Julius Echters Spuren in Geldersheim

Gegenreformation: Der Fürstbischof von Würzburg befeuerte die Geldersheimer Fehde mit Schweinfurt. Die Reste der Dorfmauer zeigen es noch heute.
Dieses Wappen mit Nikolaus und Ähren ist das Siegel des Geldersheimer Dorf- und Rüggerichts, das Echter dem Ort 1588 verlieh. Foto: Julia Haug

Dass dem Zungenblecker über dem Geldersheimer Unteren Torbogen Schweineohren wachsen, kommt nicht von ungefähr. „Der sollte das Gesindel abhalten“, sagt Alfred Popp. „Und auch die Schweinfurter.“ Der Geldersheimer Heimatforscher schmunzelt.

Die Fehde der beiden Gemeinden Geldersheim und Schweinfurt reicht bis ins Mittelalter zurück: Damals war Geldersheim noch von größerer Bedeutung gewesen als der Kontrahent.

Dass das protestantische Schweinfurt ihm jedoch allmählich den Rang ablief, konnte vor allem der Gegenreformator und Fürstbischof Julius Echter nicht hinnehmen – und stattete Geldersheim während seiner Amtszeit (1573-1617) demonstrativ mit Privilegien und Bauten aus.

Archiv im Juliusspital durchforstet

Das Julius-Echter-Jahr 2017 nahm Popp zum Anlass, sich auf die Spuren des Fürstbischofs in Geldersheim zu begeben. Lange musste er nicht suchen, seit fast 50 Jahren forscht der 74-Jährige in seiner Freizeit über sein Geldersheim, schon vor 15 Jahren verbrachte er einen Winter lang damit, das Archiv des Würzburger Juliusspitals zu durchforsten: Heraus kamen viele Schnittmengen mit dem Namensgeber Julius Echter. Der Einfluss des umstrittenen Gegenreformators ist in Geldersheim bis heute erkennbar.

Gleich am Eingang zum Dorfkern, der heutigen Straße Unterdorf, empfängt einen das Julius-Echter-Wappen. Die Geldersheimer Dorfbefestigung ist laut Popp die einzige im Landkreis Schweinfurt, die auf Befehl des Würzburger Fürstbischofs gebaut worden war. Bezahlen mussten die Geldersheimer aus eigener Tasche – 5573 Fränkische Gulden, fünf Pfund und 25 Pfennig.

Die Mauer stand nur 45 Jahre

„Wieviel Euro das heute entspricht“, kann Popp nicht sagen. Aber gelohnt dürfte es sich kaum haben: Nur 45 Jahre alt ist sie geworden, die Stadtmauer von Geldersheim. Ein kurzlebiges, kostspieliges Zeichen der Front gegen das benachbarte und verfeindete Schweinfurt. „Eigentlich muss man Dorfmauer sagen“, sagt Popp. Das Stadtrecht hat Geldersheim nie bekommen.

„Julius Echter hat besonderes Augenmerk auf Schweinfurt, Niederwerrn und Euerbach gelegt, weil sie vom Glauben abgefallen waren“, sagt Popp.

An der Dorfmauer in Geldersheim wurde neun Jahre lang gebaut, 1602 war sie fertiggestellt. Aus Schweinfurt beobachtete man argwöhnisch, dass die Mauer „haushoch“ gewesen sein soll.

Die Dorfbefestigung war nur einer von vielen Bausteinen von Echters Kampf gegen die protestantischen Zentren. Schon 1587 erließ er für Geldersheim eine Getreidesperre: Kein Geldersheimer durfte nach Schweinfurt Getreide oder Lebensmittel verkaufen. Um die Einhaltung der Verordnung kümmerte sich ein vom Fürstbischof angestellter Landsknecht namens Valentin Veit.

„Das war ein angesehener Mann in Geldersheim“, sagt Popp. Laut historischen Schriften war er „mit Speer und Rohr“ ausgestattet. Nach zwei Jahren wurde er in Schweinfurt gefangen genommen und eingesperrt. Auch nach der Entlassung durfte er ein Leben lang keinen Fuß mehr in die Stadt setzen.

1588 die nächste Echter-Anordnung für Geldersheim: Es erhielt die Erlaubnis, selbst Recht zu sprechen. Wo heute das Kruzifix an der Kapelle steht, baumelten früher Verbrecher am Galgen. Der Brunnen, an dem sich der Richter einst nach dem Richterspruch wusch, zeugt noch heute vom früheren Cent- und Galgentor, das daneben stand, und mit dem Unteren Tor und dem Oberen Tor die drei Zugänge zum Ort bildete.

Bürgermeister hinter Echters Wappen

Nach Echters Tod hingen die Geldersheimer jedoch nicht an ihrer Stadtmauer, durften sie auch nicht, denn 1632 schenkte König Gustav Adolf von Schweden das besetzte Geldersheim an die Reichsstadt Schweinfurt. 1647/48 wurde die Dorfmauer in Geldersheim abgetragen, die Stadtmauer wuchs. „Zum Großteil sind das Geldersheimer Steine“, sagt Popp.

Die drei Geldersheimer Torhäuser blieben zunächst noch stehen. Das Centtor wich 1859 nach einer Form von Bürgerentscheid, der deutlich (108 zu 23) für einen Abriss ausging. Viele Landwirte störten sich an der schmalen Durchfahrt ins Dorf. 1875 folgte das Obere Tor, ohne jeglichen Widerstand der Bevölkerung oder der Kreisregierung.

Das Untere Tor steht bis heute, 1700 verhinderte die Kreisregierung einen Abriss. Oben aufgesetzt wurde eine kleine Wohnung für arme Hirten, heute lebt Bürgermeister Oliver Brust darin.

Eine Julius-Echter-Führung entlang der einstigen Dorfmauer will Alfred Popp im Mai anbieten; im Sommer eine Führung zu Echters Einfluss auf die Kirche St. Nikolaus und das umliegende Gadengebiet. Genaue Termine folgen.

Das Julius-Echter-Wappen ziert das erhaltene Untere Tor in Geldersheim: der rote Rechen für Franken, der Schrägbalken mi... Foto: Julia Haug
Heimatforscher Alfred Popp an einem Stück Mauer in der Gartenstraße, das aus Steinen der originalen Dorfmauer gebaut wur... Foto: Julia Haug

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