Geldersheim

Kapelle der Soldaten ist jetzt Camp-Café der Anker-Bewohner

In der ehemaligen Kapelle der Conn-Barracks hat die Regierung von Unterfranken gemeinsam mit Caritas und Diakonie ein Camp-Cafe für die Bewohner der Ankereinrichtung eingerichtet. Foto: Anand Anders

Es war rappelvoll und mächtig warm. Diakonie-Vorstand Jochen Keßler-Rosa entledigte sich sogar seines Jacketts bei der Eröffnungfeier im neuen Camp-Café in der Anker-Einrichtung, das von Caritas und Diakonie in der ehemaligen Kapelle der Conn Barracks betrieben wird. Zwei der drei Dolmetscher aus der Bewohnerschaft waren gleich in Badeschlappen gekommen. Prince Salif übersetzte die Ansprachen ins Französische, Abdirahman Korio in Somali und Caritas-Mitarbeiter Florian Blauth ins Englische. Das war nicht immer ganz einfach. Was heißt zum Beispiel Jobcenter auf Somali? Oder Landrat in Englisch. Zumindest für Letzteres fand der Dolmetscher eine lustige Umschreibung. Landrat Florian Töpper, der sich von den Bürgermeistern der drei Anliegergemeinden Geldersheim, Niederwerrn und Euerbach vertreten ließ, ist demnach "head of the majors in the region", also der Chef der Bürgermeister im Landkreis Schweinfurt. 

Gemeinsam eröffneten die Geschäftsführer von Caritas und Diakonie, Jutta Münch und Jochen Keßler-rosa, das neue Camp-Caf... Foto: Anand Anders

Warm soll es künftig auch im symbolischen Sinne im Camp-Café sein, das immer Dienstag, Mittwoch und Donnerstag von 16 bis 18.30 Uhr geöffnet ist. "Wir möchten einen deutlichen sozialen Fußabdruck in der Anker-Einrichtung und einen deutlichen humanitären in den Herzen der hier lebenden Menschen hinterlassen", sagt Caritas-Geschäftsführerin Jutta Münch. Während die Behörden durch das Asylverfahren begleiten, richten die Sozialverbände ihren Blick auf die in der Anker-Einrichtung lebenden Menschen in ihren psycho-sozialen Bedürfnissen und ihren sozialrechtlichen Anliegen.

Rückzugsort für die Bewohner der Ankereinrichtung

Das Camp-Café soll für die Bewohner ein Rückzugsort außerhalb der Wohngebäude sein. Hier haben sie die Möglichkeit, sich bei Kaffee oder Tee auszutauschen. Es gibt WLAN, Spiele, Bücher, Musikveranstaltungen und verschiedene Freizeitangebote. Auch die Fachberatungsstellen der Regierung von Unterfranken wollen hier regelmäßig Gesprächsmöglichkeiten anbieten. "Wir möchten einen kulturellen Austausch mit gegenseitigem Respekt und auf Augenhöhe ermöglichen", beschreibt Diakonie-Vorstand Jochen Keßler-Rosa als wichtigstes Ziel.

Geführt wird das Camp-Café von den Mitarbeitern der Flüchtlings- und Integrationsberatung des Diakonischen Werkes und des Caritasverbandes, die von Ehrenamtlichen unterstützt werden. Auch die Bewohner können sich einbringen, je nach ihrer Kreativität das Angebot mitgestalten oder beim Café-Betrieb mithelfen. "Die Chance, Verantwortung zu übernehmen und das Camp-Café aktiv mitgestalten zu dürfen, schafft die Basis für Selbstvertrauen", erklärt Keßler-Rosa das Konzept der Einrichtung.

Regierungsdirektorin Maria-Antonette Graber unterstreicht die Bedeutung der Flüchtlings- und Integrationsberatung der Sozialverbände und den Stellenwert solcher Einrichtungen wie des Camp-Cafés: "Sie sind unverzichtbar für die Ankereinrichtung." Unter dem Beifall der Anwesenden sagt sie deshalb auch weitere Unterstützung der Regierung von Unterfranken für die Flüchtlingsberatung zu.

"Wir sind sehr glücklich, dass diese Einrichtung hier zustande gekommen ist."
Bettina Bärmann, Bürgermeisterin von Niederwerrn

Für die Anrainergemeinden und in Vertretung von Landrat Florian Töpper, der terminlich verhindert ist, überbringt Niederwerrns Bürgermeisterin Bettina Bärmann als Einstand eine Tüte Kaffee. Und speziell im Namen ihrer Bürgermeister-Kollegen Oliver Brust (Geldersheim) und Arthur Arnold (Euerbach) versichert sie: "Wir Drei sind sehr glücklich, dass diese Einrichtung hier zustande gekommen ist." Und sie hofft, dass das Camp-Café dazu beiträgt, den Aufenthalt der Bewohner in der Anker-Einrichtung etwas angenehmer zu machen.

Keine Hemmungen: Die kleine Gabriella unterstützt Sängerin Bea Bayerlein und Gitarrist Moritz von Papp auf der Bühne. Foto: Anand Anders

Eigentlich soll es jetzt zum gemütlichen Teil übergehen, doch ein junger Somali bittet um das Mikrofon. Abdihakim Shire Abdulahi bedankt sich in fließendem Deutsch für die Einrichtung des Camp-Cafés und nutzt die Gelegenheit, zwei Wünsche der Bewohner vorzubringen. Sie hätten gerne auch WLAN auf den Zimmern, weil das Café ja nur an drei Nachmittagen geöffnet ist, und außerdem Tickets für den Bus in die Stadt. Früher gab es diese, als die Anker-Einrichtung noch in der Ledward-Kaserne war. Jetzt in den Conn-Barracks, wo der Weg in die Stadt weiter ist, wurden sie abgeschafft. Jochen Keßler-Rosa verspricht, die Anliegen der Bewohner bei der Regierung vorzutragen.

Dann ist die Bühne frei für Bea Bayerlein und Moritz von Papp. Das Duo, das Peter Näder und Steffi Groß von der Popularmusikförderung des Bezirks Unterfranken vermittelt haben, sorgt für beste musikalische Unterhaltung. Und wird zwischendurch immer wieder mal unterstützt mit musikalischen Einlagen von Bewohnern der Einrichtung. Auch für die Unterhaltung der kleinen Gäste ist gesorgt. Die Main Connect GmbH ist vor dem Camp-Café mit ihrem Spielmobil vorgefahren und bietet gemeinsam mit den Mitarbeitern des Kinderhauses den ganzen Nachmittag über Spielmöglichkeiten für die Kinder an.

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