SCHWEINFURT

Karriere und andere Kompromisse

Hanns Peter Zwißler: „Mich interessiert die Handlung nicht so sehr wie die handelnden Personen.“
Hanns Peter Zwißler: „Mich interessiert die Handlung nicht so sehr wie die handelnden Personen.“ Foto: Linde Unrein

Hanns Peter Zwißler tut das, was sich viele – potenziell kreative – Menschen während des Arbeitslebens für den Ruhestand vornehmen und dann doch nicht umsetzen: Er arbeitet konsequent den Fundus an Ideen, Romanfragmenten und angefangenen Erzählungen auf, der sich in seiner Zeit als Lehrer am Celtis-Gymnasium angesammelt hat. Und kann so – nach „Die winkende Katze“ (2007), „Die Kunst des Scharfrichters und der Nutzen des Schafotts“ (2011) und „Witwerverbrennung“ (2013) – schon wieder einen Roman vorlegen: „Das Rascheln des Glücks“.

„Ich bin froh, dass Sie nicht gesagt haben: ,Nicht schon wieder ein neuer Roman'“, sagt Zwißler beim Redaktionsbesuch. Das Buch ist fertig und liegt beim Buchbinder – es erscheint wieder bei Königshausen & Neumann und wird spätestens am 16. Oktober vorliegen, wenn Zwißler in der Buchhandlung Vogel daraus liest.

Eigentlich sollte „Das Rascheln des Glücks“ Teil eines Bandes mit Erzählungen werden, aber dann fiel Zwißler auf, dass er schon 100 Seiten geschrieben hatte – der Ausbau Richtung Roman bot sich an. Nun kommt also erst der Roman und dann der Band mit Erzählungen. An denen arbeitet er schon intensiv – um das Loch zu vermeiden, das droht, wenn ein größeres Projekt abgeschlossen ist.

Hanns Peter Zwißler wollte „Das Rascheln des Glücks“ erst im Frühjahr herausbringen, aber der Verlag wollte es schon für Herbst. „Da kann man dann nicht widersprechen“, sagt der Autor. Dass der Roman sieben Wochen vor dem Erscheinungstermin im Katalog angekündigt war, tat ein Übriges: „Ich habe mich richtig reingehängt“, sagt Zwißler.

Das Cover gibt die Bühne vor: ebenso schicke wie gesichtslose Bürofassaden, wie sie etwa im Berliner Regierungsviertel wie Pilze aus dem Boden schießen. Horst Hesselbach, frisch ernannter Präsident des Amtes zur Korruptionsbekämpfung, lädt seine engsten Mitarbeiter privat zu sich ein – nur seinen Kollegen und Widersacher Baier nicht. Die Handlung erstreckt sich über einige Stunden des folgenden Vormittags – Gastgeber und Gäste reflektieren den gemeinsamen Abend (bei dem deutlich mehr getrunken wurde als nötig) und zerbrechen sich den Kopf, wie Baier, ein einsamer Hardliner, wohl auf den Affront reagieren wird.

Der Leser lernt ihn durch die Augen der anderen Figuren kennen – eine Hauptfigur, die selbst gar nicht auftaucht. Als Baier dann tatsächlich verschwindet, scheint sich die Lage zuzuspitzen – der Mann könnte mit seinem Insiderwissen die gesamte Arbeit des Amtes im Handstreich zunichtemachen.

„Mich interessiert die Handlung nicht so sehr wie die handelnden Personen“, sagt Zwißler. Und so zoomt sich der Erzähler in die Köpfe etwa des Horst Hesselbach, der – im Gegensatz zu Baier – gelernt hat, bei der Korruptionsbekämpfung auch Kompromisse einzugehen. Oder seiner Frau Elsa, einer kalten Schönheit, die eher unter ihrem Stand geheiratet hat, und erst durch die Beförderung ihres Mannes so etwas wie eine Rehabilitierung gegenüber ihrem übermächtigen Vater erfährt. Oder der Kollegen, von denen jeder seinen eigenen und durchaus nicht nur negativen Blick auf Baier hat.

Denn Baiers fachliche Verdienste sind unumstritten, es stört halt nur, dass er nicht begreift, dass man politische Freunde nicht nur braucht, sondern auch bei der Stange halten muss. Da hilft es nicht, wenn man immer wieder dafür sorgt, dass lukrative Panzergeschäfte scheitern. Hesselbachs Berufung und Baiers Zurücksetzung sind deshalb ein politisches Signal mit möglicherweise dramatischen Folgen. . . „Der Roman hat einen offenen Schluss“, sagt Hanns Peter Zwißler. „Aber es ist schon in Kapitel eins angelegt, wie es weitergehen könnte.“

Hanns Peter Zwißler liest am Donnerstag, 16. Oktober, um 19 Uhr in der Buchhandlung Vogel aus „Das Rascheln des Glücks“. Karten: 8 Euro im Vorverkauf, 10 an der Abendkasse.

Das Cover gibt den Ton vor.
Das Cover gibt den Ton vor. Foto: Verlag

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