Schraudenbach

Karibikblau in fränkisch Grün: Badespaß im Familienbad

Dank Unterstützung vieler Ehrenamtlicher gibt es im kleinen Schraudenbach ein Freibad. Warum sogar aus den Landkreisen Würzburg und Main-Spessart die Badegäste kommen.
Badespaß für kleine und große Wasserratten bietet die Gemeinde Werneck in ihrem Freibad in Schraudenbach. Foto: Silvia Eidel

Die fröhlichen Schreie und das Plantschen der Kinder hört man schon von draußen, wo die vielen Fahrräder am Parkplatz stehen. Im Karibik-Blau des Schwimmerbeckens, das hinter dem Grün der Liegewiese auftaucht, vergnügen sich jüngere und ältere Wasserratten. Sie finden seit Pfingsten wieder Abkühlung im Freibad Schraudenbach, das der Markt Werneck als einzige Landkreisgemeinde – außer Gerolzhofen – seinen und anderen Bürgern bietet.

Eine kleine Warteschlange bildet sich an diesem heißen Nachmittag an der Kasse, die gleichzeitig als Kiosk fungiert. Geduldig nimmt Ewald Öftring den Getränkewunsch kleiner Badenixen entgegen oder wechselt ankommenden Badegästen das Eintrittsgeld. 1,50 Euro kostet die Einzelkarte für Kinder, 2,50 Euro für Erwachsene.

Der Preis ist günstig, "weil es halt auch bescheiden ist, was wir bieten", erklärt Öftring: Ein Schwimmbecken, 25 mal zehn Meter groß und 60 bis 180 Zentimeter tief, mit Rutsche, ein Kinderbecken, dazu eine große Liegewiese und ein Kiosk mit schattigen Sitzplätzen. Alles überschaubar, familiär, freundlich, gemütlich.

Der Kiosk mit schattigen Sitzplätzen ist in den Sommermonaten Treffpunkt und Kommunikationszentrum für Schraudenbach. Foto: Silvia Eidel

Öftring spricht von "wir", der 70-Jährige identifiziert und engagiert sich gemeinsam mit einem Team von etwa 40 Freiwilligen für das Freibad der Gemeinde Werneck. Kasse, Kiosk, Reinigungsdienst, Rasen mähen, Badeaufsicht – das alles und noch mehr übernehmen die Männer und Frauen. Den Gewinn des Kiosk-Betriebs mit den moderaten Preisen darf die eigens gegründete Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) behalten, die Eintrittsgelder wandern in den Gemeindetopf.

Freibad war ursprünglich als Löschweiher gebaut

Öftring, Kreisrat und ehemaliger Wernecker Gemeinderat, ist mitverantwortlich dafür, dass es das Freibad noch gibt. Das war ursprünglich, 1956, von der Gemeinde Schraudenbach als Löschweiher an der Straße nach Schwebenried gebaut und bald von den Dorfkindern zum Baden genutzt worden. 1965 erhielt es einen Betonboden und hellblauem Anstrich und mutierte zu einem echten Schwimmbad.

"Die Schraudenbacher Kinder haben alle da schwimmen gelernt, einfach so, ohne Schulunterricht", weiß der ehemalige Hauptschullehrer. Er selbst zählt auch dazu.

Eine großzügige Liegewiese umgibt das Schwimmer- und Kleinkindbecken im Freibad Schraudenbach. Foto: Silvia Eidel

Sukzessive baute ab 1972, der Bildung der Einheitsgemeinde Werneck, die Kommune die Freizeiteinrichtung aus: Mit Kiosk, Umkleidekabinen, Toiletten und Technik. Fast hätten 2005 die Auflagen des Gesundheitsamtes zur Schließung des Freibads geführt. Aber Öftring initiierte erfolgreich einen Bürgerentscheid pro Bad, so dass die Gemeinde 2006/2007 rund 650 000 Euro in das Naherholungsareal investierte und die Schraudenbacher Freiwilligen viele Stunden Arbeit.

