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Kandidaten im Porträt: Ralf Hofmann, SPD

Kandidaten im Porträt: Am 22. September ist Bundestagswahl.

Ralf Hofmann tritt als Direktkandidat im Wahlkreis Schweinfurt für die SPD an.

Für den rechten Flügel viel zu undogmatisch: Ralf Hofmann, Unternehmer und SPD-Kandidat.
Für den rechten Flügel viel zu undogmatisch: Ralf Hofmann, Unternehmer und SPD-Kandidat. Foto: Anand Anders

Zuerst hat er überlegt, das Gespräch im Sachs-Stadion zu führen. „Da bin ich praktisch großgeworden.“ Bis heute bringt es Ralf Hofmann kaum fertig, an einem Fußballplatz vorbeizugehen, auf dem gerade ein Spiel – egal welche Liga – läuft, ohne dabei sein zu wollen. „Fußball im Stadion ist für mich etwas Wunderbares.“ Doch dann entscheidet er sich doch für den Garten seines Hauses am Hochfeld, ein grünes Refugium mit zwei, drei großen Bäumen, einer Kräuter- und einer Gemüseecke.

Ralf Hofmann ist seit März Unterbezirksvorsitzender der SPD Schweinfurt/Kitzingen, sein Zuständigkeitsgebiet ist damit deckungsgleich mit dem Wahlkreis Schweinfurt, in dem er als Direktkandidat für den Bundestag antritt. Als Geschäftsführer der Eventagentur Blues Agency ist er Unternehmer und damit nicht unbedingt der typische Mandatsträger der SPD. Er bemüht sich auch gar nicht erst, sozialdemokratischen Stallgeruch zu suggerieren. „Ich weiß, viele rechnen mich dem rechten Flügel zu, aber dazu bin ich viel zu undogmatisch“, sagt er. Und: „Politik ist eine Aufgabe, kein Beruf.“

Politisch allerdings war er schon immer. Als Aktivist der freien Schweinfurt Kulturszene, in der Schreinerei, im KulturPackt. Und er war 1996 mit 29 jüngster Schweinfurter Stadtrat. Als er im Jahr 2000 für zehn Jahre nach Leipzig zog, hielt ihn in der Lokalpolitik mit den immer gleichen SPD-Akteuren und -Ritualen nicht viel. „Ich hatte nicht die Energie, etwas dagegen zu unternehmen. Heute macht mir das nicht mehr so viel aus“, sagt Ralf Hofmann. Inzwischen hat er wieder so viel Spaß an der Politik, am Ringen um Positionen, dass er, der Pragmatiker, sogar in der Programmkommission der Partei mitarbeitet. So habe die SPD das schlüssigste Rentenkonzept.

„Wir müssen uns aber fragen, mit wem wir unsere Debatten führen. Im Hinterzimmer mit uns selbst oder mit den Leuten draußen? Wir sind da immer noch zu zurückhaltend und scheuen uns, im vorpolitischen Raum, am Stammtisch, im Verein in den Clinch zu gehen.“

Inhaltlich gesehen ist Ralf Hofmann durchaus kein SPD-Rebell. Er sieht sich als Vertreter von Arbeitnehmerinteressen, er will echte Chancengleichheit im Bildungswesen, er will Benachteiligte „reinholen in die Wirtschaft“. Drei Viertel aller Ingenieure würden heute in Russland, Indien und China ausgebildet. Den Schlüssel zu sinnvoller (Bundes-)Politik sieht er im Lokalen: „Es geht nur über die Kommunen, das ist das direkte Erlebnisfeld der Menschen. Hier nehmen sie wahr, ob Verwaltung gerecht ist. Wenn die Kommunen handlungsunfähig werden, wird es gefährlich.“ Das bedeutet für ihn mit Blick auf Themen wie Breitbandnetzausbau, Kita-Plätze oder Ganztagsschule auch: „Wer anschafft, zahlt auch.“

Mit seiner Frau Stephanie Haverkamp und den beiden Töchtern Jana (12) und Emma (6) hat er vereinbart, dass bis September der Wahlkampf Vorrang hat. Ralf Hofmann ist dauernd unterwegs. Der 1,92-Meter-Mann im weißen Hemd ist schwer zu übersehen. Er zeigt sich auf Weinfesten, bei Vorträgen, Führungen und Diskussionen, bei der Übergabe eines neuen Feuerwehrautos, beim Fastenbrechen in der Ditib-Moschee und in den Ortsvereinen. Hier mag das Modell Florian Töpper als Beispiel dienen, der neue Landrat hatte die Wahl nicht zuletzt dadurch gewonnen, dass es ihm gelungen war, die eigenen Leute zu mobilisieren.

