GEROLZHOFEN

Jüdin entkommt dem Pest-Pogrom und deckt ein Geheimnis auf

Aufwändig recherchiert: Der vor allem für seine Würzburg-Krimis bekannte Autor Roman Rausch las in der Stadtbibliothek aus seinem neuesten Buch „Die letzte Jüdin von Würzburg“. Foto: Beck

Der vor allem für seine Würzburg-Krimis bekannte Autor Roman Rausch hat am Donnerstag in der Stadtbibliothek aus seinem neuesten Buch „Die letzte Jüdin von Würzburg“ gelesen. Über zwei Jahre habe der gebürtige Gerolzhöfer an seinem nun vierten historischen Roman gearbeitet, wie er den rund 30 Zuhörern berichtete.

Vier Kapitel trug er aus der ersten Hälfte des 512-Seiten starken und auf Spannung bedachten Buches über die Zeiten der Pest-Pogrome vor. Gebannt lauschten die Gäste auf der etwa zweistündigen Veranstaltung den vorgelesenen Szenen und den Erläuterungen des Autors. Zum Schluss konnten die Besucher ihre erworbenen Bücher signieren lassen.

Die Handlung des Romans spielt in Straßburg und in Würzburg im Jahre 1349. Als eine von Wenigen aus der jüdischen Gemeinde entkommt die junge Jaelle lebend einem Pest-Pogrom in Straßburg. In Männerkleidern rettet sie sich nach Würzburg, wo sie den Berater des Bischofs kennenlernt, den mächtigen Michael de Leone. Der findet Gefallen an dem jungen „Johan“ und nimmt „ihn“ in seine Dienste. Rabbi Moshe, Haupt der jüdischen Gemeinde, wittert die Chance, durch Jaelle an Informationen über Entscheidungen des Bischofshofs zu gelangen. Er ahnt: Dort wird ein ungeheurer Komplott gegen die Juden geschmiedet.

Widerstrebend lässt sich Jaelle auf den gefährlichen Auftrag ein. Eigentlich hat sie anderes im Sinne. In Würzburg sollen ihre letzten Verwandten leben. Sie macht sich auf die Suche und deckt ein sorgsam gehütetes Geheimnis auf.

Rauschs Roman weist einen steten Handlungsfluss auf. Durchgehend wird die Erzählung um historische Hintergrundinformationen ergänzt. Zum Beispiel ist eine kurze Zusammenfassung der Geschichte der jüdischen Gemeinde in Würzburg darin enthalten. Das Buch ist zwar eine auf Spannung bedachte Erzählung. Dennoch sei es ihm wichtig gewesen aufzuzeigen, wie es zu den Pogromen kam, sagte Rausch.

Die Würzburger Juden standen unter dem Schutz von Papst, Fürstbischof und Würzburger Rat, erläutert Roman Rausch. Ein Gesetz mahnte, dass niemand einem Juden etwas zu leide tun dürfe. Ansonsten würde dieser mitsamt seiner Familie der Stadt verwiesen, und man würde dessen Eigentum einziehen.

Für diesen Schutz hatten die Juden hohe Abgaben zu zahlen. Aufgrund der Angst vor der Pest und der Geld-Knappheit des Fürstbischofs habe dieser allerdings nicht eingegriffen, als sich die Wut der Bürger gegen die Juden entlud.

Auf die Idee seines Romans kam Rausch über Umwege, wie er sagte. Zunächst wollte er über das erste in deutscher Sprache verfasste Kochbuch schreiben, das „buoch von guoter spîse“. Bei der weiteren Recherche fand er heraus, dass zur gleichen Zeit der Herausgabe des Kochbuches ein Pogrom an den Juden in Würzburg stattfand.

Das Kochbuch ist Teil des Hausbuches von Michael de Leone, so Rausch weiter. Als historische Person und als eine der Hauptfiguren von Rauschs Erzählung ist dieser der Ausgangspunkt seines vierten historischen Romans. Die Jüdin Jaelle dagegen ist eine fiktive Figur.

Bei seiner aufwändigen Recherche hatte der in Berlin lebende Autor fachliche Begleitung durch den in Würzburg tätigen Geschichtsprofessor Rainer Leng. Dieser führte auch die Hintergrundarbeit zu der in Gerolzhofen für nächstes Jahr angesetzten Theateraufführung des Gerolzhöfer Frauenaufstands durch.

Roman Rausch

1961 in Gerolzhofen geboren, wuchs Rausch in Reupelsdorf (Lkr. Kitzingen) auf. Sein Onkel lebte in Gerolzhofen. Diesen besuchte er dort oft in den Ferien.

Nach dem Studium ging Rausch zunächst nach München und unternahm anschließend eine Weltreise. Heute lebt er in Berlin.

Mittlerweile hat der ehemalige Main-Post-Reporter 15 Bücher geschrieben. Auch schrieb er das Drehbuch zu „Fräulein Schmitt und der Aufstand der Frauen“, was von Silvia Kirchhof vom „Kleinen Stadttheater“ produziert und inszeniert wird. Im September 2015 wird das Theaterstück über den Gerolzhöfer „Frauenaufstand“ im April 1945 in Gerolzhofen aufgeführt.

Infos auch auf Rauschs Homepage: www.roman-rausch.de

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