Die technische Anlage des Freibads Schraudenbach sorgt für einwandfreien Badespaß. Foto: Silvia Eidel
Ewald Öftring nimmt auch Wasserproben und analysiert sie. Foto: Silvia Eidel

Allerdings, so bedauern die Helfer noch heute, wurde dabei das ehemals 40 auf 20 Meter große Becken verkleinert. "Obwohl die heutige Technik auch für ein größeres Bad reichen würde", meint Öftring. Er vertritt bei Bedarf den Schwimmmeister des Wernecker Hallenbades bei der Steuerung der Anlage, nimmt Wasserproben, prüft und dokumentiert den pH-Wert oder den Verschmutzungsgrad, füllt Chlor nach oder Flockungsmittel. Und abends lässt er oder der jeweilige Diensthabende den Saug-Roboter auf dem Beckengrund fahren, damit Schmutzpartikel herausgefiltert werden. "Das sind schon lange Tage, von elf bis acht, halb neun." In den Ferien und am Wochenende öffnet das Freibad um 11 Uhr, ansonsten um 13.30 Uhr.

Anstehen fürs Rutschvergnügen, unter den Augen von Rettungsschwimmerin Hiltrud Aldridge (links), die an diesem Tag die Badeaufsicht übernommen hat. Foto: Silvia Eidel
Von ihrem "Bänkle" aus beobachtet Rettungsschwimmerin Hiltrud Aldridge als Badeaufsicht das Treiben im Freibad Schraudenbach. Foto: Silvia Eidel

Für die Badeaufsicht sind derzeit sechs Schraudenbacher verantwortlich, die gegen eine Entschädigung der Gemeinde Dienst leisten. Echte Badeunfälle gab es noch keine. "Pflaster, Zecken, Bienenstiche", zählt Hiltrud Aldridge auf, die die ausgebildeten Rettungsschwimmer einteilt. "574 Stunden Aufsicht waren es bei mir letztes Jahr", weiß die 56-Jährige. 2018 war aber auch ein extrem langer und heißer Sommer gewesen, "die beste Saison seit 1996", ergänzt Öftring. Seit dieser Zeit kümmert er sich, zunächst mit den Alten Herren des Sportvereins, mittlerweile mit weiteren Ehrenamtlichen.

Gemeinde trägt das jährliche Defizit

Auch wenn diese unentgeltlich arbeiten, muss die Gemeinde Werneck – wie alle Kommunen mit Schwimmbädern – jedes Jahr ein Defizit tragen: im mittleren, fünfstelligen Euro-Bereich. 525 000 Liter Trinkwasser ließen die Helfer zur Inbetriebnahme des Freibads nach der Reinigung in diesem Frühjahr in beide Becken ein, sagt Öftring. Das Wasser wird nicht nur permanent gefiltert und wieder zugeführt, es wird auch sukzessive ausgetauscht, so dass es nach 20 Tagen komplett erneuert ist.

Immer wieder investiert die Gemeinde Werneck in ihr Freibad in Schraudenbach, in diesem Jahr in eine Sonnenmarkise über dem Kleinkindbecken. Foto: Silvia Eidel

Immer wieder investiert die Gemeinde Werneck auch in Geräte und Gelände: Heuer stellte sie für knapp 6000 Euro, inklusive einer Firmenspende von 750 Euro, eine Sonnenmarkise über dem Kleinkindbecken auf. 2018 wurde ein zweiter kleiner Parkplatz auf einem benachbarten ehemaligen Gartengelände hergerichtet. Was allerdings an heißen Tagen noch immer zu wenig ist, so dass viele Besucher an der Kreisstraße parken. "Hier wird aber oft zu schnell gefahren", klagt Hiltrud Aldridge. Änderungsvorschläge, etwa ein Versetzen des Ortsschildes oder Geschwindigkeitsbegrenzungen, verliefen bislang ergebnislos.

Nicht nur aus den umliegenden Orten, auch aus den Landkreisen Würzburg oder Main-Spessart kommen mittlerweile die Badegäste. 500 an normalen Tagen, bis zu 800, wenn es extrem heiß wird. In dieser Woche dürfte also wieder einiges los sein im ansonsten beschaulichen "Bad Schraudenbach".

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