz zwischen Bestuhlung und Bühne in den vergangenen Jahren ohnehin schon recht eng und dann oft auch noch vollgestopft mit Beschallungstechnik der jeweiligen Musikgruppe, so dass es unweigerlich zu Verstopfungssymptomen kommen musste, sobald auch noch jemand begann, das Tanzbein zu schwingen, ist nun genug Raum für alles: für Technik, für Durchgangsverkehr und für Tanzwütige.

Hier ein Video aus dem Spitalgarten am frühen Samstagabend.

Die weihen ihr neues Reich am Freitag gleich richtig ein. „The Jets“ liefern die passenden Rhythmen dazu: „Does your Mama know“ von ABBA oder „Sweet home Alabama“ von Lynyrd Skynyrd. Da werden schon mal kurzerhand die High Heels ausgezogen, um barfuß standsicherer über das Kopfsteinpflaster wirbeln zu können.

Das gleiche Bild tags darauf bei den Oberspiesheimern. Sie bieten das, was man von ihnen erwarten darf. Sie sehen das Gerolzhöfer Weinfest ja quasi als ihr Wohnzimmer, und entsprechend drehen sie auf. Was auch immer zum Abfeiern angesagt ist, sie haben es im Repertoire: Martina Henke als Helene Fischer treibt das Publikum zu „Atemlos“ mal eben auf die Bänke, und zu DJ Ötzis „I' will leben“ wird munter Disco-Fox getanzt.

Video: Impressionen vom nächtlichen Marktplatz.

Als sie nach der Giebelbeleuchtung-Countdown-Pause im DFB-Trikot zurück auf die Bühne kommen und sich des neuesten Fanmeilen-Liedgutes bedienen, macht sogar manch einer, inklusive Bürgermeister, den Gaucho-Tanz mit: „So geh'n die Gauchos, die Gauchos die geh'n so.“ Miroslav Klose wäre kaum ein besserer Animateur gewesen.

Video: Stimmung im nächtlichen Spitalgarten!

Einige Neuerungen gibt es auch im Spitalgarten. Nicht nur, dass erstmals hier der Weinbauverein für den Ausschank zuständig ist, sondern vor allem, was das Musikangebot angeht. Am Freitag etwa ist Zigeunermusik angesagt.

Mit seinem Ensemble ist „Teufelsgeiger“ András Janoska aus dem Burgenland angereist. Mal lässt er sein Instrument melancholisch schluchzen, dann wieder den Bogen so temperamentvoll auf den Saiten tanzen, dass einem schon alleine beim Hinschauen schwindelig wird. Allein der Funke will nicht so wirklich überspringen.

Am Samstag mischen sich „gradnaus“ unters Publikum im Spitalgarten. Ihre handgemachte, klassisch-fränkische Volksmusik trifft scheinbar eher den Nerv des Publikums.

Auf der anderen Seite des Spitals wummern die Bässe aus den Lautsprechern und bunte Lichtpunkte tanzen an den altehrwürdigen Wänden der Spitalkirche. Die DJs Hondi und Foe legen dort auf, und vor allem in den späteren Weinfeststunden ist die Weinlounge im Spitalhof gut frequentiert. Was übrigens auch für die Sekt- und Bocksbeutelbar in der Spitalstraße gilt: Sie ist beim Tourismus-Aktions-Team Oberschwarzach (TATO) in neuen Händen, aber nach wie vor ein beliebter Treffpunkt.

Rund 50 Weine gibt es an den vier Ständen plus Sektbar – die Feuerwehr ist anstelle von gerolzhofenAKTIV mit einem vierten Weinausschank eingestiegen – und somit das Richtige für jeden Geschmack. Weinprinzessin Barbara Lenz hat auch ein paar gute Gründe parat, um den einen oder anderen Schoppen zu genießen. Schließlich stehe Wein für Freude und Frohsinn, und sei, maßvoll genossen, ein wahrer Gesundbrunnen.

Das Wetter übrigens spielt an den beiden ersten Weinfesttagen prima mit. Auf brütend heiße Nachmittage folgen laue Sommerabende, genau das Richtige zum Schöppeln. Und die Weinfreunde kommen in großer Zahl. Was Bürgermeister Wozniak dann schon wieder verleitet, davon zu träumen, die vier strahlend schönen Weinfesttage des Vorjahres noch zu toppen. Schwer genug.

Dabei quaken die Wetterfrösche für Sonntag und gar für Montag – wenn das Weinfest am Marktplatz mit „Hot Oven & The Briketts“ und im Spitalgarten mit „Miss Sophy and the groove“ zu Ende gehen wird – etwas von Gewittern und Regenschauern. Doch im Anspruch an des Bürgermeisters optimistische Rede spielen die Jets „It never rains in Southern California“. Vielleicht gilt das ja auch für das nördliche Franken und damit für Gerolzhofen. Dann wäre es mal wieder ein megastarkes Weinfest gewesen. Schwelgen in Superlativen.

 

Rückblick

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