SCHWEINFURT

Judith Allert und ihre hochgradig schräge Familie

Kinderbuchautorin Judith Allert las in der Buchhandlung Vogel aus ihrem Werk „Die unglaublichen Schockingers“. Foto: Guido Chuleck

Diese Schockingers sind schon eine unglaubliche Familie. Vater Seymour experimentiert mehr oder weniger erfolgreich im Keller herum, Mutter Agatha gibt es nur als Schwarz-Weiß-Ausgabe, und Tochter Edna kann mühelos die Gestalt von Tieren annehmen. Kein Wunder also, dass Sohn Henry denkt, er wäre adoptiert – schließlich ist er der einzig Normale in der Familie.

Als das Schloss der Schockingers sich nach einem von Seymours Experimenten in Luft auflöst, müssen sie mit Sack und Pack umziehen, in eine spießige Reihenhaussiedlung. Natürlich eckt diese schräge Familie bei den Nachbarn an allen Ecken und Enden an, und die Katastrophe nimmt ihren Lauf.

Sehr zur Freude der Kinder übrigens, die bei der Lesung der Kinderbuch-Autorin Judith Allert aus dem Lachen kaum herauskommen. Es war eine Lesung zum Welttag des Buches in der Buchhandlung Vogel in Schweinfurt, und gekommen waren eine ganze Reihe Grundschulkinder, also die Zielgruppe der Autorin.

Geschickt knüpfte sie einen positiven Kontakt mit den Kindern, indem sie erstmal über sich selbst und ihr Zuhause berichtete, in dem es das ein oder andere Tier gibt. „Ich wollte mal Tierärztin werden, jetzt bin ich Kinderbuch-Autorin“, erzählte Allert. Dann berichtet sie über ihre Hunde, Katzen, Pferde und Wollschweine, die mit ihr und ihrem Ehemann auf einem alten Bauernhof in der lauschigen oberfränkischen Pampa leben, wo sich die Autorin und studierte Literaturwissenschaftlerin beim Unkrautzupfen neue Geschichten ausdenken kann.

Dann aber waren die Schockingers an der Reihe, mit ihrem Einzug in die spießige Vorstadtsiedlung, in der alles so schrecklich aufgeräumt ist, die Blumen fürchterlich bunt blühen und die Leute völlig normal, also hochgradig spießig sind. Eben weil die Familie an Schrägheit durch nichts zu überbieten ist, hätten die Kinder sie schon liebend gern als Nachbarn gehabt. Die Eltern, die während der Lesung nicht allzu weit weg vom Geschehen waren – Eltern und neugierig? Nie! –, waren froh, dass es eine solche Nachbars-Familie wohl kaum in ihre Nähe ziehen würde. Allein schon der Gedanke an die Freundin der Tochter, die sich je nach Lust und Laune in einen Hund, eine Maus oder eine Spinne verwandeln kann. Oder der Vater, den man, sobald der Staubsauger zu reparieren ist, sicherheitshalber gefesselt und geknebelt in den Keller sperren sollte. Oder die Mutter mit ihrem Zauberspiegel, der eigentlich die Zukunft voraussagen kann, aber genau das nicht macht, sondern mehr in sein eigenes Spiegelbild verliebt ist.

Es war eine höchst vergnügliche Lesung einer sehr gut gelaunten Autorin und noch besser gelaunten Kindern. Der Eintritt von drei Euro übrigens landet nicht in der Kaffeekasse der Buchhandlung, sondern geht komplett als Spende an die Flüchtlingshilfe des IBF, des Interkulturellen Begegnungszentrums für Frauen in Schweinfurt.

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