„Ich gehe überall hin, wo man mich einlädt“, sagt er. „Und wenn ich da bin, bin ich da, ich hüpfe nicht von Termin zu Termin.“ Dann redet er mit den Leuten, versucht, ihnen klarzumachen, was er als Abgeordneter konkret für sie tun könnte. Neulich hat ihm eine Familie ihr Herz ausgeschüttet. „Die wollten einfach mal von ihren Problemen erzählen, ohne groß Hoffnung zu haben, dass ich etwas bewirken kann.“ Er habe dann ein paar „Sympathisanten“, unter anderem bei der IHK, angerufen, und schon tags drauf hatte er ein Papier mit einer Reihe von Lösungsvorschlägen für die Familie auf dem Tisch.

Es macht ihm sichtlich Freude, wenn seine Netzwerke funktionieren, auch wenn er nicht weiß, wie dieser Fall schließlich ausgegangen ist. Netzwerke aufbauen und pflegen, Teams führen und motivieren, Aufgaben definieren und übertragen – all das habe er im Beruf gelernt, all das könne er auch als Abgeordneter umsetzen.

„Ich bin bereit, Entscheidungen zu treffen, ich bin aber auch bereit, Fehler zuzugeben. Wenn man viel bewegt und viel entscheidet, macht man nicht immer alles richtig.“ Dieses Recht nimmt er im übrigen auch für die Partei beim Stichwort Agenda 2010 in Anspruch: „Die SPD wird sich eine zweite Zäsur wie die Agenda 2010 nicht leisten können. Aber es ist doch unredlich, einer 150 Jahre alten Institution nicht zuzugestehen zu sagen, Mist, wir haben einen Fehler gemacht.“

Seine Chance, in den Bundestag einzuziehen, schätzt er als nicht sehr groß ein, sagt er. Erwähnt aber auch, dass er im gegnerischen Lager eine gewisse Nervosität wahrnehme. Nicht vergessen hat Hofmann außerdem das vergiftete Lob des Schweinfurter CSU-Chefs Stefan Funk für Anja Weisgerber, Michael Glos' Wunschnachfolgerin, damals im September, als die Stadt-CSU mit Stefanie Stockinger eine Gegenkandidatin zur Nominierungsversammlung schickte. Eine Entscheidung, so Funk, die eine „Anerkennung der guten und bienenfleißigen Arbeit“ Weisgerbers „auf europapolitischem Parkett“ sei.

Ralf Hofmann

1967 in Werneck geboren, verbrachte Ralf Hofmann seine ersten zweieinhalb Jahre in Mainberg. Nach Abitur am Alexander-von-Humboldt-Gymnasium in Schweinfurt und Zivildienst am Leopoldina-Krankenhaus arbeitete er fünf Jahre lang im selbstverwalteten Kulturhaus „Die Schreinerei“ mit.

Während der Saison des 1. FC Schweinfurt 05 in der zweiten Bundesliga 1990/91 hatte er die Organisationsleitung der Spieltage. Bald begann er mit dem Aufbau seines eigenen Unternehmens, der Veranstaltungsagentur Blues Agency, in die er 1993 als Gesellschafter eintrat und die im gleichen Jahr das erste Kneipenfestival Honky Tonk veranstaltete. Heute finden jährlich rund 45 Honky Tonks in Deutschland, Österreich und der Schweiz statt.

1996 wurde Hofmann für die SPD jüngster Stadtrat in Schweinfurt. 2000 ging er mit der Agentur nach Leipzig. 2010 kehrte er aus privaten und beruflichen Gründen zurück nach Schweinfurt, die Blues Agency hat ihren Sitz seither in Schweinfurt und Leipzig, wo Mitgeschäftsführer Dominik Brähler sitzt. Im März 2013 wurde Ralf Hofmann als Nachfolger von Florian Töpper Unterbezirksvorsitzender der SPD.

 

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