SÖMMERSDORF

(K)ein Dorf wie jedes andere

Ein Dorf wie so viele andere, ländlich gelegen, reges Vereinsleben, zehn Kilometer westlich von Schweinfurt, knapp 700 Einwohner: Sömmersdorf, Gemeindeteil von Euerbach. Hier wird gelebt, gearbeitet, gestritten, versöhnt und gestorben. Was dieses Dorf aber von anderen unterscheidet, ist die Leidenschaft für die Passion, die alle fünf Jahre auf der größten Freilichtbühne Nordbayerns gezeigt wird. Sie hält das Dorf zusammen, sie verbindet immer wieder die Menschen – und sie prägt das Dorf.

120 Helfer im Hintergrund

Zwei Drittel der Bevölkerung sind auch in diesem Jahr vom 24. Juni bis 19. August wieder bei den 18 Vorstellungen dabei, rekordverdächtige 320 Personen als Laienschauspieler auf der Bühne und 120 Helfer im Hintergrund. Einige sind gleich mehrfach im Einsatz: Vor dem Schauspiel als Feuerwehrmann bei der Parkplatzeinweisung, im Theaterstück als Darsteller im jüdischen Volk und in der Pause als Verkäufer von Datteln im Speckmantel.

„Auch wenn in manchen Angelegenheiten unterschiedliche Auffassungen unter den Sömmersdorfern herrschen: Zu den Passionsspielen werden solche Meinungsverschiedenheiten hintenan gestellt“, ist die Wahrnehmung von Euerbachs Bürgermeister Arthur Arnold in diesem Gemeindeteil.

Das gemeinsame Ziel der Passionsspiele führt dazu, dass „sich auch Menschen anstecken lassen, die man sonst im Dorf nicht so sieht“, meint der Vorsitzende des Vereins Fränkische Passionsspiele, Robert König. Wobei es viele Begegnungsmöglichkeiten gibt. So existiert noch ein „Laden ums Eck“ inklusive Metzgerei im Dorf und stolze 13 Vereine mit mehr oder weniger Nachwuchssorgen plus eine katholische Kirchengemeinde sorgen für Leben, Treffen, Feste und Aktionen.

Viele Sömmersdorfer sind vielfältig engagiert: Im Sportverein, dessen Fußballabteilung in der Bezirksliga kickte, in der Heimatkapelle, die zünftige und konzertante Blasmusik pflegt, im Kindergartenverein, bei der Feuerwehr, dem Bauwagen-Verein der Jugend oder dem Männergesangverein, aus dem letztlich der Passionsspielverein hervorging.

Denn 1933 waren es die sangesfreudigen und theaterbegeisterten Männer, die zum damaligen Heiligen Jahr ein größeres Stück aufführen wollten und vom Volksschullehrer Guido Halbig bei ihrem ersten Passionsspiel angeleitet wurden. Die Nazis verboten zwar schon 1935 die Aufführungen. Aber nach dem Zweiten Weltkrieg, 1957, belebten die Männer ihre Passion wieder. Entwickelt hat sich daraus bis heute ein zwar ehrenamtlich geführter, aber professionell arbeitender Verein.

Der Erfolg der Passionsspiele macht die Sömmersdorfer auch stolz. Und sie bieten mittlerweile den tausenden Besuchern zur Passionsspielsaison, aber auch außerhalb des fünfjährigen Turnus noch mehr als nur Theater.

Mitten im Dorf entstand ein Passionsgarten mit biblischen Pflanzen, eine Freilichtausstellung über die Geschichte der Passionsspiele. Eine sogenannte Passionsgalerie, ein kleines, multimediales und modernes Museum im alten Schulhaus, zeigt in Wort, Bild und Film den Wandel des „Geistlichen Spiels“. Zwei spirituelle Wanderwege rund ums Dorf, die Passions-Wege, laden an verschiedenen Innehaltepunkten wie einem überdimensionalen Steintor zum Nachdenken ein.

Über die gerade beginnende Dorferneuerung soll nicht nur das Dorfbild aufgewertet oder der Passionsgarten neu gestaltet werden. Auch die Parkplatzfrage für die vielen Besucher wird geklärt. Denn zwischen den Passionsspielen werden andere Freilichtaufführungen gezeigt, Sommer-Theaterstücke wie „Don Camillo“.

„Die Sömmersdorfer wollen, dass die Passion bleibt“, ist der Vereinsvorsitzende König überzeugt, erst recht nach einem der vielen Arbeitseinsätze mit Freiwilligen am Passionsspielgelände, das gerade ein festes Zuschauerdach, eine 50 auf 50 Meter große Stahlkuppel, erhalten hat. „Sie lassen sich immer wieder begeistern“, sagt er. Seit 85 Jahren.

Karten für die Fränkischen Passionsspiele Sömmersdorf gibt es unter Telefon (09726) 2626 oder über die Homepage www.passionsspiele-soemmersdorf.de

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